Al-Abbâs ibn Abdulmuttalib

Al-Abbâs ibn Abdulmuttalib
1985 541

Zwei Grundprinzipien des islâmischen Glaubens sind Gleichheit der Menschen und Bruderschaft für Allâh. Wir lesen im Qurân: „O ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Gewiss, der Geehrteste von euch bei Allâh ist der Gottesfürchtigste von euch. Gewiss, Allâh ist Allwissend und Allkundig.“ (Sûra 49:13).

Stets wenn wir die ruhmreiche Historie des Islâm lesen, werden wir immer wieder an diese Prinzipien erinnert, besonders an das Prinzip der Gleichheit. Eine interessante Veranschaulichung dieser Gleichheit betrifft Al-Abbâs ibn Abdulmuttalib  möge Allah mit ihm zufrieden sein, der nicht nur ein geliebter Onkel des Propheten Muhammad (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken), sondern auch ein Spielgefährte war (da zwischen ihnen nur ein paar Jahre Altersunterschied bestanden). 

In der Schlacht von Badr, der ersten großen Schlacht in der islâmischen Geschichte, wurden einige führende Persönlichkeiten der mekkanischen Gemeinschaft dazu gezwungen, sich der Armee der heidnischen Feinde des Islâm anzuschließen, hauptsächlich durch moralischen Druck. Zu diesen Persönlichkeiten gehörten Al-Abbâs und ein weiterer berühmter Anführer der Quraisch, der für seine verständnisvolle Grundhaltung und Verhaltensweise gegenüber den Gefährten Muhammads (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) bekannt war. Da der Prophet Muhammad (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sich dieser Tatsache bewusst war, hieß er seine Gefolgsleute, derartige Leute nicht zu töten, und wies darauf hin, dass sie keine wirklichen Feinde sind, die den Tod verdienen.

Später, als Al-Abbâs ibn Abdulmuttalib  möge Allah mit ihm zufrieden sein als Gefangener nach Madîna gebracht worden war, bemerkten die Gefährten, dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) nicht schlafen konnte. Deshalb fragten sie ihn: „Warum bist du unruhig, o Gesandter Allâhs?“ Er antwortete: „Ich hörte das Stöhnen von Al-Abbâs, hervorgerufen von der Straffheit der Stricke, mit denen er gefesselt ist.“ Ein wenig später fragte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken): „Warum ist Al-Abbâs jetzt still?“ Ihm wurde gesagt, dass ihm jemand die Fesseln gelockert hatte. Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) ordnete an, dass dasselbe mit den anderen Gefangenen getan werden soll.

Das zweite Geschehnis ereignete sich, als von den Kriegsgefangenen Lösegeld eingesammelt wurde. Als Al-Abbâs aufgefordert wurde, für sich und einige seiner Gefährten Lösegeld zu zahlen, sagte er: „Aber ich bin doch Muslim und wurde dazu gezwungen, mich der mekkanischen Armee anzuschließen!“ Die Antwort des Propheten lautete: „Allâh weiß am besten um deinen Islam. Wenn es wahr ist, wird Er dich belohnen und dir zurückgeben, was du bezahlst. Wir haben den Eindruck, dass du das Lösegeld zahlen musst.“

Al-Abbâs ibn Abdulmuttalib  möge Allah mit ihm zufrieden sein wurde trotz seiner Verwandtschaft mit dem Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) auf der gleichen Basis wie alle anderen Kriegsgefangenen behandelt und erst nach Zahlung seines Lösegelds befreit. 

Der Geist der Unterstützung von Al-Abbâs gegenüber dem Islâm und dessen Propheten erklärt seine Teilnahme am geheimen Treffen in Al-Aqaba, an dem 73 Medinenser dem Propheten Muhammad (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) ihren Treueid leisteten, ihn zu schützen, wann auch immer er nach Madîna auswandere. Al-Abbâs war derjenige, der für den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) die Aufrichtigkeit der Medinenser überprüfte.

Nach der siegreichen Rückkehr des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) nach Makka verbündeten sich die heidnischen Stämme in der Umgebung Makkas, um die Muslime zu bekämpfen. Zum ersten Mal überstieg die Anzahl der muslimischen Armee 12.000 Mann. Sehr viele Kämpfer hatten ein Gefühl der Selbstsicherheit – eine Einstellung, die zur Niederlage führt. Einige Muslime sagten: „Wegen Unterzahl werden wir jedenfalls niemals besiegt werden!“ Es war jedoch Allâhs Wille, dass Seine Soldaten für die Schlachten, die sie an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten auf dieser Erde bestreiten mussten, ordentlich geschult wurden. Die Armee der Muslime wurde bei der Schlacht von Hunain vom Feind umzingelt (indem sie aus dem Hinterhalt angegriffen und überrumpelt wurde). Der Gesandte Allâhs drehte sich nach rechts und sagte: „O Leute! Ich bin der Gesandte Allâhs. Ich bin Muhammad, der Sohn Abdullâhs.“ Nur einige Auswanderer und einige seiner Angehörigen hielten ihm die Treue – und Al-Abbâs war einer von ihnen. Der einzigartige Mut des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) trat alsdann offen zu Tage. Er kämpfte immer weiter und versuchte sein Maultier angesichts der Nicht-Muslime standhaft zu halten, wobei er laut sagte: „Wahrhaftig, ich bin der Prophet, ich bin der (Enkel-)Sohn von Abdulmuttalib!“ 

Abû Sufyân ibn Al-Hârith  möge Allah mit ihm zufrieden sein, der die Zügel des Maultiers des Propheten in der Hand hielt, und Al-Abbâs, der dessen Steigbügel festhielt, bemühten sich jedoch, es zum Stehen zu bringen. Der Gesandte Allâhs stieg ab und bat seinen Herrn um Hilfe: „O Allâh, sende Deine Hilfe herab!“

Der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) wies seinen Onkel Al-Abbâs, der eine laute Stimme hatte, an, die Gefährten herbeizurufen. Al-Abbâs  möge Allah mit ihm zufrieden sein rief so laut er konnte: „Wo sind die Lanzenreiter?“ Al-Abbâs sagte: „Bei Allâh, als sie meine Stimme sie zurückrufen hörten, wandten sie sich dem Schlachtfeld wieder zu, als wären sie Oryx-Antilopen (Wildkühe), die sich um ihre Kälber sorgen!“

Der starke und feste Glaube des Propheten an Allâh und dessen Mut sowie die heldenhafte Wesensart und Verhaltensweise von Leuten wie Al-Abbâs ibn Abdulmuttalib, waren die Rettung in dieser Schlacht, die als „Schlacht von Al-Hunain“ bekannt ist. In diesen entscheidenden Augenblicken blieb Al-Abbâs gemeinsam mit einer Handvoll Gefährten die ganze Zeit über beim Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken). Die Schlacht nahm eine Wendung, der Feind wurde besiegt und die Armee der Muslime erwies sich als siegreich.

Al-Abbâs  möge Allah mit ihm zufrieden sein war, wie bereits erwähnt, ein Onkel des Propheten Muhammad (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) – und ein geschätzter obendrein. Außerdem erinnert man sich an ihn als den Vater von Abdullah ibn Al-Abbâs, der wohlbekannten Koryphäe für Qurân und Glaubenslehre. Er verstarb im Jahre 32 n. H. zur Regierungszeit Uthmân ibn Affâns  möge Allah mit ihm zufrieden sein in Madîna.

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