Das Bittgebet – eine in Vergessenheit geratene Anbetungshandlung - Teil 1

 Das Bittgebet – eine in Vergessenheit geratene Anbetungshandlung - Teil 1
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„Oder (ist besser) wer den in einer Notlage Befindlichen erhört, wenn er Ihn anruft, und das Böse hinwegnimmt und euch zu Nachfolgern (auf) der Erde macht? Gibt es denn einen (anderen) Gott neben Allâh? Wie wenig ihr bedenkt!“ (Sûra 27:62).

 

Aller Lobpreis gebührt Allâh – häufiger, guter und gesegneter Lobpreis! Aller Lobpreis gebührt Allâh. Ein Lobpreis, der die Himmel und die Erde erfüllt, und alles, was Er darüber hinaus will. Der Lebende, der Wache, der Schöpfer der Himmel und der Erde, der Entsendende der Gesandten mit der Wahrheit, der Reiche, der Starke, der Gepriesene, der Allmächtige, der Stolze.

 

Er hat uns die Ehre erwiesen, zwischen uns und Sich keine Barriere errichtet und keinen Mittler oder Stellvertreter eingesetzt. Vielmehr hört Er, ist nahe und erhört die Bittgebete, der Allerbarmer, der Allbarmherzige.

 

Heutzutage sehen und spüren wir, dass die Menschen keine Bittgebete von Herzen verrichten, mit Ausnahme derer, derer Allâh Sich erbarmt hat. Wenn jemand über eine Angelegenheit spricht und man antwortet, dass er oder man selbst Bittgebete verrichten sollte, runzelt er die Stirn, knurrt, ist deprimiert und macht ein finsteres Gesicht, als hätte man ihn entmutigt und sein Anliegen für verloren erklärt.

 

Was halten wir demnach von Bittgebeten? Sind sie denn keine Anbetungshandlung? Sie gehören sogar zu den majestätischsten Anbetungshandlungen. Durch sie wird die Nähe des anbetend Dienenden zu seinem Herrn, seine Ergebenheit Ihm gegenüber, seine Akzeptanz Seiner Erhabenheit und seine Anerkennung Seiner Einzigartigkeit bemessen.

 

Der Erhabene sagt: „Euer Herr sagt: »Ruft Mich an, so erhöre Ich euch! Gewiss, diejenigen, die sich aus Hochmut weigern, Mir zu dienen, werden in die Hölle gedemütigt eingehen.«“ (Sûra 40:60).

 

Wehe dir, wehe dir, du unterlässt die Bittgebete und bist zu stolz dafür und gehörst zu denjenigen, die die oben genannte Strafe Allâhs des Erhabenen trifft! Als nächstes sollte man den Großmut des Majestätischen und Hohen zu Beginn des Verses in Seiner Aussage: „… Ruft Mich an, so erhöre Ich euch!...“ betrachten! Zwischen den beiden Satzteilen bestehen keine Trennung und kein Aufschub.

 

Es wurde überliefert, dass die Bittenden, wenn sie (am Tag der Auferstehung) die Folgen ihrer nicht umgehend beantworteten, jedoch für sie aufgeschobenen Bittgebete und deren Belohnung sehen, sich wünschen werden, ihnen wäre nicht ein einziges Bittgebet umgehend beantwortet worden.

 

Als Moses und Aaron  Frieden sei auf ihnen ) Allâh den Erhabenen gegen den Pharao anriefen, kam die Antwort: „Er sagte: »Eure beider Anrufung ist erhört. So verhaltet euch recht und folgt ja nicht dem Weg derjenigen, die nicht Bescheid wissen.«“ (Sûra 10:89).

 

Ibn Kathîr sagte: „Moses sah die Erfüllung erst 40 Jahre später.“ Dieser Prophet Allâhs bittet und wartet dann 40 Jahre lang! Was ist dann mit jemandem von uns, der keine vier Tage wartet, dann ungeduldig wird und sagt: „Ich wurde nicht erhört!“

 

Es wurde jedoch auch überliefert, dass es Menschen gab, die baten und umgehend von Allâh erhört wurden, wie beispielsweise jemand, der um Regen bat und dieser sofort herabkam. Allâh besitzt die Weisheit darüber, ob Er das Bittgebet sofort erhört oder es aufschiebt.

 

Der Herr der Allmächtige sagt: „Nicht überdrüssig wird der Mensch, um das Gute zu beten, doch wenn ihm Schlechtes widerfährt, dann ist er sehr verzweifelt und verliert alle Hoffnung.“ (Sûra 41:49).

 

Im Sahîh-Werk von Al-Buchârî ist überliefert, dass Abdullah ibn Yûsuf berichtete: „Mâlik berichtete uns von Ibn Schihâb nach einer Aussage von Abû Ubaid, dem Bediensteten Ibn Azhars, nach einer Aussage von Abû Huraira, dass der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: »Es wird das erhört, was man nicht hastig haben möchte, wobei man sagt: 'Ich habe gebetet und wurde nicht erhört'«

 

Bitte also Allâh und treffe die nötigen Vorkehrungen, damit es angenommen wird! Das, was dann geschieht, obliegt gewiss Allâh dem Erhabenen!

 

Lasst uns also unsere Gedanken sammeln und ordnen und den Glauben in unseren Herzen erneuern und Allâh mit der Gewissheit, dass Er uns erhört, anrufen und dabei Seine Vergebung und Barmherzigkeit ersehnen! Lasst uns sogar täglich Bittgebete verrichten und die Zeiten der Annahme beachten! Du flehst nicht einen Herrscher oder Fürsten oder Minister an, sondern den König der Könige, den Erhalter der Himmel und der Erde! Wie kannst du also die Diener bitten und dich an sie wenden, und den Herrn der Diener vergessen?! Wehe mir und wehe dir, dass du dies tust und Tote und Lebendige, die nicht nutzen und nicht schaden können, als Mittler zwischen dir und dem König dem Erhabenen nimmst! Vielmehr sagte der Erhabene zu Muhammad (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken): „Und wenn dich Meine Diener nach Mir fragen, so bin Ich nahe; Ich erhöre den Ruf des Bittenden, wenn er Mich anruft. So sollen sie nun auf Mich hören und an Mich glauben, auf dass sie besonnen handeln mögen.“ (Sûra 2:186).

 

Denke also über den Vers nach! Und vor allem über folgenden Teil „Ich erhöre den Ruf des Bittenden“! Allâh der Erhabene machte nicht einmal das Ihm liebste Geschöpf – seinen Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) – zu einem Mittler zwischen Ihm und den Ihm anbetend Dienenden.

 

Der Majestätische und Höchste sagt: „Ihm gebührt die wahre Anrufung. Diejenigen, die sie außer Ihm anrufen, erhören sie in nichts. Sie sind nur wie einer, der seine Hände nach Wasser ausstreckt, damit es seinen Mund erreiche, aber es erreicht ihn nicht. Aber das Bittgebet der Ungläubigen geht nur ins Leere.“ (Sûra 13:14).

 

Wende dich also einzig an Ihn den Erhabenen und rufe Ihn mit Seinen schönsten Namen an, wie der Majestätische und Höchste sagt: „Allâhs sind die schönsten Namen; so ruft Ihn damit an und lasst diejenigen, die mit Seinen Namen abwegig umgehen. Ihnen wird das vergolten, was sie zu tun pflegten.“ (Sûra 7:180).

 

Wenn du Versorgung möchtest, dann rufe: „O Versorger, versorge mich ...!“

 

Wenn du Reichtum möchtest, dann rufe: „O Reicher, bereichere mich …!“

 

Wenn du Vergebung möchtest, dann rufe: „O Vergebender, vergib mir …!“

 

Wenn du Barmherzigkeit möchtest, dann rufe: „O Barmherziger, sei barmherzig mit mir …!“

 

Wenn du Wissen möchtest, dann rufe: „O Allwissender, schenke mir Wissen …!“

 

Obgleich die Befolgung und die Bittgebete, wie sie vom Gesandten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) überliefert wurden, gesegneter sind und eher erhört werden, ist es dennoch erlaubt, mit dem zu bitten, was Allâh einem in den Sinn gibt und was man selbst möchte, solange es nicht verboten ist oder einen Angriff auf den Schöpfer darstellt.

 

Der Hocherhabene sagt: „Ruft euren Herrn in Unterwürfigkeit flehend und im Verborgenen an. Gewiss, Er liebt nicht die Übertreter.“ (Sûra 7:55).

 

Der Scheich des Islâm Ibn Taimiya sagte: „Es ist dem Menschen erlaubt, mit den überlieferten Bittgebeten zu bitten; denn das Bittgebet gehört gewiss zu den besten Anbetungshandlungen. Allâh hat uns verboten, die Grenzen dabei zu überschreiten. Deshalb müssen wir dem Vorgeschriebenen und Erlassenen folgen, genauso wie bei anderen Anbetungshandlungen. Was denjenigen angeht, der von den vorgeschriebenen Bittgebeten abweicht, so wäre es besser für ihn, das Ausgezeichnetere und Bessere, sprich die Bittgebete des Propheten nicht zu verpassen. Denn sie sind nach übereinstimmender Meinung der Muslime gewiss besser und ausgezeichneter als andere Bittgebete, auch wenn einige Scheiche sie benutzen. Wie kann es sein, dass in derartigen Bittgebeten Fehler, Sünden oder Sonstiges enthalten sind?!“

 

Scheich Alî Al-Hudhaifî sagte: „Beim Bittgebet geht es um die Verherrlichung des Verlangens nach Allah, dass Er uns unsere diesseitigen und jenseitigen Anliegen erfüllt und das Leid nimmt und die diesseitigen und jenseitigen Schlechtigkeiten und verpönten Dinge abwendet.“

 

Deshalb sollten wir uns bewusst sein und empfinden, dass wir schwach und bedürftig sind und dass wir keine Kraft und keine Macht besitzen, außer durch unseren Schöpfer! Wer sich auf seine eigene Kraft verlässt, der wird scheitern; wer sich auf seine eigene Intelligenz verlässt, der wird verlieren; und wer hochmütig ist und sich selbst bewundert, der wird irregehen. Lasst uns also die Verbindung zu Allah halten, ständig Seine Nähe suchen und das Herz mit Seiner Liebe und den Taten, die Ihn zufrieden stellen, beschäftigen!

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