Freundeskreis – Teil 2

Freundeskreis – Teil 2
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Wenn du eine Freundschaft suchst, die deine guten Seiten fördert, dann schreib die Namen deiner Freunde, Gefährten und Bekannten auf, mit denen du Zeit verbringst. Überprüfe den Zustand jedes Einzelnen: Ist er rechtschaffen oder nicht? Verhält er sich seinen Freunden gegenüber loyal oder verfolgt er lediglich eigennützige Ziele? Findet man in seiner Gesellschaft Trost oder ist er eher lästig und grob? Danach wirst du feststellen, dass deine Gefährten in Wirklichkeit anders sind. Es wird unter ihnen solche geben, die sich dem Fasten und Beten verschrieben haben, äußerlich gottesfürchtig wirken, aber in Wahrheit dies als Gewand missbrauchen, um im Weltlichen aufzusteigen und einen materiellen Nutzen daraus zu ziehen. Du wirst entdecken, dass deren wahrer Charakter Frömmigkeit lediglich vortäuscht. Wer mit solchen Menschen einen Vertrag schließt, verhalten sich diese treulos, und wer mit ihnen Geschäfte macht, der wird betrogen.

Es gibt auch denjenigen, der zwar ehrlich und vertrauenswürdig ist, aber weder fastet noch betet und nur dem Namen nach Muslim ist. Ein solcher Freund wird deiner Religiosität Schaden zufügen.

Ein rechtschaffener, frommer Anbeter, der vertrauenswürdig und ehrlich ist, allerdings unersättliche und ungezügelte Triebe hat und über nichts anderes redet: Solch ein Mensch meidet Sünden, doch redet er nur von ihnen! Dieser schadet dir, indem er deine schlummernden Begierden weckt.

Dann gibt es noch den Rechtschaffenen und Vertrauenswürdigen, der seine Zunge hütet, aber weder Freund noch ein angenehmer Begleiter ist. Wenn er am Ufer des Euphrats stünde, während du unter großem Durst leidest, würde er dir kein einziges Glas Wasser reichen! Ferner gibt es Gefährten, die ihren Freunden helfen und diesen gefallen möchten, aber sie schrecken nicht davor zurück, Kompromisse in ihrer Religion einzugehen. Er könnte Anvertrautes veruntreuen und seine Ehre um seiner Freunde willen untergraben, indem er ihnen hilft, Sünden zu begehen, die Rechte der Menschen zu beschneiden und von ihrem Vermögen zu stehlen. Er hält einen solchen Kompromiss im Interesse der Freunde für akzeptabel und zulässig. Dieser Gefährte hält dich an der Hand und führt dich direkt ins Höllenfeuer.

Ferner gibt es Menschen, die gottesfürchtig sind, ihren Freunden helfen und sich an die Verbote Allâhs halten. Sünden und verbotene Handlungen werden zwar nicht verübt, aber sie haben weder Manieren noch Anstand und wissen nicht, wie sie sich zu Tisch und im sozialen Umfeld zu benehmen haben. Solche Menschen wecken Abscheu und gehen einem lediglich auf die Nerven.
Da bleiben nur noch die Törichten, Vulgären, die Rücksichtslosen und Unflätigen oder solche, die mit dir Freundschaft schließen, weil du großes Ansehen genießt oder eine hohe Position hast. Sie benutzen dich lediglich als Zierde für heute und als Investition für morgen. Für diese Leute bist du nur eine Trophäe an der Wand!

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es fünf verschiedene Kategorien von Gefährten gibt:

1) Ein Gefährte, der wie die Luft ist; auf ihn kann man nicht verzichten.
2) Ein Gefährte, der wie Nahrung ist; ohne Nahrung kann man nicht leben, aber sie kann schlecht schmecken oder schwer verdaulich sein.
3) Ein Gefährte, der wie Medizin ist, die bitter schmeckt, aber manchmal notwendig ist.
4) Ein Gefährte, der wie Wein ist; er erfreut den, der ihn trinkt, aber zerstört seine Gesundheit und seine Ehre.
5) Ein Gefährte, der wie ein Unglück ist, das über einen hereinbricht.

Der Gefährte wie Luft nützt dir im Hinblick auf deine Religion und dein weltliches Leben. Du genießt seine Freundschaft und erfreust dich an seiner Gesellschaft. Der Gefährte, der wie Nahrung ist, nützt dir zwar in weltlichen Angelegenheiten und in deiner Religion, doch ärgerst du dich manchmal wegen seiner Grobheit, seines fehlenden Humors und seiner rauen Natur. Was den Gefährten anbelangt, der wie bitter schmeckende Medizin ist, so handelt es sich um denjenigen, den du vielleicht brauchst und von dem du profitieren kannst, aber dessen Religiosität du weder billigst noch an seiner Gesellschaft dich erfreust. Wer wie Wein ist, der hilft dir, deine Gelüste zu befriedigen, aber er verdirbt deinen Charakter und fügt dir im Jenseits Verluste zu.

Wer einem Unglück gleicht, der nützt dir weder in Bezug auf dein weltliches Leben oder deine Religion, noch magst du seine Gesellschaft oder das Gespräch mit ihm; nur aus Zwang leistest du ihm Gesellschaft.

Nimm die Religion als Norm und das Wohlgefallen Allâhs als Maßstab. Wer deiner Religion nützt, halte an ihm fest, außer du kannst seine Gesellschaft nicht ertragen. Falls du von jemandem Schaden erleidest, trenne dich von ihm und lass ihn fallen – es sei denn, du bist gezwungen, ihm Gesellschaft zu leisten. In diesem Fall handelt es sich um eine Notwendigkeit und Notwendigkeiten heben Verbote auf, vorausgesetzt, dass eine solche Gesellschaft den Umfang der Notwendigkeit nicht überschreitet.

Was denjenigen betrifft, der dir weder in Bezug auf deine Religion schadet noch einen weltlichen Nutzen stiftet, aber ein angenehmer und unterhaltsamer Mensch ist, solltest du dich damit zufrieden geben, dich an seiner angenehmen Persönlichkeit zu erfreuen. Allerdings darf ein solches Beisammensein dich nicht an der Erfüllung deiner Pflichten hindern oder dich zu Unnützem und Sünde verleiten.

Wer in keine dieser Kategorien fällt, über den sagte ein arabischer Dichter einst: „Wenn du weder über Wissen verfügst, das uns Nutzen stiftet, noch religiös bist, um dir deswegen Gesellschaft zu leisten, und du keiner bist, der im Unglücksfall hilft, wäre es besser, wenn wir eine Figur aus Ton formen, um dich damit zu ersetzen!“

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