Sie befragen dich über die Stunde – Teil 2

Sie befragen dich über die Stunde – Teil 2
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Die Stunde ist nah

Keiner weiß genau, wann die Stunde eintrifft. Aber es gibt Ereignisse, die im Zusammenhang mit ihr stehen, wodurch wir erkennen können, dass sie sehr nahe ist verglichen mit der Zeitspanne, die bereits von der Welt vergangen ist. Darauf weist das Wort des Erhabenen hin: „Näher ist die Stunde (des Gerichts) gekommen, und gespalten hat sich der Mond“ (Sûra 54:1) und ebenso die Überlieferung von Anas ibn Mâlik, der vom Gesandten Allâhs (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) berichtet: „Er sagte: ‚Ich und die Stunde wurden entsandt wie der Unterschied zwischen diesen beiden.‘ Dabei legte er seinen Zeigefinger neben seinen mittleren Finger“ (Al-Buchâri, Muslim).

Es gibt Anzeichen und Hinweise auf diese Stunde. Allâh sagt: „Erwarten sie denn etwas anderes, als dass die Stunde plötzlich über sie kommt? So sind ihre Vorzeichen bereits eingetroffen“ (Sûra 47:18). In der prophetischen Überlieferung kommen zahlreiche Hadîthe vor, welche die Anzeichen und Bedingungen der Stunde beschreiben. Sie beginnen häufig mit der Formulierung: „Nicht tritt die Stunde ein, bis …” und berichten, was in der Endzeit auftritt. Über diese Thematik gibt es zahlreiche Abhandlungen.

Die Weisheit dahinter – und Allâh weiß es am besten – ist, dass der Mensch vor diesem gewaltigen Tag in Sorge sein soll. Die Zeichen der Stunde, die erklärt werden, und die Nähe dieses Zeitpunkts wirken positiv und produktiv und machen das Wissen darüber zu einem Anreiz, die eigenen Taten zu verbessern und sich mit Reue und Rückkehr zu Allâh in diesem Leben zu beeilen.

Den Zeitpunkt zu bestimmen widerspricht dem Islâm

Viele klare und offenkundige Texte belegen, dass der Zeitpunkt des Jüngsten Tages unbekannt ist und nicht gewusst werden kann. Wer genaues Wissen hierzu behauptet, hat die Gemeinschaft des Islâms verlassen, da er Wissen über etwas behauptet, das Allâh bei sich selbst aufbewahrt hat und wovon Er niemanden in Kenntnis gesetzt hat: weder einen nahegestellten Engel noch einen entsandten Engel. Stets hat sich alles als Lüge und Betrug herausgestellt, wenn Wahrsager in der Vergangenheit das Weltende mit einer genauen Zeitangabe vorhersagen wollten.

Falsche Hadîthe

Obwohl feststeht, dass keine Zeitangabe für den Tag der Auferstehung in Erfahrung gebracht werden kann und dass Allâh sich dieses Wissen vorbehalten hat, werden doch immer wieder erfundene Hadîthe angeführt, die ein ungefähres Ende angeben. So z. B. wenn ein Alter der Welt von 7000 Jahren behauptet wird. Alles was in diesem Zusammenhang dem Gesandten Allâhs (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) zugeschrieben wird, ist jedoch erlogen. Eine der bekanntesten Erfindungen wird einem Prophetengefährten zugeschrieben, der angeblich einen seltsamen Traum hatte und dann gesagt haben soll: „Da war ich mit dir, o Gesandter Allâhs, auf einer Predigtkanzel, die aus 7 Stufen bestand, und du warst auf der obersten Stufe.“ Darauf habe der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) angeblich gesagt: „Die Kanzel, die du mit sieben Stufen und mich ganz oben gesehen hast: Das ist die Welt, die 7000 Jahre dauert und ich bin im letzten Jahrtausend erschienen.“ Doch dieser Hadîth wird von den Gelehrten als gefälscht zurückgewiesen!

Imâm Ibn Hazm hat hierzu klargestellt: „Wir Muslime können keine Angabe einer genauen Jahreszahl machen. Wer behauptet, die Welt dauere 7000 Jahre oder mehr oder weniger, so spricht er etwas aus, wovon gewiss keine authentische Aussage vom Gesandten Allâhs (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) auf uns gekommen ist. Nein, das Gegenteil ist der Fall. Wir betonen ausdrücklich, dass diese Welt eine Dauer hat, die niemand außer Allâh dem Erhabenen kennt. Er sagte nämlich: ‚Ich habe sie weder bei der Erschaffung der Himmel und der Erde noch bei ihrer eigenen Erschaffung zu Zeugen genommen‘ (Sûra 18:51).“

Warum die Stunde verborgen ist

Zweifellos hat Allâh der Erhabene diesen Tag vor den Menschen aufgrund einer großen Weisheit geheim gehalten: Der Mensch soll motiviert werden, rechtschaffene Handlungen zu tätigen und sich auf den Tag des endgültigen Aufbruchs vorzubereiten. Die Furcht vor diesem Tag führt die Menschen dazu, zu spüren, wie Allâh der Erhabene über ihre Taten wacht. So mögen die Menschen sich an die Wahrheit halten, nach dem Guten streben, sich vor Üblem und Ungehorsam hüten und sich nicht auf Streitigkeiten bezüglich der Stunde, leere Vermutungen und anderes Nutzloses einlassen – so haben es die Gelehrten klargemacht.

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