Der Vorzug dessen, der beim Qurânlernen und -lesen sich bemüht, aber stottert
Fatwâ-Nummer: 381545

  • Fatwâ-Datum:8-10-2020
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Frage

Meine Mutter und ich wollen in diesem Monat den gesamten Qurân rezitieren. Sie kann jedoch nicht lesen und schreiben, weil sie das in ihrer Kindheit nicht gelernt hat. Daher lese ich einige Wörter vor und sie spricht es mir nach. Manchmal hat sie Schwierigkeiten mit der Aussprache und ich muss es so lange vorsprechen, bis sie es schafft. Ist es zulässig, dass ich auf diese Weise die Lesung des Qurâns ständig unterbreche?

Antwort

Der Lobpreis gebührt Allâh und möge Allâh Seinen Gesandten sowie dessen Familie und Gefährten in Ehren halten und ihnen Wohlergehen schenken!

 

Häufiges Lesen des Qurâns ist eine empfohlene Handlung, da der Leser für jeden Buchstaben zehn Belohnungen erhält. Dies geht aus dem Wort des Propheten (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) hervor: „Wer einen Buchstaben vom Buche Allâhs liest, erhält eine Belohnung. Und die Belohnung wird verzehnfacht. Ich sage nicht, dass Alif-Lâm-Mîm ein Buchstabe sei, sondern Alif ist ein Buchstabe, Mîm ein Buchstabe und Lâm ein Buchstabe“ (At-Tirmidhî, sahîh nach Al-Albânî).

 

Dies gilt besonders für den gesegneten Monat Ramadân, da von Ibn Abbâs in den beiden Sahîh-Werken (Buchârî und Muslim) überliefert wurde: „Der Gesandte Allâhs (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) war der freigiebigste unter den Menschen. Und besonders im Ramadân, wenn er Dschibrîl traf. Er traf ihn jede Nacht im Ramadân und er studierte zusammen mit Dschibrîl den Qurân. Der Gesandte Allâhs (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) war freigiebiger als der Wind, wenn er weht.“

 

Dass du dich um deine Mutter kümmerst und mit ihr das Buch Allâhs des Erhabenen in diesem gesegneten Monat liest, ist nicht nur eine erlaubte Handlung, sondern eine gewaltige Tat der Gottesverehrung, für die du belohnt wirst. Zusätzlich liegen auch Frömmigkeit und gutes Verhalten gegenüber der Mutter vor. Wir bitten Allâh den Erhabenen, dass Er dich zunehmen lässt an Einsatz für das Gute und dir dabei hilft. Bemühe dich, damit weiterzumachen und erwarte Lohn von Allâh dem Erhabenen.

 

Die Schwierigkeit und Mühe, die deine Mutter dabei hat, verstärken noch die Belohnung für das Qurânlesen. Es wird über Aischa vom Propheten (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) überliefert, dass er sagte: „Wer den Qurân hervorragend rezitiert, der ist zusammen mit den edlen und frommen Schreiberengeln. Wer den Qurân liest und dabei stottert, weil es ihm schwerfällt, der erhält zwei Belohnungen“ (Muslim).

 

An-Nawawî schreibt im Kommentar zum Sahîh Muslim: „Mit Stottern ist derjenige gemeint, der die rezitierten Worte wiederholen muss, weil er es nicht richtig auswendig kann. So jemand erhält zwei Belohnungen: Einmal für die Rezitation, und ebenso weil er sich beim Stottern anstrengt. Al-Qâdî und andere unter den Gelehrten meinten: ‚Damit ist nicht gemeint, dass der Stotternde mehr Belohnung erhalte als derjenige, der vorzüglich liest. Letzterer erhält mehr, da er zusammen mit den Schreiberengeln auftritt. Er hat eine solch große Belohnung, da dieser Rang nicht im Zusammenhang mit anderen Personen erwähnt wird. Wie kann jemand, der sich nicht intensiv um das Buch Allâhs des Erhabenen bemüht, es nicht richtig auswendiglernt, nicht häufig und korrekt rezitiert oder es weitergibt, verglichen werden mit jemandem, der darin sehr fortgeschritten ist? Doch Allâh weiß es am besten.‘“

 

Es ist kein Problem, wenn du deine Rezitation unterbrichst. Denn es liegt ja ein erlaubter Grund vor, nämlich es deiner Mutter beizubringen und ihr bei der Lesung zu helfen. In einem solchen Fall ist es erlaubt, kurze Pausen einzulegen.

 

Und Allâh weiß es am besten!

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