Minderwertigkeitskomplexe Eine Krankheit unter Jugendlichen - Teil 1

06/02/2017| IslamWeb

Es ist eine latente Krankheit, doch die Folgen sind gewaltig. Sie ist einer der Hauptgründe für Depressionen bei Jugendlichen. Einer unserer besten Freunde oder Kollegen könnte daran leiden. Oder jemand in unserem Haushalt, seien es Geschwister oder unsere eigenen Kinder. Bei Einigen ist es schwieriger festzustellen und bei Anderen leichter. Wir könnten diejenigen sein, die darauf einwirken, ohne es zu bemerken. Nicht dass es ein Fehler unsererseits wäre, doch es fällt kaum auf und wird von denjenigen, die daran leiden, selten zugegeben. Diejenigen, die es nicht erlebt haben, werden Schwierigkeiten damit haben, es zu verstehen oder nachzuempfinden. Es rührt von einer Art vernunftwidrigem Denken her. Man leidet an einem größeren Hemmnis oder einer Hürde und es gibt keine festgelegten Lösungskonzepte, die man Menschen mit Minderwertigkeitskomplexen vorlegen könnte, da es all das ist, was sie in ihrem eigenen Verstand oder in ihrer „eigenen Welt“ entwickelt haben.

 

Die Folgen werden von vielen unterschätzt, da manche geringere Folgeerscheinungen haben. Sie gehen möglicherweise schlecht mit Menschen um, wollen viel allein sein, es fehlt ihnen an Selbstbewusstsein oder an Glauben an sich selbst oder sie haben einen niedrigen Bildungsabschluss. Einige veranlasst es zu Drogenmissbrauch, Selbstmordgedanken und zum Begehen von Untaten, die der Islâm verurteilt. Menschen, die daran leiden, beherzigen negative Kommentare und sind empfänglich für das, was andere über sie denken. Sie schätzen sich immer selbst ein – was im Islâm lobenswert ist –, allerdings macht sie die umfangreiche negative Einschätzung gegenüber dem Guten, das sie besitzen, blind, was für sie wiederum einen Schleier davor bewirkt, das Gute in sich zu sehen, und sie in einen Teufelskreis führt. Manche wollen den Menschen gefallen, was den Glauben eines Menschen beeinträchtigen kann, da wir beabsichtigen sollten, in allem was wir tun, einzig Allâh zu gefallen. Dies schwankt entsprechend des Alters.

 

Aller Lobpreis gebührt Allâh! Wir wissen, dass der Islâm ein Heilmittel für alle Dinge ist, besonders bei der Selbstreformierung. Da ich aus eigener Erfahrung spreche, hoffe ich, dass dies uns – so Allâh will – Nutzen bringt, und wir die Schönheit des Islâm erkennen. Wir sollten die Gefahren ebenfalls kennen, damit wir meiden können, was zur Selbstvernichtung führt!

 

Bevor man die Folgen behandelt, muss man die Ursache behandeln! Obwohl die Ursache normalerweise nicht rückgängig gemacht und geändert werden kann, könnte die Kenntnis über die Ursachen zu deren Lösung führen. Es gibt zahlreiche Ursachen, ohne zu sehr ins Detail zu gehen.

 

In der Kindheit könnte ein Kind möglicherweise von seinen Mitmenschen negativ kritisiert worden sein, was zu einem mangelnden Selbstwertgefühl führt. Kinder brauchen es gelobt zu werden und ihnen muss gesagt werden, dass sie etwas gut gemacht haben, damit sie ihre Fähigkeiten erkennen. Das Lob gibt ihnen Selbstvertrauen. Viele Eltern haben Vollzeitstellen und können ihren Kindern nicht genug Zeit widmen. Diese mangelnde Aufmerksamkeit ist eine weitere Ursache. Kinder benötigen viel Zeit und vor allem Liebe. Je mehr man mit einem Kind spricht, desto mehr wird man erkennen, dass es bereits in jungem Alter gesprächig ist und einen reichen Wortschatz hat. Gemeinsam mit den Kindern und deren Spielsachen zu spielen und sie dazu zu ermuntern mit anderen Kindern zu spielen, verhilft ihnen dazu bessere soziale Kompetenzen zu entwickeln. Das Alter zwischen 2 und 10 Jahren ist eine entscheidende Zeit für Kinder und beeinflusst sie für den Großteil ihres Lebens. Letztlich kann es auch von traumatischen Erlebnissen herrühren, die sie früh in ihrem Leben hatten, die Unsicherheiten in ihnen auslösen und ihr Selbstbewusstsein verringern. Der entscheidende Punkt ist allerdings die Art der Erziehung.

 

Wenn wir es genau betrachten, dann ist dies die Ursache, die zu vielen Sünden führt. Wie bereits erwähnt, kann es zu Drogenmissbrauch und Untaten führen. Gefährlich für Frauen, besonders für jüngere, ist die Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts. Die Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts erhöht deren Selbstwertgefühl ein wenig und dadurch profitieren sie von ihrer Schönheit. Sie fühlen sich möglicherweise geliebt und erstreben viel Aufmerksamkeit. Diese bekommen sie auch und fühlen sich von ihren Unsicherheiten etwas emporgehoben. Dabei nährt dies in Wahrheit die eigene Geringschätzung aufs Schlimmste, was nur zu zusätzlicher Selbstzerstörung führt.

 

Ohne gänzlich psychologisch zu werden, werde ich – so Allâh will – präsentieren, wie der Islâm für mich zum Heilmittel wurde und – so Allâh will – für viele andere zum Heilmittel werden wird.

 

Im Glauben daran, dass die Rückkehr zur Religion ein Ausweg daraus sei, begann ich damit, in islâmischen Foren zu fragen, wie man mit Minderwertigkeitskomplexen umgeht, und berichtete, wie es mich im Alltagsleben beeinflusst. Ich stellte fest, dass sich viele meldeten und ebenfalls sagten, dass sie das gleiche Problem hätten und dass in verschiedenen Foren Menschen die gleiche Frage stellten.

 

Es ist wirklich ein innerer Kampf, den man jeden Tag mit sich hat, ganz gleich wie oft jemand zu einem sagt, wie gut man ist oder welches Potential man hat – man wird dies niemals von sich selbst denken. Jedesmal wenn man irgendwelche negativen Bemerkungen hört, denkt man nur noch über diese nach. Und dann fühlt man sich noch wertloser. Ich betrachtete den Charakter des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken). Er war ein aufgeschlossener und freundlicher Mensch, in jeder Hinsicht einfach ausgezeichnet. Unter Minderwertigkeitskomplexen zu leiden wird einen nicht annähernd dazu bringen, seinen Charakter nachzuahmen. Ich habe viele Ambitionen und es obliegt Allâh, ob ich diese erreiche oder nicht. Ich dachte mir jedoch, dass ich mit meinem problematischen Zustand nichts erreichen werde.

 

Man fühlt sich in sich selbst gefangen. Ich kümmerte mich nicht so sehr um die Ursache. Ich wusste jedoch, dass ich sie behandeln muss. Viele sagten, ich solle zum Psychologen gehen, doch ich fand keine Möglichkeit, an psychologische Hilfe zu gelangen. Aller Lobpreis gebührt Allâh! Es war eine Gnade an sich, dass ich keinen fand. Oftmals, wenn ich an Depressionen litt, war es ziemlich heftig. Bittgebete waren mein erster Schritt. Ich bat Allâh darum, sie zu überstehen. Ich las viel über die Läuterung des Herzens und über den Charakter eines guten Muslims und betrachtete den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) als mein praktisches Vorbild.

 

Es verlangt Mut und Motivation. Man kann alles tun, solange man nicht seine eigene Hürde ist, da dies die einzige Hürde ist. Ich betrachtete den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) als Vorbild und mit der Zeit wuchs mein Selbstbewusstsein. Ich setzte mich da draußen für Aufrichtigkeit ein. Ständige Bittgebete haben mich durchgebracht und die Erinnerung an den Vers, in dem Allâh sagt: „… Allâh ändert nicht den Zustand eines Volkes, bis sie das ändern, was in ihnen selbst ist …“ (Sûra 13:11). Was immer wir tun, wir müssen eine Anstrengung unternehmen, damit der Segen herabkommt.

 

Wie können wir verhindern, dass dies unseren Kindern widerfährt? Indem wir den Kindern Zeit und Liebe widmen und sie sowohl positive als auch negative Kritik lehren. Indem wir von unseren Kindern nicht zu viel erwarten, ihnen jedoch langsam dabei helfen, in jeder Lebensphase ihre Schritte zu gehen. Eltern haben hohe Erwartungen an ihre Kinder. Manche erwarten zu viel und es wird zu einer Belastung für die Kinder zu fürchten, dass sie möglicherweise versagen. Dies bedeutet nicht, dass wir keine hohen Ziele haben sollten! Wir sollten sie jedoch mit Nachsicht behandeln und ihnen helfen ihre Entscheidungen zu treffen – anstatt sie selbst zu treffen!

 

Dies ist ein entscheidender Punkt, und obwohl nur kurz erwähnt, können die Folgen manchmal als unmöglich überwindbar empfunden werden. Man benötigt Entschlossenheit und aufrichtige Absicht. Wir haben den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) als praktisches Vorbild. Wir haben den Islâm und Allâh als unseren Schutzfreund, was uns in jeder Situation Hoffnung verleiht. Es gibt manche, die sich nicht bewusst sind, dass dies die Wurzel ihrer Probleme ist. Und möglicherweise können ihnen Nahestehende dabei helfen, sie anzupacken. Aller Lobpreis gebührt Allâh! Es gibt viele Möglichkeiten da draußen und sie müssen verbreitet werden! Sie müssen durch Interaktion, Kanalisieren und Filterung der eigenen Mitwirkung in allen Gesellschaftsschichten verbreitet werden!

 

Ich bete dafür, dass Allâh uns Stärke gibt und die Fähigkeit, unsere inneren Kämpfe und Unzulänglichkeiten zu überwinden! Âmîn!

 

Lasst Allâh den Herrscher eurer Herzen sein, nicht das Diesseits …!

 

Alles Gute ist von Allâh und jegliche Fehler sind von mir selbst.

 

Minderwertigkeitskomplexe – Eine Krankheit unter Jugendlichen - Teil 2

 
 

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