Die Religion ist Nasîha

Die Religion ist Nasîha
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Aufrichtiger Rat hat in unserer Religion eine hohe Stelle und einen großartigen Wert. Wie könnte es auch anders sein, wo doch der Gesandte (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) den Begriff „Nasîha“ (Aufrichtigkeit, guter Rat) mit der ganzen Religion gleichsetzte, indem er sagte: „Die Religion ist Aufrichtigkeit.“

Aufrichtiger Rat erfolgt auf Grund der Liebe des Nasîha Erteilenden für die Leute um ihn, seines Mitleids mit ihnen und seines Wunsches, an sie Gutes weiterzugeben und das Böse und das Unverhoffte von ihnen abzuwehren. Ibn Al-Athîr sagte deswegen: „Der Rat ist ein Wort, durch das ein Satz ausgedrückt wird, mit dem gemeint ist, dem Beratenen Gutes zu wünschen.“

Der Gesandte (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) verpflichtete seine Gefährten dazu, den Muslimen aufrichtigen Rat zu geben. Dscharîr ibn Abdullâh  möge Allah mit ihm zufrieden sein sagte: „Ich versprach dem Gesandten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken), das rituelle Gebet zu verrichten, Zakâ zu entrichten und den Muslimen gegenüber aufrichtig zu sein.“

Wer einen aufrichtigen Rat gibt und wünscht, Gutes an Menschen weiterzugeben, gehört zu  den Statthaltern Allâhs auf Erden, wie Al-Hasan ( Allah   erbarme sich seiner ) sagte: „Allâh hat immer noch Nasîha Erteilende, die Seinen anbetend Dienenden für Allâh einen aufrichtigen Rat geben, den anbetend Dienenden Allâhs einen guten Rat bezüglich des Rechts Allâhs erteilen und sich für Allâh den Hocherhabenen auf Erden mit dem Ratgeben beschäftigen. Dies sind die Statthalter Allâhs auf Erden.“

An wen richtet sich der Rat?

Der Rat ist für Allâh, Seinen Gesandten, Sein Offenbarungsbuch, die Gelehrten der Muslime und deren Gemeinden. Der Gelehrte Ibn Hadschar ( Allah   erbarme sich seiner ) sagte: „Nasîha gegenüber Allâh heißt, Ihn mit dem, was Seiner würdig ist, zu beschreiben, Ihm gegenüber äußerlich und innerlich demütig zu sein, Seine Liebe durch Gehorsamkeit zu erlangen und Seinen Zorn abzuwehren, in dem man sich von Sünden fernhält und sich bemüht, die Ihm gegenüber Ungehorsamen zu ihm zurückzuführen. Nasîha für das Offenbarungsbuch Allâhs bedeutet, es zu lernen und zu lehren, es richtig zu rezitieren und auch richtig zu schreiben, seine Bedeutungen zu verstehen, sich an seine Bestimmungen zu halten und es in die Tat umzusetzen sowie die Verfälschungen durch Lügner abzuwehren. Nasîha für Seinen Gesandten bedeutet, ihn zu verehren, ihm im Leben und im Tod beizustehen, seine Sunna wiederzubeleben, indem man sie lernt und lehrt, ihn als Vorbild in seinen Worten und Taten nimmt und ihn sowie seine Nachfolger liebt. Nasîha für die Gelehrten der Muslime bedeutet, ihnen dabei beizustehen, was sie machen wollten, sie beim Vergessen zu erinnern, ihre aus Versehen begangenen Fehler auszumerzen, die Meinungen zu verbessern und den Zusammenhalt der Menschen für sie zu stärken, die sich von ihnen entfernenden Herzen zu ihnen zurückzuführen. Der beste Rat für sie ist deren Abhalten von Ungerechtigkeit auf die beste Art und Weise. Zu den Rechtsgelehrten der Muslime gehören die Gelehrten der Rechtsfindung. Die Nasîha für sie besteht darin, ihr Wissen zu verbreiten, ihre Eigenschaften kundzutun und über sie gut zu denken. Nasîha für die Allgemeinheit der Muslime bedeutet, Mitleid mit ihnen zu haben und sich dafür einzusetzen, dass man sie etwas lehrt, was ihnen nützlich ist. Außerdem gehört dazu, dass man von ihnen das Böse abwehrt, ihnen wünscht, was man sich selbst wünscht und für sie nicht akzeptiert, was man für sich selbst nicht akzeptiert."

Der Anfang des Ratgebens ist, dass man sich selbst einen Rat erteilt. Denn wer sich selbst betrügt, kann selten einem anderen etwas raten.

Die Gesandten pflegten sich am meisten dafür einzusetzen, ihren Völkern zu raten:

Die Gesandten bemühten sich in höchstem Maß ihre Völker (zu Allâh) einzuladen und beharrten darauf sie rechtzuleiten. Sie scheuten keine Mühe, ihnen einen Rat zu erteilen Hier sagt Noah, der Prophet Allâhs  Frieden sei auf ihm zu seinem Volk: „... sondern ich bin ein Gesandter vom Herrn der gesamten Schöpfung. Ich übermittle euch die Botschaften meines Herrn und rate euch gut ...“ (Sûra 7:61-62).

Die Gesandten nach Noah folgten dessen Weg beim Ratgeben. Hier sagt Hûd seinem Volk: „... und ich bin für euch ein vertrauenswürdiger Ratgeber.”(Sûra 7:68). Auch Sâlih sagte: „... und euch gut geraten. Aber ihr liebt nicht die guten Ratgeber."(Sûra 7:79). Schu'aib sagte: „...O mein Volk! Ich habe euch doch die Botschaften meines Herrn ausgerichtet und euch gut geraten...“ (Sûra 7:93).

Die Gefährten des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) bezeugten, dass er die Botschaft seines Herrn verkündet  und seinem Volk geraten hat. Dschâbir ibn Abdullâh  möge Allah mit ihnen zufrieden sein berichtete, dass der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) zu seinen Gefährten sagte: „Ihr werdet über mich befragt, was werdet ihr sagen?“ Sie entgegneten: Wir bezeugen, dass du verkündet hast, deinen Auftrag erfüllt hast und darin aufrichtig warst.“

Guter Rat ist das Recht des Muslims gegenüber seinem Glaubensbruder:

Der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) hielt den aufrichtigen Rat für eines der bedeutendsten Rechte, indem er sagte: „Die Rechte des Muslims gegenüber einem anderen Muslim sind sechs.“ Und er erwähnte unter diesen „Wenn dich jemand um Rat bittet, gib ihm aufrichtigen Rat!“ Er (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Wenn jemand von euch seinem Bruder einen Rat gibt, dann soll er ihm aufrichtigen Rat geben.“  Allâh vervielfacht die Belohnung dem aufrichtigen Rat Gebenden, der mit seinem Rat das Wohl der Muslime erzielt. Abdullâh ibn Umar  möge Allah mit ihnen zufrieden sein sagte: „Der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Wenn der anbetend Dienende seinem Herrn gegenüber aufrichtig ist (Nasîha) und Allâh gut anbetet, erwirbt er dafür die doppelte Belohnung.“ Der Rat gebende anbetend Dienende ist einer der Ersten, die das Paradies betreten. Der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Es wurden mir die ersten drei, die das Paradies betreten, gezeigt: ein Märtyrer, ein enthaltsamer, keuscher Mensch und ein anbetend Dienender, der Allah gut anbetete und seinen Herren gegenüber aufrichtig war (Nasîha).

Zum Verhaltenskodex beim Ratgeben zählt Folgendes:

Wenn der Rat diese hohe Stelle in der Religion einnimmt, dann ist damit der nützliche Rat gemeint, bei dem der Nasîha Erteilende sich an die ethischen Verhaltensweisen hält, die die Gelehrten erwähnten. Dazu gehört Folgendes:

1) Man soll beim Ratgeben gegenüber Allâh aufrichtig sein, so dass man dadurch nicht Heuchelei oder einen guten Ruf beabsichtigt oder auf die Verwirklichung eines weltlichen Ziels oder die Auszeichnung des Nasîha Erteilenden abzielt.

2) Man muss dessen kundig sein, was man an Ratschlägen erteilt. Denn der gute Rat ist eine Art, das Rechte zu gebieten und das Verwerfliche zu verbieten. Wenn man dessen nicht kundig ist, was man als Ratschläge gibt, könnte man das Rechte verbieten und glauben, dass man etwas Verwerfliches verbietet. Ebenso könnte man etwas Verwerfliches gebieten und glauben, dass man etwas Rechtes gebietet.

3) Den Rat heimlich geben und nicht öffentlich prahlen und nicht auf den Mängeln anderer beharren, denn das öffentliche Erteilen eines Rates vor anderen Menschen ist Schelte und Zurechtweisung, die die Menschen nicht akzeptieren. Mus'ar ibn Kudâma ( Allah   erbarme sich seiner ) sagte: „Möge Allâh Sich dessen erbarmen, der mir meine Fehler heimlich zwischen uns schenkt (aufdeckt), denn der Rat in der Öffentlichkeit ist Schelte!“

4) Der Rat sollte in umgänglicher Weise gegeben und Aggressivität und Tadel sollten vermieden werden, wie es in folgendem Hadîth erwähnt ist: „Umgänglichkeit verschönert alles, wo sie ist.“

Der Beratene soll den Rat anhören, das Gute darin befolgen und auf die Begierden der Seele verzichten. Die Vorfahren hielten den Rat für ein Geschenk, das der Nasîha Erteilende ihnen gibt. Wie Umar  möge Allah mit ihm zufrieden sein es sagte: „Möge Allâh Sich dessen, der mir meine Fehler schenkt (aufdeckt), erbarmen!“ Die Härte des Nasîha Erteilenden sollte ihn nicht dazu führen, aus dem Rat einen Nutzen zu ziehen.

Möge Allâh uns und euch zu denjenigen, die die Worte anhören und ihrem Besten folgen, gehören lassen! Unser letztes Bittgebet ist: Aller Lobpreis gebührt Allâh, dem Herrn der gesamten Schöpfung!

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