Amâna: Zwischen Wahrung und Veruntreuung – Teil 3

Amâna: Zwischen Wahrung und Veruntreuung – Teil 3
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Ehefrau und Kinder sind ebenfalls Amâna. Es ist auch Amâna für eine Frau, dass sie den Hidschâb trägt, die Keuschheit bewahrt, sich von Männern fernhält, in ihrem Haus bleibt und sich von Orten der Vermischung und Versuchung fernhält. All dies gehört zur Amâna und eine Vernachlässigung zählt als Veruntreuung der Amâna.

Ein öffentliches Amt ist ein gewaltiges anvertrautes Gut, dessen sich viele Muslime nicht bewusst sind, ob absichtlich oder unabsichtlich. Angefangen beim höchsten Posten in einem Staat, dem Amt des Präsidenten, bis hin zu niedrigeren Positionen wie die der Minister, Manager und Angestellte. Hierzu sei lediglich das Wort des Propheten (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) erwähnt: „Ihr alle seid Hirten und verantwortlich für eure Herde.“

Um die Amâna zu bewahren, müssen diese ihre Pflichten erfüllen, ihre Verantwortung übernehmen, den Erwartungen der Menschen entsprechen und aufrichtig gegenüber Allâh, Seinem Buch, Seinem Gesandten, den Imâmen (Anführern) der Muslime und den Gläubigen sein. Solche Amtsträger sollen den Menschen die Angelegenheiten erleichtern, ihre Anfragen zügig und ohne Umschweife beantworten und niemals ihre Türen verschließen, denn dies gilt als Vertrauensbruch an der muslimischen Gemeinschaft, an Allâh und an Seinem Gesandten. Wer seine Tür vor den Sorgen der Menschen verschließt, dem wird Allâh die Tür für die eigenen Sorgen verschließen. Man erntet, was man sät.

Die Erfüllung der Amâna ist eine Quelle für Erfolg

Die Kultiviertheit von Gemeinschaften und das Ausmaß des Fortschritts und der Entwicklung werden an der Integrität und Ehrlichkeit der Mitglieder gemessen. Sind Veruntreuung und Betrug in solchen Gesellschaften verbreitet, werden diese zusammenbrechen, Verlust erleiden und schließlich untergehen. Unehrlichkeit und Korruption auf administrativer, funktionaler, finanzieller, sozialer und wirtschaftlicher Ebene sind auf einen Mangel im richtigen Umgang mit der Amâna zurückzuführen.

Vernachlässigung der Amâna

Der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) teilte uns mit, dass die Veruntreuung einer Amâna ein Zeichen für den Anbruch des Jüngsten Gerichts ist. Gegen Ende allen Lebens wird das Vertrauen zwischen den Menschen schwinden. Hudhaifa (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) sagte: „Allâhs Gesandter (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) erzählte uns zwei Hadîthe. Einen habe ich bereits erlebt und so warte ich darauf, dass der andere eintritt. Er berichtete uns, dass die Zuverlässigkeit in den Herzen der Menschen verwurzelt ist. Danach lernten sie etwas vom Qurân und etwas von der Sunna. Dann erzählte er uns vom Verlust der Zuverlässigkeit: ‚Ein Mensch wird sich nur schlafen legen, und schon verschwindet die Zuverlässigkeit aus seinem Herzen. Es bleibt nur deren Spur wie ein kleiner Fleck. Wenn er sich erneut schlafen legt, schwindet sie. Es bleibt nur eine Spur davon, gleich einer Blase, wie wenn man ein Stück Glut auf den Fuß rollt und sich unter der Haut Wasser ansammelt, so dass sich die Haut hebt, obwohl nichts darunter ist. Dann werden die Leute mit ihren Geschäften fortfahren, doch keiner von ihnen wird zuverlässig sein, bis es so weit kommt, dass man sagt: »In dem und dem Volk gibt es einen zuverlässigen Menschen.« Man wird über einen Menschen sagen: »Wie klug ist er doch, wie schlau und stark ist er!« Allerdings ist in seinem Herzen kein Funken Glauben mehr.‘ Es gab eine Zeit, in der ich nicht darauf achtete, mit wem ich Geschäfte abschloss: Wenn er Muslim war, hielt ihn der Islâm zurück, und wenn er Christ war, hielt ihn sein Bürge zurück. Doch heute schließe ich nur noch mit diesem und jenem Geschäfte ab“ (Al-Buchârî und Muslim).
Die Veruntreuung der Amâna ist ein Zeichen des Jüngsten Tages. Dieser Mangel ist ein Hinweis darauf, dass das Gericht unmittelbar bevorsteht. Laut einer Überlieferung heißt es: „Während der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) in einer Sitzung zu den Leuten sprach, trat ein Beduine zu ihm und fragte: ‚Wann ist die Stunde des Gerichts?‘ Der Gesandte Allahs (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) aber setzte seine Rede unbeirrt fort. Einige Zuhörer sagten: ‚Er hat die Frage gehört, doch er hat sie wohl nicht leiden können.‘ Andere versicherten: ‚Er hat die Frage nicht gehört!‘ Als der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) seine Rede beendet hatte, fragte er: ‚Wo ist der Mann, der sich nach der Stunde erkundigt hat?‘ Der Beduine rief: ‚Hier bin ich, Gesandter Allâhs!‘ Er (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: ‚Wenn die Amâna verlorengeht, erwarte die Stunde in Kürze!‘ Der Beduine fragte: ‚Aber wie kann sie verlorengehen?‘ Er sagte: ‚Wenn man die Führung in die Hände von ungeeigneten Leuten überträgt, erwarte die Stunde in Kürze!‘“ (Al-Buchârî).
 

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