Ein Vers aus dem edlen Buch Allahs gehört zu den umfassendsten Aussagen des Qur'an. Mit ihm wurde die Ermahnung durch die Ereignisse – ihre Vergangenheit und Gegenwart – beabsichtigt, sowie das Festhalten an dem, was Allah geboten hat, und das Unterlassen dessen, wovor Er, der Lobpreiswürdige, gewarnt hat. Der Vers lautet: „Unheil ist auf dem Festland und im Meer erschienen wegen dessen, was die Hände der Menschen erworben haben, damit Er sie einiges von dem kosten lässt, was sie getan haben, auf dass sie umkehren mögen.“ (Sûra 30:41). Wir betrachten diesen Vers, um seine Botschaft zu entschlüsseln – und zwar durch die folgenden Betrachtungen:
Erste Betrachtung: Das Wort zahara „erschien“, das heißt: Es wurde offenbar und deutlich. Erscheinen bedeutet, dass etwas, das bereits existiert, sichtbar wird, wir es aber nicht sehen. Wenn der lobenswerte Herr sagt: „Es ist das Unheil entstanden“, muss das Unheil bereits existiert haben – aber die Verursacher des Unheils haben es verborgen, bis es in der Gesellschaft reifte und sich ausbreitete. Das Unheil selbst erscheint nicht, sondern seine Wirkung erscheint. Das Unheil (Fasâd) erscheint, wenn der Mensch das Gesetz Allahs ignoriert, also das „Tu“ und „Tu nicht“. Die Rechtschaffenheit ist hingegen schon da und besitzt eine Immunität, mit der sie das Unheil bekämpft. Wenn jedoch die Flut des Unheils ansteigt und über die Rechtschaffenheit siegt und sie überwältigt, dann wird es den Menschen offenbar und sichtbar.
Die zweite Betrachtung: Das Unheil ist der negative Zustand, es ist das Gegenteil des Guten und Nützlichen. Die Gelehrten deuten das Wort Fasâd „Unheil“ im Vers unterschiedlich. Die von Ibn ´Abbâs,
, überlieferte Auffassung besagt, dass es die Verminderung des Segens (Baraka) durch die Handlungen der Diener ist – damit sie bereuen. An-Nahhâs schreibt: „Dies ist die beste Aussage über den Vers.“
Die Worte: „auf dem Festland und im Meer“ bedeuten, dass das Unheil die Verschlechterung der Güter an Land und auf See betrifft, von denen die Menschen profitieren. So besteht das Unheil auf dem Land im Verlust des Nutzens und im Entstehen von Schaden – wie das Zurückhalten von Nahrungsmitteln wie Getreide, Früchte und Weidepflanzen, das Verenden der Nutztiere, das Abwandern des Wildes aufgrund von Dürre, und das Entstehen von Plagen wie Heuschrecken, Insekten und Krankheiten. Das Unheil im Meer zeigt sich daran, dass man es nicht mehr nutzen kann, wie etwa weniger Fische, Perlen und Korallen, die zu den größten Ressourcen der arabischen Länder gehörten, und in der Zunahme von Stürmen, die Seereisen behindern, sowie das Versiegen der Flüsse, durch die sich die Menschen mit Wasser versorgen.
Die Erwähnung von „Land und Meer“ bezieht sich auf alle Richtungen, das heißt: Das Unheil ist überall auf dem Land und im Meer erschienen. Das „wegen“ in den Worten: „wegen dessen, was die Hände der Menschen erworben haben“ bedeutet Kausalität. Das „damit“ in: „damit Er sie einiges von dem kosten lässt, was sie getan haben“ bedeutet Konsequenz. Somit bedeutet der Satz: Also ließen Wir sie ein wenig von dem kosten, was sie getan haben.
Die dritte Betrachtung: Die Worte: „Unheil ist auf dem Festland und im Meer erschienen“ beziehen sich bereits auf die Zeit des Gesandten Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken), um uns zu zeigen, dass die Gesandten nur entsandt wurden, um die Menschheit vor diesem Unheil zu retten. Aber da für dieses Unheil ein Grund genannt wird, ist es von dieser Ursache abhängig, ob diese existiert oder nicht. Immer wenn Unheil entsteht, kommt die Strafe. Dies ist ein universelles Gesetz Allahs, das bis bis zum Tag der Auferstehung gelten wird.
Die Vergangenheitsform in „ist erschienen“ bezieht sich tatsächlich auf das Vergangene, daher ist das Unheil bereits erschienen und kommt nicht erst in der Zukunft. Demnach muss es sich um ein beobachtetes Unheil oder eines handeln, von dem sehr häufig berichtet wird (Mutawâtir). Die Vergangenheitsform kann im Arabischen aber auch bedeuten, dass man sicher damit rechnet, dass Unheil entstehen wird, sodass dies als Warnung davor gilt, als ob es bereits geschehen wäre. Ähnlich heißt es im Qurân: „Der Befehl Allahs (zur Auferstehung) ist gekommen.“ (Sûra 16:1). Wie dem auch sei, „Unheil“ schwören die Menschen durch Allahs Erlaubnis herauf. Dies zeigen die Worte: „wegen dessen, was die Hände der Menschen erworben haben.“ Allah legt derartige Ursachen auf besondere Weise fest, um diejenigen zu bestrafen, denen Er zürnt, weil sie schlechte Taten begehen. Dies ist mit „wegen dessen, was die Hände der Menschen erworben haben“ gemeint.
Die vierte Betrachtung: „wegen dessen, was die Hände der Menschen erworben haben“ Damit sind kleine und große Sünden gemeint. So verbreitete sich das Unheil, und seine Ansteckung breitete sich aus, und es wurde von Generation zu Generation vererbt – wo immer sie sich niederließen und wo immer sie sich befanden. Die Zuschreibung des „Verdienens“ (Kasb) zu den Händen ist nach Art eines Gleichnisses für das Tun von Bösem und Schlechtem bei allen Handlungen – ohne dass damit speziell das gemeint wäre, was mit den Händen getan wird. Denn was die Menschen verdienen, geschieht durch alle äußeren Glieder und durch die inneren Sinne – von abweichenden Glaubensvorstellungen und Herzenskrankheiten.
Die schlimmste aller schlechten Taten, die die Hände der Menschen verüben, ist die Verehrung anderer neben Allah – und dies ist hier gemeint, auch wenn die Aussage allgemein ist. Es ist bekannt, dass das das Unheil entsprechend dem Ausmaß der Sünden der Menschen ausfällt. Der Gesandte Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) wurde gefragt: „Welche Sünde ist die größte?“ Er sagte: „Dass du Allah einen Rivalen zur Seite stellst, obwohl Er dich erschaffen hat.“ Der Rivale ist der Gleiche und Ebenbürtige, doch heißt es im Qurân: „Und was immer euch an Unglück trifft, ist durch das, was eure Hände verdient haben.“ (Sûra 42:30). Und es heißt: „Und würden sie den rechten Weg einhalten, würden Wir ihnen reichlich Wasser zu trinken geben.“ (Sûra 72:16).


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