Allâh um einen Beweis bitten, um Herzensruhe und Gewissheit zu erreichen
Fatwâ-Nummer: 258277

  • Fatwâ-Datum:2-11-2020
  • Bewertung:

Frage

Ist es einem Muslim gestattet, von seinem Herrn einen Beweis zu erbitten, damit sein Herz Ruhe findet – so wie es mit dem Propheten Ibrâhîm geschah – und er dadurch tief überzeugt in der Seele erkennt, dass er Mu’min ist?

Antwort

Der Lobpreis gebührt Allâh und möge Allâh Seinen Gesandten sowie dessen Familie und Gefährten in Ehren halten und ihnen Wohlergehen schenken!

 

Ibrâhîm  Frieden sei auf ihm , der Freund Allâhs, erbat sich einen Beweis, damit er genau erkenne, wie Allâh der Erhabene die Toten wiederbelebt. Allâh wollte ihm dies zeigen, damit er zur Stufe der vollständigen Überzeugung (Ain Al-Yaqîn, wörtl. „Auge der Gewissheit“) gelange, nachdem er auf der Stufe des „Wissens in Gewissheit“ (Ilm Al-Yaqîn) war.

 

As-Sa’dî sagt: „Er hatte durch die Worte Allâhs diese Gewissheit erlangt, aber er wünschte sich, dass er es mit dem Auge bezeuge und damit die Stufe der vollständigen Überzeugung („Ain Al-Yaqîn“) erreichen könne. Daher sagte ihm Allâh: „Glaubst du immer noch nicht?“ Er (Ibrâhîm) sagte: „Doch, aber (ich frage,) damit mein Herz Ruhe findet“ (Sûra 2:260). Das alles geschah, damit durch überzeugende Belege der Îmân wachse, die Gewissheit vervollständigt würde und damit die nach Erkenntnis strebenden Menschen Ähnliches erreichten. Das gehört zum Reich der Himmel und der Erde, das Allâh Ibrâhîm zeigte: „Und so zeigten Wir Ibrâhîm das Reich der Himmel und der Erde, – und damit er zu den Überzeugten gehöre“ (Sûra 6:75).

 

Ibn Âschûr schreibt in „At-Tahrîr wa t-Tanwîr“: „Ibrâhîm besaß eine außerordentlich starke Liebe zum Erlangen der geistigen Einsicht in die Auferstehung. Daher wünschte er sich, von der theoretischen abgeleiteten Einsicht zu einer höheren Stufe, dem ‚notwendig-apodiktischen Wissen‘, zu gelangen. Daher bat er Allâh, ihm die Wiederbelebung der Toten in sinnlich erkennbarer Form zu zeigen.“

 

Al-Buchârî überliefert in seinem Sahîh-Werk das Wort des Propheten (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken): „Der Islâm ist auf fünf (Säulen) erbaut.“ Er besteht aus Wort und Tat. Er nimmt zu und ab, so wie Allâh der Erhabene sagt: „(…) damit sie in ihrem Glauben noch an Glauben zunehmen“ (Sûra 48:4).“ Ibrâhîm  Frieden sei auf ihm sagte daher: „Doch, aber (ich frage,) damit mein Herz Ruhe findet.“ (Sûra 2:260).

 

Ibn Hadschar verweist in „Fath Al-Bârî“ auf die Auslegung dieses Verses durch Sa’îd ibn Dschubair, Mudschâhid und anderen und schreibt: „Ibn Dscharîr überliefert mit einer authentischen Überlieferungskette, die zu Sa’îd zurückreicht, dass dieser sagte: ‚Das Wort Allâhs »(…) damit mein Herz Ruhe findet« bedeutet »Damit meine Gewissheit zunehme«. Von Mudschâhid wird die Erklärung überliefert »Damit ich noch zunehme an Îmân zu meinem Îmân«.‘“

 

Hierin liegt ein Beleg für die Zulässigkeit, Allâh den Erhabenen um einen Beweis zu bitten, wodurch man Gewissheit und gesteigerten Îmân erhalte. Der Îmân nimmt zu und ab. Er wird stärker und schwächer. Daher sagt der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken): „Wahrlich der Îmân nutzt sich in eurem Inneren ab, wie sich ein Kleidungsstück abnutzt. So bittet Allâh darum, dass er den Îmân in euren Herzen erneuere.“ Überliefert wurde dies von At-Tabarânî und Al-Hâkim und wurde von manchen Autoritäten positiv (wie Al-Albânî als hasan-Überlieferung) eingestuft.

 

Ein weiterer Beleg hierfür liegt in der Geschichte der „Leute des Grabens“. Dort wird von einem Jungen berichtet, der sich gegen ein gewaltiges Tier zur Wehr setzte, das den Menschen den Weg versperrte. Da sagte er: „Heute werde ich wissen, ob der Zauberer recht hat oder der Mönch. Er nahm einen Stein und sagte: „O Allâh, wenn die Botschaft des Mönchs dir lieber ist als die des Zauberers, so lass dieses Tier sterben, damit die Menschen sich frei bewegen können (…).“ (Muslim).

 

In diesem Zusammenhang gehört auch die Aussage von Ibn Umar: „Ich war zur Zeit des Propheten (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) ein junger Mann und unverheiratet. Ich pflegte in der Moschee zu übernachten. Die Menschen berichteten gewöhnlich ihre Träume dem Propheten (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken). So sagte ich: ‚Allâh, wenn Du für mich bei Dir etwas Gutes bestimmt hast, so zeige mir einen Traum, den mir der Gesandte Allâhs (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) auslegt.‘ Da schlief ich und sah im Traum zwei Engel, die zu mir kamen und mich fortführten (…).“ (Al-Buchârî, Muslim).

 

Und Allâh weiß es am besten!

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