Zusammenstellung des Qurân zur Zeit des Kalifen Uthmân ibn Affân

Zusammenstellung des Qurân zur Zeit des Kalifen Uthmân ibn Affân
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Als Umar  möge Allah mit ihm zufrieden sein verstorben war und das Kalifat an Uthmân  möge Allah mit ihm zufrieden sein überging, befanden sich bereits viele Gefährten des Propheten  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken in den verschiedensten Teilen des islâmischen Reiches. Die Menschen hatten in Scharen den Islâm angenommen und es kam zu Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Lesarten des Qurân. Die Bewohner des Gebietes Asch-Schâm (des damaligen Groß-Syriens) lasen den Qurân nach der von Ubaiy überlieferten Lesart, die Leute von Kufa hielten sich an die Lesart von Abdullâh ibn Mas‘ûd, während die Bewohner Basras nach der Lesart des Abû Mûsâ Al-Asch‘arî lasen. Einige wussten nicht, dass es mehrere authentische Lesarten des Qurân gibt. Sie dachten, dass nur ihre eigene Lesart die einzig Richtige sei, die anderen aber falsch und hinsichtlich des Offenbarungsbuches Allâhs unzulässig seien, sodass es in dieser Frage beinahe zu Spaltungen gekommen wäre.

 

Al-Buchârî überlieferte in seinem Sahîh-Werk einen Hadîth von Anas  möge Allah mit ihm zufrieden sein. Darin heißt es, dass Hudhaifa ibn al-Yamân, der mit den Irakern am Feldzug nach Asch-Schâm, Armenien und Aserbaidschan teilnahm, zu Uthmân  möge Allah mit ihm zufrieden sein kam. Hudhaifa erschreckten die Kontroversen über die Qurân-Rezitation, weshalb er zu Uthmân sagte: „Fürst der Gläubigen, komm dieser Gemeinschaft zuvor, bevor sie über das Offenbarungsbuch uneins sein wird, wie es bei den Christen und den Juden der Fall war!“ Da schickte Uthmân Hafsa eine Nachricht: "Schick uns die Aufzeichnungen des Qurân, damit wir von ihnen Abschriften in Buchform anfertigen, anschließend schicken wir sie dir zurück!“ Hafsa schickte Uthmân diese, worauf er Zaid ibn Thâbit, Abdullah ibn Az-Zubair, Sa‘îd ibn Al-Âs und Abdurrahmân ibn Al-Hârith ibn Hischâm beauftragte, diese in Bücher zu kopieren. Uthmân sagte zu der kleinen Gruppe der drei Quraischiten: „Wenn ihr drei und Zaid ibn Thâbit hinsichtlich des Qurân unterschiedlicher Auffassung seid, dann schreibt es in der Sprache der Quraisch auf, denn in ihrer Sprache wurde der Qurân geoffenbart!“ Das taten sie und Uthmân  möge Allah mit ihm zufrieden sein gab nach der Fertigstellung die Seiten an Hafsa zurück. Uthmân sandte daraufhin in jede Richtung ein Qurân-Exemplar dieser Kopien und ordnete an, alle anderen Qurân-Aufzeichnungen (die nicht damit übereinstimmten) zu verbrennen.

 

Uthmân beabsichtigte mit diesem Werk, die Niederschrift des Abû Bakr in Qurân-Exemplaren zu kopieren, auf die sich alle geeinigt hatten, damit den Menschen allerorts eine korrekte Niederschrift desselben zur Verfügung stünde, auf die sie zurückgreifen konnten. Er wollte damit nicht etwa etwas sammeln, was noch nicht gesammelt wurde, sondern er wollte das bereits Gesammelte kopieren, damit sich die Menschen daran orientieren.

 

Uthmân ordnete bei dieser Redaktion folgende Vorgehensweise an:

 

- Er stützte sich auf die Zusammenstellung Abû Bakrs  möge Allah mit ihm zufrieden sein, was die oben erwähnte Überlieferung Al-Buchârîs belegt. Darin heißt es, dass er den bei Hafsa auf Seiten niedergeschriebenen Qurân verlangte, um diese in Buchform abzuschreiben.

 

- Uthmân beaufsichtigte selbst den Redaktionsausschuss und überprüfte ihn regelmäßig. In einem Hadîth, dessen Überliefererkette von Ibn Kathîr als authentisch eingestuft wird, heißt es, dass Uthmân, als er die Abschriften des Qurân anfertigen lassen wollte, zwölf Männer von den Quraisch und den Ansâr zusammenrief; es heißt, dass Uthmân sie selbst beaufsichtigte.

 

- Jeder, der etwas vom Qurân besaß, das er vom Propheten  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken selbst gehört hatte, sollte dies bringen und sich an der Redaktion und Vervielfältigung beteiligen. Alî  möge Allah mit ihm zufrieden sein sagte laut einer authentischen Überlieferung: „Ihr Leute, hegt keinen Groll gegen Uthmân und sagt nur Gutes über ihn, denn er tat das, was er mit dem Qurân tat, nur nach Absprache mit uns allen!“

 

- Er beschränkte sich angesichts der verschiedenen Lesevarianten auf den Dialekt der Quraisch, wie im Hadîth erwähnt.

 

- Die Redaktion sollte die Lesevariante der Quraisch enthalten, die eine der sieben Lesevarianten ist, in denen der Qurân geoffenbart worden war.

 

- Nach Abschluss der Niederschrift des Musterexemplars überprüfte sie Zaid ibn Thâbit, danach Uthmân selbst.

 

Die Gefährten des Propheten  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken hielten sich bei ihrer Niederschrift des Qurân genau an diese Vorgehensweise. Als die Abschrift fertig war, ordnete Uthmân an, weitere Abschriften dieses Musterexemplars anzufertigen. Diese sandte er in alle großen Städte und sie wurden später als die von Uthmân stammenden Qurân-Exemplare bekannt. Daraufhin wurden alle anderen Aufzeichnungen verbrannt, um jeder Art von Kontroverse und Spaltung entgegenzuwirken.

 

Die Gelehrten bezeichnen folgende Exemplare als Uthmâns Qurân-Exemplare: das Musterexemplar, das von Uthmân selbst aufbewahrt wurde, die Madina-Ausgabe, die Makka-Ausgabe, die Asch-Schâm-Ausgabe, die Kufa-Ausgabe und die Basra-Ausgabe. Jedes dieser Qurân-Exemplare wurde von Uthmân an seinen jeweiligen Bestimmungsort geschickt und von den Einwohnern des jeweiligen Gebietes als Grundlage genommen.

 

Auf diese Weise bewahrte Uthmân  möge Allah mit ihm zufrieden sein die muslimische Gemeinschaft vor einer kurz bevorstehenden Spaltung; sein Werk ist Ausdruck einer jener Wege, die Allâh der Erhabene zur Bewahrung Seines Offenbarungsbuches in Bestätigung Seiner Worte bestimmte: „Wahrhaftig Wir, Wir haben die Ermahnung hinabgesandt und wahrhaftig Wir sind die sie Bewahrenden!“ (Sûra 15:9). Wir bitten Allâh den Erhabenen, zu jenen zu gehören, die Sein Offenbarungsbuch im Gedächtnis und es durch Rezitation und Taten bewahren! Und unsere letzten Worte sind, dass der Lobpreis Allâhs des Herrn der Welten ist.

 

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