Unsere Kinder nach dem Ramadân

Unsere Kinder nach dem Ramadân
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Tâmir und Afnân sitzen mit ihren Eltern im Wohnzimmer und essen zu Mittag. Ramadân und das Fest sind bereits vorbei. Afnân fragt ihren Vater: "Papa, wieso kommt der Ramadân nur einmal im Jahr?" Der Vater antwortet: "Ich sehe, dass du dich diesem Monat verbunden fühlst, liebe Afnân." Tâmir kommt ihr mit der Antwort zuvor und sagt: "Das stimmt wirklich, Papa. Wir haben uns in diesem Monat zu guten Taten, Beten und Fasten ermutigt."

 
Der Vater sagt mahnend: "Das stimmt. Aber seid gewiss, dass Allâh, der Erhabene, die Taten im Ramadân und außerhalb des Ramadân annimmt. Ihr sollt wissen, dass der Herr des Ramadân auch der Herr des Schawwâl und der anderen Monate ist."
 
Lieber Erzieher: Diese kleine Unterhaltung zwischen dem Vater und seinen Kindern zeigt, was in vielen Kinderköpfen vorgeht. Auch wenn sie es nicht in Sätze fassen, so wissen sie doch, dass der Ramadân vorbei ist und mit ihm, was mit ihm gekommen ist.
 
Ja, lieber Erzieher, der Monat des Qurân ist vergangen. Der Monat, in dem man um die guten Taten wetteifert, ist vorüber. Lehre deine Kinder, dass der Ramadân keine bloße Zeit der guten Taten ist, die vergeht, und mit der die guten Taten vergehen. Ramadân ist der Monat der Veränderung.
 
Beständigkeit, nicht Schnelligkeit
 
Lieber Erzieher! Du musst verstehen und deinen Kindern zu verstehen geben, dass der Ramadân der Monat ist, in dem der Imân gestärkt wird, und nicht nur eine Welle des Imân, die vergeht. Wir wollen nicht zu denen gehören, die im Ramadân sehr viele gute Taten verrichten und nach dem Ramadân wieder zu ihrem alten Leben zurückkehren. Über diese sagt Allâh, der Erhabene: „Und seid nicht wie jene, die ihr Garn, nachdem es fest gesponnen war, wieder in aufgelöste Strähnen bricht...“ (Sûra 16:92)
 
Dieser Vers vergleicht die Beziehung zwischen manchen Menschen und Allâh mit einer Frau, die ein Gewand webt. Nachdem sie es vollkommen gewebt und verziert hat, löst sie es auf, so dass es wieder zu einem Faden wird. Damit zerstört sie alles, was sie an Arbeit und Vermögen in dieses Gewand investiert hat.
 
Die Beständigkeit sieht so aus, dass wir eine neue Ibâda beginnen, die wir vor Ramadân nicht praktiziert haben. Wir halten an ihr das ganze Jahr über fest, bis wieder der Ramadân vor der Tür steht. So baut der Muslim Stück für Stück. Ein Zeichen dafür, dass Allâh deine gute Tat akzeptiert, ist, dass Er dich danach mit einer weiteren guten Tat versorgt. Wenn du diese gute Tat dauerhaft praktizierst, ist dies ein weiteres Zeichen für die Annahme deiner Taten durch den Allerbarmer.
 
Wie festigt man sich?
 
Lieber Erziehender! Wir haben bereits erläutert, dass es ein Zeichen für die Veränderung deines Kindes im Ramadân ist, dass es eine neue Ibâda verrichtet, die es vorher nicht verrichtet hat. Damit dein Kind auch nach diesem Monat beständig diese guten Taten verrichtet, musst du folgende wichtige Grundsätze beachten:
 
1. Sei ihnen ein Vorbild: Ein Sprichwort sagt, dass die Tat eines Mannes schon 1000 Männer beeinflusst hat. Dein Sohn wird diese guten Taten nur beständig verrichten, wenn du selbst sie beständig verrichtest. Du kannst ihn mit zum Gebet nehmen oder ihn wissen lassen, dass du fastest, damit er sich an dir ein Beispiel nimmt. Vergesse nicht, dass diese kleinen Augen ihre Eltern bei jeder Bewegung verfolgen. Sie lassen sie nicht eine Sekunde aus den Augen. Allâh hat uns verboten, mit unseren Taten von dem abzuweichen, was wir sagen. Er sagt: „Befehlt ihr denn den Menschen Güte, während ihr euch selbst vergesst, wo ihr doch die Schrift lest? Begreift ihr denn nicht?“ (Sûra 2:44)
 
2. Die Moschee ist ein Muss: Lieber Erziehender, Du und deine Frau haben zwar einen großen Einfluss auf eure Kinder, der der Freunde und Kollegen ist aber stärker und größer. Denn wenn das Kind seinen Eltern folgt, tut es dies aus Liebe und Ehrfurcht. Wenn es aber seinen Freunden in der Moschee folgt, so sind die einzigen Gründe dafür Liebe und Überzeugung. Dazu kommt, dass sich der Glaube jedes Gläubigen dadurch stärkt, dass er mit anderen zusammen eine gute Tat begeht. Allâh, der Erhabene, hat unseren Propheten  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken und alle Muslime dazu aufgefordert, sich die frommen Muslime als Gefährten zu wählen: „Halte dich geduldig zurück zusammen mit denen, die ihren Herrn morgens und abends anrufen, im Begehren nach Seinem Angesicht. Und deine Augen sollen nicht über sie hinwegsehen, indem du den Schmuck des diesseitigen Lebens begehrst'. Und gehorche nicht jemandem, dessen Herz Wir Unserem Gedenken gegenüber unachtsam gemacht haben, der seiner Neigung folgt und dessen Angelegenheit (durch) Maßlosigkeit (ausgezeichnet) ist.“ (Sûra 18:28)
 
Dinge, mit denen du deine Kinder in frommen Taten festigen kannst
 
1. Lobe dein Kind jedes Mal, wenn du es beim Beten oder bei einer anderen guten Tat siehst, die es im Ramadân begangen hat. Am Besten ist es, wenn du ihn in diesem Moment vor seinen Freunden oder Bekannten oder vor seinen Verwandten bei einem Familientreffen lobst. Das Lob hat einen gewaltigen Einfluss auf die Kinder. Ein Beispiel: Anlässlich eines Familientreffens nach Ramadân sagst du in seiner Anwesenheit zu ihnen: Wusstet ihr schon, dass Tâmir im Ramadân angefangen hat zu beten? Er hat es gelernt und jetzt kann er es richtig gut.
 
2. Benutze Auswertungspläne: Man macht hinter jedes verrichtete Gebet einen Haken. Belohne ihn immer, wenn du siehst, dass er sein Gebet ordentlich und beständig verrichtet. Es kann auch eine kleine Überraschung sein.
 
3. Erinnere ihn gelegentlich an die Belohnung dieser Taten, die er verrichtet. Berichte ihm über den großen Vorzug, den Allâh ihm für seine Taten bereitet hat. Nenne ihm einen Vers oder Hadîth über dieses Thema. Wenn du eine Geschichte eines jungen Prophetengefährten oder jungen Muslims der ersten Generationen bezüglich dieser frommen Tat findest, dann erzähle sie ihm.
 
Lieber Erziehender! Wenn dein Kind den Ramadân mit dieser guten Tat, die es erlernt hat, verlässt, dann hast du etwas Gutes gewonnen. Möge Allâh dein Kind zu einer Augenweide für dich und deine Frau machen.

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