Sich selbst erziehen – Teil 1

Sich selbst erziehen – Teil 1
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In unserem hektischen Leben ist es schwierig, der eigenen Erziehung Priorität einzuräumen. Frauen sind besonders anfällig dafür, ihre eigenen Bedürfnisse zu ignorieren und sich selbst zu vernachlässigen, da sie einen Großteil ihrer Zeit und Energie für andere aufwenden.

Frauen sind von Natur aus fürsorglich, da sie sich instinktiv auf das Wohlergehen anderer Menschen konzentrieren. Kaum sind Frauen auf das eigene Wohl bedacht, haben sie das Gefühl, das alles andere auf der Strecke bleibt: Ziele werden nicht erfüllt, geliebte Menschen vernachlässigt und kein Abendessen mehr auf dem Tisch. Ob bei der Arbeit, zu Hause und anderen Tätigkeiten, die eigene Erziehung rückt oft ans Ende der Aufgabenliste.
 
Die Bedeutung der eigenen Erziehung
Sich selbst zu erziehen bedeutet: sich um sich selbst kümmern, Zeit für sich nehmen, pflegen, bilden und kultivieren. So wie wir unseren physischen Körper mit Nahrung versorgen, müssen wir auch andere Aspekte unseres Wesens fördern. Auf die gleiche Weise, wie wir andere wertschätzen, müssen wir uns selbst wertschätzen. Das Gegenteil wäre, dass man sich selbst missachtet, ignoriert oder vernachlässigt. Die eigene Kultivierung ist aus verschiedenen Gründen wichtig.
 
Warum ist die eigene Erziehung wichtig?
Ein Beispiel: Du triffst jemanden im Wald, der eifrig daran arbeitet, einen Baum zu fällen. Du fragst: „Was machst du da?“ Er: „Siehst du denn nicht? Ich fälle diesen Baum.“ Du: „Du siehst erschöpft aus! Wie lange machst du das schon?“ Er: „Über fünf Stunden. Ich bin erschöpft! Das ist Schwerstarbeit.“ Du: „Warum legst du nicht ein paar Minuten Pause ein und wetzt die Säge? Ich bin sicher, danach geht es viel schneller.“ Er: „Ich habe keine Zeit, die Säge zu schärfen, ich bin zu sehr mit dem Sägen beschäftigt!“
Wir sind zu sehr damit beschäftigt, zu arbeiten und uns um andere zu kümmern, als dass wir uns selbst erziehen. Dies führt mit der Zeit dazu, dass unsere Energie, Geduld, Kreativität und unsere Fähigkeit, Beziehungen zu anderen Menschen zu pflegen, schwinden. Mit der Zeit werden unsere Sägen stumpf, weil wir uns zu sehr auf das Sägen konzentrieren, anstatt eine Pause zu einzulegen. Wer sich nicht um sich selbst kümmert, kann anderen wenig geben.
Wir müssen lernen, wie wir uns selbst pflegen können, damit wir die verbrauchte Energie, das Mitgefühl und die Freundlichkeit wieder aufladen. Wenn wir uns selbst erziehen, erhöhen sich unsere Erfolgschancen in all unseren Beziehungen. Es macht uns glücklicher, erfüllter und in unserem Leben erfolgreicher.
 
Bereiche der Selbsterziehung
Menschen müssen sich physisch, psychisch, sozial und spirituell entwickeln. Es müssen Wege gefunden werden, diese Eigenschaften zu entfalten. Sie sind natürlich miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig.
Der Islâm ist eine ausgewogene, vollkommene und maßvolle Religion. Wenn wir unser Leben so gestalten, dass wir uns um alle unsere Bedürfnisse kümmern, werden wir ein Gefühl der Ruhe und Ausgeglichenheit erfahren. Dies müssen wir in einer Weise tun, die besonnen und gewissenhaft ist.
 
Fallstudien
Um eine Vorstellung davon zu bekommen, was all dies bedeutet, lies dir die folgenden Fälle durch und versuche herauszufinden, welche der zuvor erwähnten Eigenschaften besonders wichtig sind und gefördert werden sollten. Wo besteht ein Ungleichgewicht oder ein Mangel? Konzentriere dich dabei auf die jeweils schwächste Eigenschaft, da mehrere gleichzeitig vorkommen können.
Fall 1: Maisûn
Maisûn ist junge Mutter eines vier Monate alten Säuglings. Sie und ihr Mann sind vor kurzem von Amerika in die Vereinigten Arabischen Emirate gezogen. Das Baby wurde in den Vereinigten Arabischen Emiraten geboren. Maisûns Ehemann arbeitet täglich von 8.00 bis 18.00 Uhr. Maisûn ist während dieser Zeit mit dem Baby allein im Haus. Sie hat keine sozialen Kontakte und vermisst ihre Familie in der Heimat. Sie stammt aus einer großen Familie mit sechs Geschwistern. In letzter Zeit fühlt sie sich aufgrund ihrer Situation immer mehr deprimiert. Sie weint oft und hat das Gefühl, dass sie keine Lust hat, sich um das Baby zu kümmern. Sie kann nachts nicht schlafen und hat keinen Appetit. Sie wünscht sich, dass sie nie in dieses Land gekommen wären.
Fall 2: Maryam
Maryam ist Mutter von drei kleinen Kindern: Zakariyya, vier Jahre alt; Salma, zwei Jahre; Sumayya, neun Monate alt. Seit der Geburt ihres ersten Kindes war Maryam um ihr Gewicht und ihre Figur besorgt. Sie nahm mit Zakariyya zwanzig Kilo zu. Obwohl sie mit der Zeit einige Pfunde verlor, blieb sie übergewichtig. Mit jeder Schwangerschaft schien ihr Gewicht nur noch zuzunehmen. Sie wirkt die meiste Zeit müde und träge und hat nicht das Gefühl, dass sie in der Lage ist, ihren Kindern vollständig das zu geben, was sie benötigen. Auch ihr Ehemann hat sich zu ihrem Gewicht geäußert und ihr gesagt, dass sie wieder so schlank werden solle, wie sie es bei ihrer Hochzeit war.

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