Angst vor Corona: Eine Scharîa-Perspektive
Fatwâ-Nummer: 415966

  • Fatwâ-Datum:31-8-2021
  • Bewertung:

Frage

Überall verbreiten sich Angst und Panik vor der Corona-Pandemie. Wie beurteilt das die Religion? Die Herzen der Menschen sind gespalten, wenn es um eine eventuelle Aussetzung der Tarâwîh-Gebete im gesegneten Monat Ramadân geht. Dadurch wird bezüglich dem Wissen über Verborgenes spekuliert. Sind solche Spekulationen nicht eine Vermutung von Schlechtem?

Antwort

Der Lobpreis gebührt Allâh und möge Allâh Seinen Gesandten sowie dessen Familie und Gefährten in Ehren halten und ihnen Wohlergehen schenken!

 

Der Mu’min weiß, dass alles durch die Vorherbestimmung Allâhs des Erhabenen geschieht. Daher vertraut er auf Allâh, fürchtet niemanden sonst und hofft auf keinen anderen. Er vermutet von Allâh dem Erhabenen stets das Gute in allen Situationen. Gleichzeitig nutzt er auch die Gründe und Ursachen dieser Welt, um Nützliches zu bewirken und Schaden abzuwehren, ohne sich auf die Ursachen zu verlassen. Es ist Allâh, segensreich und erhaben ist Er, der alles verursacht: auf Ihn verlässt er sich.

 

Angst und Panik in übertriebenem Maße werden von der Scharîa abgelehnt und man muss sich davor hüten. Pflicht ist es, sich dem Befehl Allâhs hinzugeben, mit Seinem Urteil zufrieden zu sein und sich auf Ihn zu verlassen. Man soll mit fester Überzeugung wissen, dass nichts, was den Menschen trifft, ihn hätte verfehlen können. Und nichts, was ihn verfehlt, hätte ihn treffen können. Somit findet das Herz des Anbeters Ruhe im Îmân. Er verlässt sich auf die Planung Allâhs des Erhabenen und denkt nur Gutes von Ihm.

 

Trotzdem muss der Mensch nach den Ursachen und Wirkungen dieser Welt suchen und die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um sich vor dem Übel dieser Pandemie zu schützen. Dabei nimmt er sich den Propheten (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) zum Vorbild: Auch er bediente sich der Ursachen in dieser Welt, trug dies seiner Gemeinschaft auf und verbot, dass ein Kranker einen Gesunden ansteckt. Was die Furcht vor einer Absage der Tarâwîh-Gebete im Ramadân anbelangt und die Trauer darüber, so kann nichts dagegen unternommen werden. All das ist kein Widerspruch dazu, dass wir von Allâh nur das Gute denken und uns auf Ihn verlassen. Wenn so etwas durch Vorsichtsmaßnahmen erforderlich wird, so soll der Mu’min weder Unruhe noch Angst verspüren. Er begegnet all dem mit Geduld und tiefer Ergebung. Wenn er traurig ist, so hilft ihm gegen diese Trauer das Wissen, dass er selbst keine Schuld trägt und entschuldigt ist. Er erhält Lohn von Allâh, da Er seine Situation kennt und weiß, dass er unter anderen Umständen diese Riten gerne ausführen würde.

 

Wenn man davon ausgeht, dass diese Pandemie noch eine Weile anhält, so ist das kein schlechtes Vermuten von Allâh. Man beobachtet damit lediglich die Realität und stellt aus sichtbaren Anzeichen Folgerungen an. Auch ist es kein Widerspruch, wenn der Mensch Bittgebete spricht, auf dass Allâh diese Heimsuchung möglichst schnell hinfortnehmen möge, denn Er ist über alles mächtig. Wir bitten Allâh, dass er die Muslime vor allem Übel und Schaden schütze!

 

Und Allâh weiß es am besten!

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