Weisheit - Teil 2

21/02/2016| IslamWeb

Hindernisse der Weisheit

Die Neigung und die fehlende Unparteilichkeit gehören zu den größten Hindernissen der Weisheit. Allâh der Erhabene sagt: „... und folge nicht der Neigung, auf dass sie dich nicht von Allâhs Weg abirren lässt, ...“ (Sûra 38:26), und Er sagt ferner: „Wenn die Wahrheit ihren Neigungen gefolgt wäre, gerieten die Himmel und die Erde und wer in ihnen ist wahrlich ins Verderben...“ (Sûra 23:71).

In einem Hadîth steht: „Wenn du siehst, dass dem Geiz gehorcht wird, der Neigung gefolgt wird, und dass jeder mit seiner eigenen Meinung zufrieden ist, dann kümmere dich um dich selbst!“ (Überliefert von Ibn Mâdscha). Die Neigung macht blind und taub, wie der Großgelehrte [Ibn Taimiyya] sagte. Wie kann jemand, der so ist, die Weisheit erlangen, da das Unwissen und die Weisheit zwei unvereinbare Gegensätze sind, wie Allâh der Erhabene sagt: „Sag: Wollt ihr mir denn wirklich befehlen, einem anderen als Allâh zu dienen, ihr Toren?“ (Sûra 39:64).

Zu den Hindernissen der Weisheit gehören das fehlende Verständnis von Beweismitteln, unzutreffende Beweisführung und auch die Nicht- Berücksichtigung aller Beweise sowie fehlende Erfahrung und Alleingang und dass man die Ziele nicht genau definiert.

Dazu gehören weiterhin die oberflächliche Betrachtungsweise, die Planlosigkeit, die Überstürzung, die fehlende Selbstbeherrschung, die Verwechslung der Begriffe und dass man den Einzelheiten den Vorrang vor dem Allgemeinen gibt, die Listen und Verschwörungen der Feinde außer Acht lässt und die Grundlage der Nützlichkeiten und Schäden nicht beherrscht.

Die Gelehrten sagten: „Der Vernünftige ist nicht derjenige, der das Gute vom Bösen unterscheiden kann, sondern derjenige, der das Beste vom Guten und das Schlechteste vom Schlechten erkennen kann. Allâhs Gesetze sind alle zum Vorteil; wo auch immer der Vorteil zu finden ist, da sind auch die Gesetze Allâhs.“


Wie können wir Weisheit erlangen?

 

Da man sich zuerst läutern soll, bevor man sich die guten Eigenschaften anzueignen versucht, soll jeder, der die Weisheit anstrebt, sich von den Hemmnissen und hindernden Umständen befreien, bevor er versucht, nach den Pfeilern und Gründen der Weisheit zu verlangen.

 

Die Weisheit ist eine Gabe Allâhs, und was Allâh an Güte und Segen ist, wird man nur durch den Gehorsam Allâh gegenüber erlangen. Zu den wichtigsten Mitteln gehören die Aufrichtigkeit, Gottesfurcht, das Erlernen des wahren religiösen Wissens, die Beratung und dass man Allâh um die richtige Entscheidung bittet [das Istichâra-Gebet durchführt]. Dazu gehören auch der Weitblick, die Erhabenheit der Ziele, das Verständnis der universalen und religiösen Gesetze, die Gerechtigkeit, die Anstrengung, das Bittgebet, die Standhaftigkeit, die Milde und die sanfte Gemütsart. All diese Elemente können in einer Person gebündelt werden, was aber sehr selten vorkommt, und man kann sie in einer Gruppe von Personen finden; daher ist die Weisheit manchmal vollkommen, und zum größten Teil ist sie relativ.

 

Ibn Al-Qayyim sagt in seinem Buch Madâridschu As-Sâlikîn: „Allâh der Erhabene gab die Weisheit an Adam und dessen Kinder. Und so hat der vollkommene Mann ein vollkommenes Erbe von seinem Vater, der halbe Mann, wie die Frau, hat das halbe Erbe, und dabei gibt es sehr große Unterschiede, die nur Allâh der Erhabene zählen kann. Die Vollkommensten aller Geschöpfe sind dabei die Gesandten (möge Allah sie in Ehren halten und ihnen Wohlergehen schenken), und die Vollkommensten unter ihnen sind die Standhaften und der Vollkommenste unter diesen ist Muhammad (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken). Deswegen erweist Allâh der Hocherhabene Sich ihm und dessen Umma gegenüber wohlwollend durch die Weisheit, die Er ihnen verleiht, wie Allâh der Erhabene sagt: »... Allâh hat auf dich das Buch und die Weisheit herabgesandt und dich gelehrt, was du (vorher) nicht wusstest...« (Sûra 4:113). Und Er sagt ferner: »So, wie Wir zu euch einen Gesandten von euch geschickt haben, der euch Unsere Worte verliest und euch läutert und euch die Schrift und die Wahrheit lehrt und euch lehrt, was ihr nicht wusstet.« (Sûra 2:151).“

 

Man muss sehr weise bezüglich der gütigen Behandlung der Eltern, der Erziehung der Kinder, des Umgangs mit der Ehefrau und der Pflege der Verwandtschaftsbande umgehen. Einige Männer missbrauchen ihre Rechte gegenüber ihren Frauen, indem sie ihre Frauen schlecht behandeln, sie für eine Sklavin halten und ihre Rechte ignorieren, was eine Versklavung darstellt, die Allâh nicht erlaubt. Allâh der Erhabene sagt: „... Und geht in rechtlicher Weise mit ihnen um...“ (Sûra 4:19). Einige andere Männer unterwerfen sich völlig der Macht ihrer Gelüste und lassen sich von ihren Frauen versklaven; und niemand wird Erfolg haben, der sich von einer Frau führen lässt.

 

Man soll auch die Weisheit berücksichtigen, wenn man das Rechte gebietet und das Verwerfliche verbietet. Die Gelehrten nannten dafür bestimmte Regeln. Demgemäß darf man nicht das Verwerfliche verbieten, während man etwas Verwerflicheres begeht, und man darf es auch nicht so tun, dass man es bestätigt und neue Verwerflichkeiten begeht oder dass man die Verwandten, Nachbarn und Freunde dadurch Schaden aussetzt oder dass man sich ohne einen schariatischen Vorteil ins Unheil stürzt, denn das Handeln wider die Weisheit hat seine unverkennbaren Auswirkungen.

 

Man soll äußerst vorsichtig und präzise beim Weiterleiten von Nachrichten sein, besonders bei denjenigen, die Anschuldigungen von anderen enthalten oder zur Verbreitung der Unzucht unter den Gläubigen führen, denn Allâh der Erhabene sagt: „Und wenn ihnen eine Angelegenheit zu (Ohren) kommt, die Sicherheit oder Furcht betrifft, machen sie es bekannt. Wenn sie es jedoch vor den Gesandten und den Befehlshabern unter ihnen brächten, würden es wahrlich diejenigen unter ihnen wissen, die es herausfinden können. Und wenn nicht Allâhs Huld und Erbarmen gewesen wären, wäret ihr fürwahr außer wenigen dem Satan gefolgt.“ (Sûra 4:83). Er sagt ferner: „als ihr es mit euren Zungen aufgegriffen und mit euren Mündern das gesagt habt, wovon ihr kein Wissen hattet, und es für eine leichte Sache gehalten habt, während es bei Allâh eine ungeheuerliche Sache ist.“ (Sûra 24:15). Und das war über die ungeheuerliche Lüge [über Âischa  möge Allah mit ihr zufrieden sein].

 

In einem Hadîth steht: „Es genügt jemandem an Sünde, alles weiterzusagen, was er gehört hat.“ (Überliefert von Muslim).

 

Dazu gehört auch die Kritik und Bloßstellung der Fehler, denn einige Leute haben eine scharfe und zügellose Zunge. Im Gegensatz dazu gibt es Leute, die den Ratschlag für eine Schande und den Hinweis auf Fehler für eine Verletzung halten, und sie verleihen den Persönlichkeiten, Institutionen und Gruppen eine unantastbare heilige Stelle. Beides ist verpönt und zu berücksichtigen ist die Weisheit, die wir erstreben und verlangen.

 

Zu den verbreiteten Widersprüchen unter den Menschen gehört die Verwechslung von Stärke und Grobheit, von Schwäche und Milde und Sanftheit, von Selbstachtung und Arroganz, von Bescheidenheit und Unterwürfigkeit, von Mut und Leichtsinn, von der Befürchtung der Versuchung und Feigheit und Angst. Der richtige Weg besteht indes darin, die Dinge bei ihren richtigen Namen zu nennen, was nur demjenigen gelingt, dem das Wissen, das Verständnis und die Gabe der richtigen Einschätzung zuteil geworden sind; und das ist genau die Weisheit, von der wir reden: „... und wem Weisheit gegeben wurde, dem wurde da viel Gutes gegeben. Aber nur diejenigen bedenken, die Verstand besitzen.“ (Sûra 2:269).

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