Menschen versöhnen – Teil 1

Menschen versöhnen – Teil 1
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Der Konflikt zwischen Menschen ist eine Realität und Teil der natürlichen Veranlagung, weil jeder Einzelne anders beschaffen ist und eine individuelle Moral in sich trägt. Hinzu kommt das Wetteifern um weltliche Werte wie Reichtum, Ansehen und dergleichen. Allâh der Erhabene sagt: „Und wenn dein Herr wollte, hätte Er die Menschen wahrlich zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Aber sie bleiben doch uneinig, außer denen, derer Sich dein Herr erbarmt hat. Dazu hat Er sie erschaffen. Und so erfüllt sich das Wort deines Herrn: ‚Ich werde die Hölle ganz gewiss mit den Dschinn und den Menschen allesamt füllen‘“ (Sûra 11:118-119). Ibn Kathîr (Allâh erbarme sich seiner) sagte: „Dies bedeutet, dass Menschen sich stets in ihren Religionen, Überzeugungen, Ideologien, Zugehörigkeiten und Meinungen unterscheiden werden.“ Diese Unterschiede sollten jedoch nicht zu Konflikten, Abbruch von Beziehungen und Zwietracht führen.

Viele Meinungsverschiedenheiten und Probleme zwischen Muslimen, Ehepartnern oder Freunden können auf negative Gedanken und Zweifel zurückgeführt werden, die der Teufel in die Herzen der Menschen wirft, so dass diese ihnen verfallen und Feindschaft, Uneinigkeit und Zwietracht unter ihnen verursachen. Diesbezüglich sagte der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken): „Der Teufel hat die Hoffnung aufgegeben, von den Betenden auf der Arabischen Halbinsel angebetet zu werden, doch hat er Hoffnung, sie gegeneinander aufhetzen zu können“ (Muslim). At-Tîbî (Allâh erbarme sich seiner) sagte: „Damit ist Zwietracht, Feindschaft und Tötung untereinander gemeint.“

Dschâbir ibn Abdullâh (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) überlieferte, dass der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Der Satan errichtet seinen Thron über dem Wasser und schickt seine Anhänger zu den Menschen. Wer die größte Fitna (Versuchung) verursacht, ist ihm im Rang am nächsten. Einer von ihnen kommt und sagt: ‚Ich tat dies und jenes.‘ Der Satan sagt zu ihm: ‚Du hast nichts bewirkt‘, bis einer kommt und sagt: ‚Ich blieb mit ihm, bis ich ihn von seiner Ehefrau trennte.‘ Da nähert sich Satan ihm und sagt: ‚Das hast du gut gemacht!‘“ (Muslim). Al-Qâdi Iyâd (Allâh erbarme sich seiner) sagte: „Ni’ma anta bedeutet: ‚Du hast großen Schaden angerichtet und höchste Leistung vollbracht.‘ Es kann auch bedeuten: ‚Du genügst mir und hast meinen Wunsch erfüllt‘ oder ‚Du bist mir am liebsten‘ oder ‚Du bist mir von allen meinen Gefährten am nächsten‘ oder ‚Du bist der Mutige und Wohlgefällige.‘ Satans Worte sind ein Hinweis auf die Tragweite der Trennung von Eheleuten oder der Scheidung und bekräftigen den Schaden, das Übel und die schwerwiegende Sünde, Eheleute trennen zu wollen: Denn dadurch wird das eheliche Band zerrissen, dessen Aufrechterhaltung Allâh der Erhabene befohlen hat. Eine auf dem Islâm entstandene Familie und eine Beziehung werden zerstört, in die Allâh Barmherzigkeit und Zuneigung einflößt. Streitende werden auch anfällig, Sünden zu begehen.“

Die Sîra (Lebensbiographie) des Propheten (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) ist reich an Ereignissen und Überlieferungen, die auf das Verbot von Zwietracht hinweisen, davor warnen und die Muslime auffordern, sich um die Versöhnung streitender Menschen zu bemühen. Dies führt zur Pflege einer zerrissenen Verwandtschaftsbande, stärkt eine geschwächte Brüderlichkeit und Freundschaft.

Warnungen des Propheten vor Unstimmigkeiten und Streitigkeiten:

Um die Schwere des Grolls und der Zwietracht zwischen muslimischen Geschwistern zu unterstreichen, genügt Folgendes: Sie verhindern die Vergebung Allâhs des Erhabenen. Abû Huraira (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) überlieferte, dass der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Die Tore des Paradieses werden am Montag und am Donnerstag geöffnet, da wird jedem Diener, der Allâh nichts beigesellt, vergeben, außer einem, der Groll gegen seinen Bruder (im Islâm) hegt. Es wird gerufen: ‚Gewährt diesen beiden Aufschub, bis sie sich versöhnen! Gewährt diesen beiden Aufschub, bis sie sich versöhnen! Gewährt diesen beiden Aufschub, bis sie sich versöhnen!‘“ (Muslim). An-Nawawî (Allâh erbarme sich seiner) sagte: „Seine Worte ‚Gewährt diesen beiden Aufschub‘ bedeuten: Die Vergebung ihrer Sünden sollen aufgeschoben werden, bis sie sich versöhnen und sie wieder Zuneigung füreinander empfinden.“ Abû Ayyûb Al-Ansârî (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) überlieferte, dass der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Es ist keinem Muslim erlaubt, dass er seinen Glaubensbruder mehr als drei Tage meidet, indem beide einander begegnen, während sich der eine vom anderen abwendet. Der beste von beiden ist derjenige, der zuerst mit dem Friedensgruß beginnt“ (Al-Buchârî). Er sagte auch: „Wer seinen Glaubensbruder ein Jahr lang meidet, ist wie jemand, der sein Blut vergießt“ (Abû Dâwûd), sahîh nach Al-Albânî).

Hierbei muss man unterscheiden, ob man seinen muslimischen Bruder um Allâhs willen oder aus weltlichen Gründen meidet. Die erste Form der Meidung ist geboten, wenn die entsprechenden Bedingungen und Richtlinien der Scharîa beachtet werden und man davon ausgeht, dass diese Haltung den Zweck erfüllt, wohingegen die zweite verboten ist, weil die Gläubigen Brüder sind. Der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Brecht untereinander keine Beziehungen ab, wendet euch nicht voneinander ab, hasst einander nicht und beneidet einander nicht. Seid Diener Allâhs und Geschwister!“ (Muslim).
 

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