Gedanken über Arafa

Sonntag 04/11/2012

Arafa, o Symbol der Umma und der himmlischen Botschaft! Arafa, wie oft verweilen Menschenmengen auf deiner Ebene, sind Tränen auf deiner feuchten Erde vergossen, haben Leute sich einander bei dir kennengelernt, sind Geschlechter in deiner Umgebung verschmolzen, wurden Niedergeschlagene gesegnet und starke Leute zurückgewiesen! Wie oft umarmten sich Herzen bei dir, wurden auf deiner feuchten Erde Sorgen genommen und Fehlverhalten und Sünden vergeben! Wie oft vermischten sich bei dir die Tränen Sündiger, trafen sich die Stimmen der Leute, die Allâh um Vergebung bitten und vereinten sich die Wünsche der Begehrenden! Wie oft bezogen sich bei dir die Absichten nur auf Allâh, wurden Tränen an deinen Seiten vergossen und demütigten sich die Leute der Erde in Ehrfurcht gegenüber dem Schöpfer der Erde und der Himmel!

 

O Muslime, wie oft hegen die Herzen eurer Feinde einen Groll gegen euch! Und wie oft haben sie sich in die Fingerspitzen vor Grimm und Neid gebissen! Der Erhabene sagt: „Weder diejenigen unter den Leuten der Schrift, die ungläubig sind, noch die Götzendiener möchten, dass euch etwas Gutes von eurem Herrn offenbart wird.“ (Sûra 2:105). Sie wollen die Rückkehr zur Religion versperren, damit die Kräfte abnehmen, die Neigung befolgt wird und sich die Heimsuchung verbreitet, damit die Religion nicht mächtig wird, sich keine Gewissheit verstärkt und keine feste Stellung verliehen wird.

 

Warum sind unsere Gewalt unter uns stark und unsere Hoffnung auf die Rückkehr nach der reinen Quelle weit geworden?

 

Liebe Leser! Wahrhaftig, Derjenige, Der euch zur Talbiya (beim Haddsch oft zu wiederholende Worte), zum Haddsch und zum Verweilen in der Arafa-Ebene aufgefordert hat, so dass ihr Talbiya gesprochen, den Haddsch verrichtet und in der Arafa-Ebene verweilt habt, ist Derjenige, Der folgende Worte spricht: „Und haltet für sie in Bereitschaft, was ihr vermögt ... !“ (Sûra 8:60). Wappnet euch für sie mit der demütigen Ehrfurcht Allâh gegenüber! Wer Reichtum ohne Geld, Macht ohne Herrschaft und Würde ohne Gewalt haben will, der soll in Ehrfurcht gegenüber Allâh demütig sein. Denn Allâh der Allmächtige und Majestätische besteht darauf, nur jemanden zu erniedrigen, der sich Ihm widersetzt.

 

Erinnert euch gut an die Empfehlung eures Propheten vor 1.400 Jahren am Opfertag in Minâ, als er sagte, bestätigte, empfahl und warnte: „Wahrhaftig! Euer Blut und euer Vermögen sind unter euch genauso sakrosankt, wie an diesem eurem Tag, in diesem eurem Monat, an diesem euren Ort, und zwar bis zum Tag, an dem ihr eurem Herrn trefft. Habe ich es nun mitgeteilt?“ Sie antworteten: „Ja!“ Dann fuhr er fort: „O Allâh, bezeuge! Der Anwesende soll dem Abwesenden davon berichten, denn es mag sein, dass der Anwesende einem Anderen berichtet, der dies mehr begreift als er selbst. So kehrt nach mir nicht zum Islâm-Leugnen um, indem die Einen von euch die Nacken der Anderen abschlagen!“ (Überliefert von Al-Buchârî.)

 

Erinnert euch an dies gut und wisset, dass die Umma, die Sünden begeht und von der Anweisung Allâhs abweicht, einstürzt! Ihr seid, bei Allâh, nicht besser als Sa‘d ibn Abû Waqqâs, der Held der Schlacht von Al-Qâdisiya, dem das Paradies verkündet wurde, und der zu den ersten Muslimen gehört. Trotz all diesem empfahl ihm Umar ibn Al-Chattâb  möge Allah mit ihm zufrieden sein, als dieser sich darauf vorbereitete nach Al-Qâdisiya zu gehen, indem er zu ihm Folgendes sagte: „O Sa‘d, sei nicht hochmütig, weil du der Onkel des Propheten mütterlicherseits und dessen Gefährte bist, denn Allâh der Allmächtige und Majestätische löscht nicht etwas Schlechtes mit etwas Schlechtem aus! Vielmehr löscht Er eine schlechte Tat durch eine gute Tat aus. O Sa‘d! Allâh steht in keinem Verwandtschaftsverhältnis zu einem Menschen, es sei denn durch den Gehorsam Ihm gegenüber. Alle Menschen sind gleich vor Allâh, egal ob sie aus einer höheren oder einer niedrigeren Schicht sind. Allâh ist nämlich ihr Herr und sie sind Seine anbetend Dienenden. Sie werden einander durch die Demut in Ehrfurcht gegenüber Allâh vorgezogen und erlangen das, was sich bei Ihm befindet, durch den Gehorsam Ihm gegenüber." Seid gegen die Gläubigen gutherzig und gegen die Feinde eurer Religion wie wilde Löwen!

 

Habt ihr den Ärger des stillen und ruhigen Abû Bakr vergessen, als er schalt und sagte: „Bei Allâh! Wenn sie [die Abtrünnigen] die Abgabe einer Fußfessel verweigern würden, die sie dem Gesandten Allâhs gegeben haben, würde ich gegen sie darum kämpfen.“

 

Habt ihr den Ärger von Nûruddîn vergessen, als die Aqsa-Moschee in die Besetzung der Kreuzfahrer geraten war? Da blieb er traurig und düster. Als ihn jemand fragte: „Warum lachst du nicht?“, erwiderte er: „Ich schäme mich vor Allâh, dass ich lächle, während die Aqsa-Moschee in der Hand der Feinde ist.“

 

Wann bewegen uns denn, liebe Geschwister, jene verbrannten Qurân-Exemplare, zerstörten Moscheen, verletzten Ehren, reinen Kinder, die mit Füßen getreten sind, und Tränen im Auge von Jerusalem, Kaschmir, Bosnien und Herzegowina, Eritrea, Somalia und Anderen?

 

Wir wollen eine hinsichtlich der Rede und der Arbeit ernsthafte Umma. Wenn sie etwas sagt, dann soll dies auf Wissen basieren. Wenn sie keine Kriege führen will, dann soll dies auf Wissen basieren. Wenn sie Kriege führen will, soll dies auf Wissen basieren. Wenn sie etwas entscheiden will, soll dies auf Wissen basieren. Sie soll weder Frevler noch zerstreut oder achtlos sein. Yahyâ ibn Mu‘âdh  Allah   erbarme sich seiner sagte: „Die Herzen sind wie die Kochtöpfe. Sie kochen in den Brüsten und ihre Schöpflöffel sind ihre Zungen. Warte, bis ein Mann spricht! Denn seine Zunge bringt das heraus, was sich in seinem Herzen befindet, sei es etwas Angenehmes, Säuerliches, Süßes oder Salziges! Seine Zunge lässt dich um den Geschmack seines Herzens wissen.“

 

Al-Buchârî überlieferte nach einer Aussage von Adiy ibn Hâtim At-Tâî  möge Allah mit ihm zufrieden sein, dass dieser sagte: „Ich kam in einer Delegation zum Fürst der Gläubigen Umar ibn Al-Chattâb  möge Allah mit ihm zufrieden sein. Da begann Umar die Namen der Leute nacheinander zu erwähnen. Ich fragte: »Kennst du mich nicht, o Fürst der Gläubigen?« Er erwiderte: »Doch! Du bekanntest dich zum Islâm, als die Leute noch Islâm-Leugner waren, du kamst, als sie den Rücken kehrten, du erfülltest, als sie nicht erfüllten, und wusstest, als sie leugneten.« Da sagte Adiy: »Es ist mir dann alles Andere egal.«“ Dies ist sein vorhandener Bestand, Grund seines Ruhmes, sein Kapital und die Säule seiner Persönlichkeit.

 

Die Leute auf der Erde verschließen sich zweifellos dieser Sache, wobei sie sich schwer zur Erde sowie zu deren Begehrlichkeiten und Vorstellungen sinken lassen. Sie bangen um ihr Leben, ihr Vermögen, ihre Genüsse, ihre Interessen und ihre Güter. Sie lassen sich schwer zur Milde, Ruhe und zur Stabilität sinken.

 

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