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Warum wir nicht zum Haddsch gehen – Teil 2

Warum wir nicht zum Haddsch gehen – Teil 2

Ironie

Trotz der hohen Kosten einer Haddsch-Reise, mit all den Bequemlichkeiten und Gebühren und Dienstleistungen liegt die Ironie der westlichen muslimischen Familien darin, dass viele eigentlich die finanziellen Mittel haben um zum Haddsch zu gehen. Ihr Problem ist nicht, über wie viel Geld sie verfügen, sondern wie viel sie übrig haben. Diese Familien haben eine Menge Geld, gelobt sei Allâh, doch ihre Geldeinnahmequellen sind so zugeteilt dass am Ende des Jahres nicht viel davon übrig ist.
Das heißt, nachdem sie den privaten Schulunterricht, die Belastung eines Grundstücks, die Leasing-Gebühren für beide Autos und die Mitgliedschaft im Fitnessstudio bezahlt haben, bleibt nur wenig für zusätzliche Ausgaben wie den Haddsch übrig. Einige führen einen verschwenderischen Lebensstil, der weder Geld noch Zeit für den Haddsch übrig lässt, und Andere haben einen Lebensstil, der nicht so verschwenderisch ist, weil sie gut organisieren, was ebenfalls weder Gelegenheit noch Zeit für eine beiläufige Haddsch-Reise übrig lässt. Unser Lebensstil kann strukturiert und gewohnheitsmäßig werden, wenn wir uns an bestimmte Dinge im Leben gewöhnen. Wir müssen am Wochenende außerhalb essen, uns immer modisch und schick anziehen sowie prächtige Autos fahren, und unsere Kinder brauchen zusätzliche Aktivitäten außerhalb der Schule usw. Wir gewöhnen uns an diese scheinbar kleinen Dinge im Leben, die große Hürden für andere werden können.
Finde etwas Geld in deinen Taschen!
Die Ironie ist, dass Leute, die sagen, sie könnten es sich nicht leisten zum Haddsch zu reisen, auf das Geld warten, das ihre Haddsch-Reise finanzieren wird. Sie erwarten eine hohe Sondervergütung, eine Steuererstattung oder eine Gehaltserhöhung. Sie warten auf dieses Geschenk von Allâh, das ihnen helfen wird den Haddsch durchzuführen. Für die meisten von uns fallen die 7.000 €, die wir benötigen um unsere Familie zum Haddsch mitzunehmen, nicht aus heiterem Himmel. Wir müssen es finden.
Und um es zu finden, müssen wir wissen wo wir suchen müssen. Zu bestimmen, wo sich unser Geld befindet, hilft uns es angemessen zu verteilen und zuzuordnen. Beispielsweise haben einige wohlhabende Familien ihr Vermögen in Kapitalanlagen und Immobilien angelegt. Dies ist Geld, das sie besitzen, zu dem sie jedoch keinen Zugang haben. In derartigen Fällen würden wir sagen, dass solch ein Millionär im Stande ist, sich den Haddsch zu leisten. Allerdings wird er sagen, dass er nicht reisen kann, weil er einfach nicht so viel Geld übrig hat.
Ähnlich haben es die meisten Familien so geregelt, dass sie sich monatliche Beträge für Ruhestandspläne und Mittel für die Schulbildung ihrer Kinder abbuchen lassen. Und dann erkennen, dass sie am Ende jedes Jahres kein Geld für eine Haddsch-Reise übrig haben.
Fülle deine Seele mit etwas Tatkraft!
Auch wenn wir all diese genannten Gründe beiseitelassen, gibt es etwas, an das sehr viele Erwachsene denken und das sie fühlen, aber nur wenige sind bereit dies zuzugeben. Paradoxerweise sind einige Muslime der Meinung, nicht bereit für den Haddsch zu sein, weil sie die spirituellen Höhen nicht erreicht haben um sich für den Haddsch zu eignen. Sie sind der Meinung, sie seien noch „nicht gut genug“ um zu reisen. Sie glauben, dass der Haddsch die letzte Glaubens- und Anbetungshandlung ist. Und wenn es ihnen schon schwerfällt fünf Mal am Tag zu beten – wie können sie dann spirituell vorbereitet sein eine Pflicht wie den Haddsch zu bewältigen?
Das Bild, dass einige muslimische Nicht-Araber von einem Pilger haben, ist das eines frommen, ergebenen anbetend Dienenden, der keine Fehler machen kann. Sie malen sich eine geistlich vollkommene Person aus und befürchten, dass sie dem nicht gleichkommen können. Also folgern sie, dass sie für den Haddsch noch nicht ganz bereit sind.
Erstaunlicherweise befürchten einige nicht nur, dass sie nicht gut genug sind; sondern befürchten sogar, dass sie so gut werden (oder werden müssen), dass sie nicht mehr dieselben sein werden. Ja, überraschenderweise haben einige Muslime Angst vor dem Haddsch, weil sie sich fragen, was der Haddsch mit ihnen machen könnte. Bedeutet es denn nicht, dass man perfekt sein muss, nachdem der Haddsch vollendet ist? Da ein angenommener Haddsch die Sünden einer Person tilgt und ihr eine unbeschriebene Tafel gewährt, bedeutet dies im Grunde genommen, dass ein Pilger, der nach Hause zurückkehrt praktisch äußerst vorsichtig sein und sich vor jeglichen Sünden fernhalten muss. Das ist eine große Anforderung für viele von uns. Und für einige von uns ist es an sich Grund genug zu warten, bis man geistig, gefühlsmäßig und seelisch dazu in der Lage ist, eine derartige Verantwortung zu bewältigen.
Die Erleuchtung
Nach all diesen Gründen den Haddsch zu verschieben und hinauszuzögern reisen trotzdem Millionen von Muslimen aus dem Westen zum Haddsch und erfüllen ihre Pflicht. Warum? Weil sie erkennen, dass sie verpflichtet sind dies zu tun, und sie bestimmen, dass es besser für sie ist jetzt zu reisen statt später. Sie treffen eine engagierte, entschlossene Entscheidung den Haddsch durchzuführen und finden einen Weg diese zu verwirklichen.
Mit drei einfachen Schritten zum Haddsch:
1.Fasse die Absicht!
Das Erste, was jeder Muslim tun muss, wenn er sich entscheidet zum Haddsch zu reisen, ist ganz einfach die Absicht dafür zu fassen. Sobald jemand entschieden hat, dass er reisen möchte und die Absicht dafür gefasst hat, kann er sich daranmachen die Reise zu planen. Ohne lautere Absicht verliert der Haddsch (und alles Andere in dieser Angelegenheit) seine Bedeutung und seinen Wert. Bestimme, warum du reisen möchtest; nicht weil all deine Freunde dieses Jahr reisen! Denke darüber nach, was du mit der Reise erreichen möchtest! Denke darüber nach, wie du dein Leben oder deinen Lebensstil nach deiner Rückkehr verändern könntest! Lass nicht zu, dass es entmutigend und nervtötend wird! Beim Haddsch geht es um den inneren Frieden. Finde ihn, bevor du dich auf die Reise begibst!
2. Finde die finanziellen Mittel
Wenn es die Geldmittel das hauptsächliche Hindernis sind, dann finde einen Weg sie dir zu beschaffen! Wenige können heute entscheiden und morgen gehen. Für die meisten Menschen wird eine Haddsch-Reise Monate, wenn nicht sogar Jahre finanzieller Planung und Vorbereitung beanspruchen. Wir sollten uns von einer derartigen finanziellen Verpflichtung nicht entmutigen lassen! Die meisten von uns haben Autos, die mehr kosten als eine Familien-Haddsch-Reise. Die meisten von uns haben Häuser, die um ein Vielfaches teurer sind als eine derartige Reise. Die meisten von uns haben zur Verfügung stehendes Geld, das für eine derartige Pflicht bemessen und gespart werden kann.
Fang klein an! Entscheide dich, auf welche kleinen Nichtigkeiten und Luxusgüter du verzichten kannst und lagere diese Euros in einer Haddsch-Spardose! Wenn du hier und da täglich oder wöchentlich ein paar Euros sparst, wird es dich nicht von allein zum Haddsch bringen. Jedoch wird es einen großartigen Anfang schaffen, der dich dazu motivieren wird dein Konto mit zusätzlichen Geldern (wie Steuererstattungen, Gehaltserhöhungen, Geldgeschenken etc.) aufzustocken.
3.Erlange höhere Spiritualität vor dem Haddsch!
Da viele von uns eine gewisse Zeit benötigen, um Geld für diese Reise anzusparen, können wir die Zeit bis dahin weise nutzen. Statt sich nur auf das erforderliche Geld zu konzentrieren, können wir die Zeit dafür nutzen uns mental und seelisch vorzubereiten, damit wir keine Opfer einiger Fallgruben werden, die oben erwähnt wurden. Wenn wir etwas Zeit brauchen, um Geld zu sparen, können wir in dieser Zeit mehr tun als nur Euros zählen. Wir sollten unsere Taten zählen, unsere Handlungen, alles, was unseren Haddsch viel bedeutsamer und erfolgreicher machen wird.
Diese Zeit vor dem Haddsch könnte genauso wichtig für deine Spiritualität sein wie der Haddsch selbst. Im Gegensatz zu irgendeinem anderen Urlaub oder irgendeiner anderen Reise ist der Haddsch eine spirituelle sowie physische Reise. Sie umfasst weit mehr als nur Körper und Geist. Sie erfordert von uns etwas Tiefsinnigeres. Das können wir üben, bevor der Haddsch beginnt. So wie wir bei unseren Ersparnissen mit kleinen Zuwächsen beginnen, können wir unsere seelische Läuterung ebenfalls in kleinen Schritten beginnen.
Meistens ist das Hindernis zum Haddsch mentaler Art – es liegt alles an der Psyche. Wenn wir also dieses Jahr den Haddsch verpassen, dann lasst uns es jetzt planen, und wenn Allâh will und wir uns darauf konzentrieren, dann werden wir es nächstes Jahr schaffen!

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