Geduld und Gelassenheit – Teil 2

Geduld und Gelassenheit – Teil 2
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Es gibt eine berühmte Geschichte von einem Beduinen, der zum Propheten möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken kam und in einem Ausmaß an dessen Gewand zog, dass es sich über seinen Nacken hochzog. Die Gefährten wurden wütend, als der Beduine dem Propheten möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken die Anweisung gab, ihm etwas von der Zakât zu geben. Der Prophet möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken lächelte lediglich und beauftragte die Gefährten, ihm das zu geben, was er verlangte.

 
Während der makkanischen Offenbarungszeit ertrugen es die Muslime 13 Jahre hindurch, verspottet, gedemütigt, verleumdet, gefoltert, bestraft, ausgehungert, boykottiert und ermordet zu werden. Dann ergänzten dies in weiteren acht Jahren Krieg, Verschwörung und Verrat seitens der makkanischen Polytheisten. Als der Prophet möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken später nach Makka gelangt war, marschierte er mit einer mächtigen, 10.000 Mann starken Armee ein. Wenn er gewollt hätte, hätte er sich rächen können und diese Verbrecher niedermetzeln können. Stattdessen kam er zu ihnen und sagte: "Ich sage, was mein Bruder Joseph sagte: »Keine Schuld trifft euch heute. Allâh wird euch vergeben und Er ist der Barmherzigste aller Barmherzigen.«" Dann sagte der Prophet möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken zu den Bewohnern Makkas: "Kehrt zurück in eure Häuser, denn ihr alle seid frei!"
 
An diesen schönen Charakterzug wird gewöhnlicherweise erinnert, indem man Beispiele des Prophetengefährten Al-Ahnaf ibn Qais  möge Allah mit ihm zufrieden sein anführt. Es wird berichtet, dass ein Mann einmal Al-Ahnaf verbal attackierte und dieser nicht antwortete und weiterging. Deshalb lief der Mann ihm hinterher und beharrte auf seinen Beleidigungen gegen Al-Ahnaf, bis sie die Ortschaft erreichten. Dann drehte sich Al-Ahnaf um und sagte zu ihm: "Wenn du noch etwas zu sagen hast, dann teil es jetzt alles mit, bevor die Menschen sehen, wie du dich benimmst und dies deinem Ruf schaden wird!" In einer anderen Situation begann ein Mann Al-Ahnaf laut zu beschimpfen. Er folgte ihm, bis Al-Ahnaf sich zu ihm drehte und freundlich sagte: "Komm, es ist Zeit zum Mittagessen! Was hältst du davon, dich mir zuzugesellen?"
 
Eines Nachts ging der große, rechtgeleitete Kalif Umar ibn Abdulazîz mit einem seiner Wächter hinaus, um in der Stadt umherzugehen. Sie betraten die Moschee, in der es dunkel war, und Umar stolperte über einen Mann. Der Mann stand sofort auf und fragte Umar zornig: "Bist du verrückt?" Umar antwortete: "Nein!" Umars Wächter wollte den Mann schlagen, doch der Kalif hielt ihn zurück und sagte: "Fass ihn nicht an! Er hat mich nur gefragt, ob ich verrückt bin und ich habe »Nein!« gesagt." Um dieses Ereignis ins rechte Licht zu rücken: Umar war zu jener Zeit der Herrscher von ungefähr einem Drittel der zivilisierten Welt und hatte die Macht, Armeen zu überwinden. Diese Macht und Obrigkeit veranlasste ihn nicht dazu, seinen Charakter zu verlieren.       
 
Geduld ist ein Zeichen wahrer Stärke eines Menschen. Der Prophet möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken lehrte uns: "Der starke Mann ist nicht derjenige, der einen körperlichen Kampf gewinnen kann. Der starke Mensch ist derjenige, der sich beherrscht, wenn er verärgert ist." (Al-Buchârî 6114).
 
Es wurde gesagt, dass die diesseitige Belohnung für denjenigen, der Geduld zeigt, darin besteht, dass die Menschen ihn unterstützen. Es besteht kein Zweifel daran, dass es eine der wertvollsten Errungenschaften ist, sich zu dieser edlen Eigenschaft zu erziehen. Unser Prophet möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte: "Es wird nichts Großartigeres für Allâh hinuntergeschluckt als der eigene Ärger um Allâhs willen." (At-Targhîb, 3/386).
 
Es gibt zwei Arten von Ärger: lobenswerten und tadelnswerten. Lobenswerter Ärger ist, wenn sich jemand auf Grund dessen ärgert, dass Allâh, Sein Gesandter oder Seine Botschaft in irgendeiner Art herabgesetzt werden. Tadelnswerter Ärger ist, wenn der Ärger auf Grund eines persönlichen Problems und nicht um Allâhs willen aufkommt. Obwohl es lobenswert ist, sich um Allâhs willen zu ärgern, muss man dennoch gelassen bleiben, damit dies im Zeichen von Geduld stehen kann. Verübe niemals einen persönlichen Angriff!
 
Die Frage ist: Wie können wir diese Eigenschaften der wahren anbetend Dienenden des Allerbarmers erlangen und uns vor der furchtbaren Krankheit des Zorns schützen? Gemäß der Sunna des Propheten möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken haben wir sechs einfache Methoden, um uns zu schützen:
 
Sei bei all deinen Taten und Worten bescheiden und vermeide Arroganz!
 
Entschuldige Andere immer und verzeih ihnen ihre Fehler und Mängel!
 
Sei optimistisch und sieh das Gute in den Dingen, anstatt dich auf die Fehler Anderer zu konzentrieren!
 
Suche aufrichtig Zuflucht bei Allâh, wenn du dich ärgerst!
 
Verrichte umgehend die rituelle Gebetswaschung und ein Sunna-Gebet, wenn du dich ärgerst! Erinnere dich daran, dass Wasser Feuer löscht!
 
Wenn du dich in einer verbalen Auseinandersetzung ärgerst, dann setz dich hin, um dein Argument vorzubringen! Wenn du selbst dann noch verärgert bist, dann leg dich hin! Entspanne dich, beruhige dich und gedenke Allâhs!
 
Allâh hat das Unterdrücken des eigenen Ärgers und das Verzeihen zu Schlüsseleigenschaften derer gemacht, die sich Allâhs bewusst sind und demütig in Ehrfurcht gegenüber Allâh sind. Durch diese Eigenschaften wird uns das Paradies zugesichert.  Möge Allâh es leicht für uns machen, diese Eigenschaften zu erlangen!
 

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