Halte dich zurck von dieser Welt und Allh wird dich lieben

Halte dich zurck von dieser Welt und Allh wird dich lieben
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Die Liebe Allâhs und die der Menschen

Abû Al-Abbâs Sahl ibn Sa’d As-Sa’îdi (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) überlieferte, dass ein Mann zum Propheten (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) kam und sagte: „Weise mich auf eine Tat hin, durch die ich, wenn ich sie verrichte, die Liebe Allâhs und die der Menschen erlange!“ Er (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Halte dich zurück von dieser Welt und Allâh wird dich lieben. Verlange nicht nach dem, was bei den Menschen ist, und die Menschen werden dich lieben“ (Ibn Mâdscha).
 
Erläuterungen zum Hadîth
Der Mensch ist ein soziales Wesen. Er ist gerne in der Gesellschaft von anderen, und er mag es, wenn man seine Gesellschaft sucht. Er genießt es auch, von seiner Gemeinschaft geliebt und in seinem Umfeld respektiert zu werden. Deshalb ist der Mensch stets bemüht, die Liebe und die Zuneigung der Menschen zu gewinnen. Ein vernünftiger Mensch bemüht sich jedoch zuerst um das Wohlgefallen des Schöpfers dieser Menschen und nicht um die Liebe der Geschöpfe.
Zweifelsohne muss man einen bestimmten Weg beschreiten, um die Liebe Allâhs und die der Menschen zu gewinnen. Wer von diesem Weg abweicht, verliert diese Liebe, und wer an diesem Weg festhält, gewinnt diese Liebe und genießt die Wonne dieser Liebe. Das ist auch der Grund, warum Imâm An-Nawawî (Allâh erbarme sich seiner) diese Überlieferung in seinem Werk als Quelle der Rechtleitung aufführte. Dieser Hadîth bringt den Dienern Allâhs bei, wie sie die Liebe Allâhs und die der Menschen gewinnen können. Die Erlangung der Liebe des Schöpfers ist ein gewaltiges Ziel, ja der Schlüssel zum Glück und das Tor zum Guten. Daher kann die Liebe nicht durch leere Hoffnungen und Wünsche erreicht werden. Sie erfordert Fleiß und Mühe. Der Qurân und die Sunna zeigen viele Wege auf, wie der Diener Allâhs seinem Herrn und Schöpfer näher kommen kann, wodurch er sich Dessen Wohlgefallen und Liebe würdig erweist. Einer dieser Wege wird in der Weisung des Propheten (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) betont: ein enthaltsames Leben (Zuhd). Ein solches Leben setzt voraus, dass man keine großen Hoffnungen auf diese Welt setzt und nicht traurig ist, wenn einem etwas im irdischen Dasein entgeht.
Die frommen Vorfahren lieferten uns zahlreiche Definitionen für Zuhd. Die wohl umfassendste Definition kam von Scheich Al-Islâm Ibn Taimiyya (Allâh erbarme sich seiner): „Zuhd bedeutet, alles aufzugeben, was im nächsten Leben keinen Nutzen stiftet.“ Diese Definition umfasst sowohl den Verzicht auf das, was schadet, als auch auf das, was weder schadet noch nützlich ist.
Diese Erklärungen sollten natürlich nicht so verstanden werden, dass die Nutzung irdischer Freuden dem Konzept der Enthaltsamkeit widerspricht. Einige Prophetengefährten verfügten über beträchtliches Vermögen und waren erfolgreiche Händler, wie z. B. Abû Bakr As-Siddîq, Uthmân ibn Affân und Abdurrahmân ibn Auf – möge Allâh mit ihnen allen zufrieden sein. Jedoch befanden sich die Zügel ihrer Geschäfte und ihres Vermögens lediglich in ihren Händen, ohne ihre Herzen zu verzaubern. Daher spendeten diese Prophetengefährten für wohltätige Zwecke, halfen den Bedürftigen und gaben für die Sache Allâhs großzügig aus – wie der Regen des Guten, der in Strömen gießt und alles bewässert, was bewässert werden muss, ohne die kleinste Menge zurückzuhalten.
Beim Begriff des Zuhd geht es also darum, das weltliche Leben in den Händen zu halten und niemals zuzulassen, dass es das Herz überwältigt. Wenn sich ein Diener Allâhs seinem Herrn hingibt, das Verbotene meidet und ein wenig von dem Gebrauch macht, was erlaubt ist, so entspricht dies dem Konzept des Zuhd, zu dem in der Überlieferung angespornt wird. Bischr Al-Hâfi (Allâh erbarme sich seiner) sprach die Wahrheit, als er sagte: „Zuhd bedeutet nicht, dem diesseitigen Leben zu entsagen, sondern sich von allem außer Allâh dem Erhabenen zu lösen. Die Propheten Dâwûd (David) und Sulaimân (Salomon) – Frieden sei auf beiden – waren Könige und hielten die Welt in ihren Händen, dennoch waren sie aus der Sicht Allâhs Leute der Enthaltsamkeit.“
Unsere frommen Vorfahren haben diese tiefen Zusammenhänge erkannt, ihnen den gebührenden Respekt gezollt und die Früchte dieser Erkenntnisse in Taten verwandelt. So wurden zahlreiche Ereignisse in den Geschichtsbüchern festgehalten. Al-Hasan Al-Basrî (Allâh erbarme sich seiner) beschrieb diese frommen Menschen und sagte: „Ich traf Menschen, die sich nicht freuten, wenn sie weltliche Vorteile erhielten. Und sie waren nicht traurig darüber, wenn ihnen etwas von dieser Welt entging. In ihren Augen war das diesseitige Leben weniger wert als Staub.“
Die frommen Vorfahren blickten auf das diesseitige Leben mit Weitsicht und behielten stets folgende Worte Allâhs des Allmächtigen in Erinnerung:
-    „O ihr Menschen, gewiss, Allâhs Versprechen ist wahr. So soll euch das diesseitige Leben nicht täuschen, und nicht täuschen soll euch hinsichtlich Allâhs der Täuscher“ (Sûra 35:5).
-    „Und präge ihnen das Gleichnis vom diesseitigen Leben. (Es ist) wie Wasser, das Wir vom Himmel hinabkommen lassen, worauf sich damit das Gewächs der Erde vermischt. Dann wird es zu vertrocknetem Zeug, das die Winde verwehen. Und Allâh hat ja zu allem völlig die Macht“ (Sûra 18:45).
Folglich maßen diese Vorbilder dem diesseitigen Leben und allem, was sich darin befindet, keinen Wert bei und benutzten es lediglich als Reittier für die Reise zum Jenseits und zum Paradies.
Danach brachte uns der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) bei, wie wir die Herzen der Menschen gewinnen können. Er sagte: „Verlange nicht nach dem, was bei den Menschen ist, und die Menschen werden dich lieben.“ Damit ist Folgendes gemeint: Man sollte sich nicht mit den irdischen Annehmlichkeiten beschäftigen, die anderen zuteilwurden, noch sollte man sie begehren. Wer sich so verhält, gewinnt die die Herzen für sich. Menschen lieben irdische Freuden. Wer ihnen die Wonnen des diesseitigen Lebens streitig macht, wird als Konkurrent angesehen. Zeigt ein Diener Allâhs kein Interesse an dem, was die Menschen besitzen, dann schätzen diese ihn, weil sie sich vor seinem Neid und seiner Bosheit sicher fühlen.
Diese prophetische Weisung ist von großem Nutzen. Diese Ratschläge sollen wir verstehen und nach ihnen handeln, um Liebe in all ihren Formen zu gewinnen.

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