Das Bittgebet – eine in Vergessenheit geratene Anbetungshandlung - Teil 2

Das Bittgebet – eine in Vergessenheit geratene Anbetungshandlung - Teil 2
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Der Gesandte Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Vorsicht schützt nicht vor dem Schicksal, und das Bittgebet nützt einem gegen das, was schon herabgekommen ist und was noch nicht herabgekommen ist. Und gewiss, die Prüfung kommt sicher herab und das Bittgebet empfängt sie, und sie kämpfen bis zum Tage der Auferstehung miteinander.“ (Aus: Sahîh Al-Dschâmi).

 

Ibn Al-Qayyim sagte: „Das Bittgebet gehört zu den besten Medikamenten und ist der Feind des Unheils. Er schiebt es hinfort, heilt es, unterbindet sein Herabkommen, lässt es wieder hinaufsteigen und erleichtert es, wenn es herabgekommen ist. Und es ist die Waffe des Gläubigen.“

 

All dies sind Dinge, die uns zum Festhalten an dieser großartigen Anbetungshandlung ermuntern. Es ist eine Gepflogenheit der Propheten vor uns und ein Weg um sich dem Starken und Edlen zu nähern. Allâh der Erhabene sagt: „Da rief Zakariyyâ seinen Herrn an und sagte: »Mein Herr, schenke mir von Dir aus gute Nachkommenschaft! Du bist ja der Gebetserhörer.«“ (Sûra 3:38).

 

Und: „Und (auch) Nûh, als er zuvor rief. Da erhörten Wir ihn und erretteten darauf ihn und seine Angehörigen aus der großen Trübsal.“ (Sûra 21:76).

 

Wir beobachten zunehmend, dass sich Unfälle und Katastrophen ausbreiten, die den Menschen widerfahren. Auch Leid, Krankheiten, überfüllte Krankenhäuser und Kliniken sind zunehmend zu beobachten. Dennoch sieht man verblüffend große Undankbarkeit. Wie Allâh der Hocherhabene sagt: „Und wenn dem Menschen Unheil widerfährt, ruft er Uns auf der Seite (liegend), im Sitzen oder Stehen an. Wenn Wir ihm aber sein Unheil hinweggenommen haben, geht er vorbei, als hätte er Uns nicht wegen eines Unheils, das ihm widerfahren ist, angerufen. So ist den Maßlosen ausgeschmückt, was sie tun.“ (Sûra 10:12).

 

Ich fand keine passenderen Worte als den Kommentar zu diesem Vers im Werk At-Tafsîru Al-Muyassar: „Und wenn dem Menschen Unheil wiederfährt, ruft er Uns – sprich: Allâh – auf der Seite (liegend), im Sitzen oder Stehen um Hilfe an, dieses abzuwenden. Dies alles auf Grund des Zustands, in dem er sich zum Zeitpunkt der Herabsendung dieses Unheils befindet. Wenn Wir das Unheil, das ihm widerfahren ist, von ihm hinweggenommen haben, beharrt er auf seiner ursprünglichen Manier, bevor das Unheil ihn traf. Und er vergisst, was ihn an Unheil und Unglück getroffen hatte und ist seinem Herrn gegenüber undankbar, Der ihn von dem auf ihn herabgekommenen Unheil befreit hat. Genauso wie diesem Menschen das Beharren auf seiner Undankbarkeit und Sturheit ausgeschmückt wurde, nachdem Allâh das Unheil von ihm abgewandt hatte, wurden denjenigen, die für das Lügen gegen Allâh und gegen die Propheten maßlos ausgaben, ihre Sünden und ihr Beigesellen gegenüber Allâh ausgeschmückt.“

 

Lasst uns also unseren Glaubensspeicher und unseren Besinnungszustand aufladen! Zuvor haben wir bereits gesehen, wie Moses, Aaron und Zacharias  Frieden sei auf ihnen ) Bittgebete verrichteten, obwohl sie Gesandte waren. Und dieser Nahestehende des Allerbarmers (Abraham) sagt in Allâhs Offenbarungsbuch: „Mein Herr, mach, dass ich das Gebet verrichte, (ich) und (auch einige) aus meiner Nachkommenschaft. Unser Herr, und nimm mein Gebet an.“ (Sûra 14:40).

 

Er erbittet also von seinem Herrn, das Bittgebet anzunehmen. Was ist dann erst mit uns? Ich schwöre bei Allâh, dass wir gewiss Verlierer sind, wenn wir uns nicht einzig an unseren Herrn wenden! Denn Er ist der Hüter, Beschützer, der Edle und Allmächtige!

 

Vom Edelmut des Erhabenen rührt folgende Aussage her: „Der Mensch ruft (zu Allâh) um das Schlechte, wie er um das Gute ruft; der Mensch ist ja stets voreilig.“ (Sûra 17:11).

 

Der Tafsîr Al-Muyassar erwähnt unter anderem Folgendes: „Der Mensch bittet manchmal um Schlechtes für sich, seine Kinder oder seinen Besitz. Dies geschieht, wenn er sich ärgert. Dann bittet er um das Schlechte genauso, wie er um das Gute bittet. Dies geschieht auf Grund der Unwissenheit des Menschen und dessen Hast. Auf Grund der Barmherzigkeit Allâhs mit ihm, erhört Er sein Bittgebet um Gutes und nicht das Bittgebet um Schlechtes, weil Er weiß, dass er dies unabsichtlich verlangt. Und der Mensch ist ja naturgemäß stets voreilig.“

 

Abû Huraira  möge Allah mit ihm zufrieden sein berichtete, dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Es gibt nichts, das Allâh mehr ehrt, als das Bittgebet!“ (Überliefert in: Sahîh At-Tirmidhî).

 

Wisset, dass Aufrichtigkeit zum Beweggrund aller Taten und zu deren Annahme gehört! Bittet Allâh deshalb nicht mit leerem, hohlem Herzen und mit sich wiederholenden auswendiggelernten Worten, ohne geistesanwesend zu sein und es zu verstehen!

 

„So ruft Allâh an, (wobei ihr) Ihm gegenüber aufrichtig in der Religion (seid), auch wenn es den Ungläubigen zuwider ist.“ (Sûra 40:14).

 

Der Imâm Al-Munâwî sagte: „Sprich: Der Erhabene kümmert Sich nicht um die Bitte eines Bittenden, der gegenüber der Gegenwart seines Herrn unachtsam ist und sich begeistert mit seinen diesseitigen Angelegenheiten beschäftigt… Die Wachsamkeit und Ernsthaftigkeit im Bittgebet gehört zum erhabensten Verhalten.“ Al-Fachr Ar-Râzî sagte: „Die Gelehrten sind sich darüber einig, dass das Bittgebet mit hohler Zunge ohne die Forderung des Herzens wenig Nutzen bringt und keine Wirkung zeigt.“

 

An-Nawawî sagte: „Wisse, dass der Kern des Bittgebets Geistesanwesenheit ist! Die Beweise dafür sind zahlreich und das Wissen darüber ist klarer, als dass man es erwähnen müsste.“

 

Al-Baihaqî sagte in Schu’ab Al-Îmân: „Das Bittgebet hat Bedingungen, zu denen folgende zählen: Dass man ernsthaft und aufrichtig bittet und nicht nur erfundene Bittgebete sicher aufsagt und dabei die Bedeutungen nicht beachtet.“ In As-Schu’ab von Abû Bakr As-Schalabî wurde erwähnt, dass er zu der Aussage des Glorreichen und Majestätischen „Euer Herr sagt: »Ruft Mich an, so erhöre Ich euch…«“ (Sûra 40:60) sagte: „Ruft Mich geistesanwesend an, so erfülle Ich es euch, ohne zu zögern!“

 

Ibn Radschab Al-Hanbalî sagte: „Das Bittgebet ist ein Mittel, dessen Erfüllung zwingend wird, wenn dessen Voraussetzungen erfüllt sind und dessen Hinderungsgründe nicht bestehen. Die Erfüllung kann sich verzögern, wenn einige Voraussetzungen nicht erfüllt sind oder einige Hinderungsgründe bestehen. Zu den wichtigsten Voraussetzungen gehören Geistesanwesenheit und Hoffnung auf die Erfüllung durch Allah den Hocherhabenen.“

 

Man sollte auf die Voraussetzungen zur Erfüllung des Bittgebets achten! Zu diesen gehört, nach erlaubtem Essen zu suchen, Sünden und Schandtaten zu unterlassen und tugendhafte Taten zu verrichten.

 

Nach der Schilderung (des Obengenannten) sollten wir gemeinsam folgenden Hadith lesen und deutlich nachempfinden! Wie großzügig der Schöpfer doch ist, der Gestalter, der Erschaffer, der Freigebige, der Stolze!

 

„Gewiss, euer Herr ist lebendig, großzügig. Er schämt sich gegenüber Seinem Ihm anbetend Dienenden, der seine Hände zu Ihm erhebt, diese leer (oder: erfolglos) zurückzuweisen.“ (Überliefert von Salmân und von Al-Albânî als authentisch bewertet. Aus: Sahîh Ibn Mâdschah, Seite/Nr. 3131).

 

Spielst du immer noch die Wichtigkeit des Bittgebets herunter oder bist du faul oder gar unachtsam!?

 

Gib Acht, das Bittgebet allein genügt nicht! Vielmehr erfordert es Mittel und Taten, damit es erfolgreich ist.

 

Bitte Allâh! Es gibt keine leichtere und erhabenere Anbetungshandlung, die man in jedem Zustand verrichten kann…

 

Bitte Allâh im letzten Drittel der Nacht! Bitte zwischen dem Gebetsruf und dem Gebetsbeginn! Bitte Ihn freitags vor dem Sonnenuntergang! Bitte Ihn bei Regen! Bitte Ihn, wenn es dir wohlergeht, dann hilft Er dir in Zeiten der Not! Bitte Ihn auf der Reise und in der Heimat! Gewöhne dein Herz und deine Zunge an das Bittgebet und lasse nicht davon ab!

 

Ich bitte Allâh darum, uns zum Gedenken, Danken und zur vollendeten Anbetung Ihm gegenüber zu verhelfen! Nur Er ist dazu fähig und im Stande! 

 

 

Das Bittgebet – eine in Vergessenheit geratene Anbetungshandlung

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