Die fünfte Betrachtung: Seine Aussage, des Mächtigen und Erhabenen: „damit Er sie ein wenig von dem kosten lasse, was sie getan haben“ – gemeint ist ein Teil der Bestrafung für die gesamte Handlung, nicht die Bestrafung für einen Teil der Handlung. Das heißt: Das, was Er sie an Strafe kosten lässt, ist nur ein Teil dessen, was sie verdient haben. Und darin liegt eine Drohung, wenn sie nicht von ihren üblen Taten ablassen – wie Sein Ausspruch, des Erhabenen: „Und würde Allah die Menschen für das, was sie verdient haben, belangen, Er würde auf ihrer (Oberfläche) kein sich bewegendes Wesen zurücklassen.“ (Sûra 35:45). Anschließend folgt die Strafe des Jenseits, wie Er, der Erhabene, sagte: „Aber die Strafe des Jenseits ist härter und beständiger.“ (Sûra 20:127). Ibn Kathîr sagte: „Seine Aussage: 'damit Er sie ein wenig von dem kosten lasse, was sie getan haben' – das heißt: Er prüft sie durch die Verminderung von Besitz, Leben und Früchten – als Prüfung von Ihm und als Vergeltung für ihr Tun.“
Die sechste Betrachtung: Die Worte: „auf dass sie (zu Ihm) umkehren mögen“ bedeuten: Sie kehren von den Sünden um und lassen von ihren Sünden und Fehltritten ab. Qatâda sagte: „Auf dass ein Umkehrender umkehrt, auf dass ein Reuiger bereut, auf dass ein um Verzeihung Bittender um Verzeihung bittet.“ Das heißt: Allah bestraft sie mit dem Unheil nur für einen Teil ihrer Sünden, damit sie reumütig zur Wahrheit umkehren, wie es im Qurân heißt: „Und Wir prüften sie mit Gutem und Bösem, auf dass sie umkehren mögen.“ (Sûra 7:168). Die Hoffnung, die dem Wort la´alla „auf dass“ zu entnehmen ist, zeigt, dass das geschehene Unheil ausreicht, um sie von der Sünde abzubringen, die sie begangen haben, und dass in ihrer Lage noch Hoffnung auf Umkehr besteht. Sollten sie jedoch nicht umkehren, haben sie ihre Widerspenstigkeit bewiesen, sodass die Ermahnung bei ihnen nicht gewirkt hat. Hierzu heißt es im Qurân: „Sehen sie denn nicht, dass sie jedes Jahr einmal oder zweimal der Versuchung ausgesetzt werden? Aber dann bereuen sie nicht und bedenken sie nicht.“ (Sûra 9:126).
Die siebte Betrachtung: In der reinen Sunna finden sich im Lichte dieses Verses Hadithe, wie etwa ein von al-Hâkim und at-Tabarânî mit einer authentischen Überliefererkette von Ibn ´Abbâs, , vom Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) überlieferten Hadith: „Wenn außerehelicher Geschlechtsverkehr und Zins in einem Ort öffentlich werden, dann haben sie sich selbst der Strafe Allahs ausgesetzt.“
Und Ibn Mâdschah, al-Bazzâr und al-Bayhaqî überlieferten mit einer guten Überliefererkette von ´Abdullâh ibn ´Umar, dass er sagte: „Der Gesandte Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) wandte sich uns zu und sagte: ‚O ihr Auswanderer! Fünf Dinge – wenn ihr ihnen ausgesetzt seid, und ich suche Zuflucht bei Allah davor, dass ihr sie erlebt: Wenn in einem Volk die Schandtat jemals offen zutage, wird sie sich stets unter ihnen die Seuche und Leiden ausbreiteten, die ihre Vorfahren nicht kannten. Wenn sie Maße und Gewichte fälschen, werden sie stets mit Dürrejahren, schwerer Not und der Tyrannei der Herrscher heimgesucht. Und wenn sie die Zakât auf ihr Vermögen verweigern, wird ihnen stets der Regen vom Himmel vorenthalten. Wären da nicht die Tiere, würde es bei ihnen gar nicht regnen. Und sobald sie den Bund Allahs und Seines Gesandten brechen, wird Allah einen Feind von außen Macht über sie gewähren, der ihnen einen Teil ihres Vermögens nimmt. Und wenn ihre Herrscher nicht nach dem Buch Allahs und der Offenbarung Allah urteilen, wird Allah Gewalt unter ihnen verbreiten.‘“
Ibn Mâdschah überlieferte mit einer authentischen Überliefererkette von Abû Mâlik al-Asch´arî, dass der Gesandte Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Leute von meiner Umma werden sicher Wein trinken und ihn mit einem anderen Namen benennen. Für sie werden mit Musikinstrumenten (Ma´âzif) Sängerinnen spielen. Allah wird sie von der Erde verschlucken lassen und aus ihnen Affen und Schweine machen.“
Die achte Betrachtung: Abû l-´Âliya sagte: „Wer sich Allah auf Erden widersetzt, der hat auf der Erde Unheil gestiftet. Denn das Wohlergehen auf Erden und im Himmel liegt im Gehorsam gegenüber Allah.“ Aus diesem Grund heißt es in einem Hadith: „Eine im Islam festgelegte Strafe, die auf der Erde vollstreckt wird, ist für die Bewohner der Erde besser, als wenn es vierzig Morgen lang regnet.“ (Überliefert von Ibn Mâdschah mit einer guten Überliefererkette). Wenn nämlich die Strafen vollstreckt werden, schrecken viele Menschen davor zurück, Verbotenes zu begehen. Und wenn Sünden begangen werden, sind sie die Ursache für das Schwinden des Segens des Himmel und der Erde. Wenn einst ´Îsâ (Friede sei mit ihm) am Ende der Zeit herabkommt und nach dem islamischen Gesetz richtet, indem er das Schwein tötet, das Kreuz zerbricht und die Kopfsteuer (Dschizya) abschafft, weil nur noch der Islam angenommen wird, und wenn Allah dann zu seiner Zeit den Daddschâl und seine Anhänger sowie Ya`dschûdsch und Ma`dschûdsch (Gog und Magog) vernichtet, dann wird zur Erde gesagt: „Gib deinen Segen preis!“ Dann wird von einem Granatapfel eine große Menge Menschen essen und sie werden unter seiner Schale Schatten finden. Und die Milch einer Kamelstute wird für eine Gruppe von Menschen ausreichen. Dies geschieht nur durch den Segen der Umsetzung der islamischen Gesetzgebung. Immer wenn die Gerechtigkeit verwirklicht wird, mehren sich die Segnungen und das Gute. Aus diesem Grund ist in den Ṣahîh-Werken belegt, dass der Gesandte Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) an einem Totengeleit vorbeiging und sagte: „Dieser ist zur Ruhe gekommen und vor diesem haben wir nun unsere Ruhe.“ Die Leute fragten: „O Gesandter Allahs! Was bedeutet ‚zur Ruhe gekommen‘ und ‚vor diesem haben wir unsere Ruhe‘?“ Er antwortete: „Der gläubige Diener entkommt dem Mühsal und den Leiden des Diesseits und gelangt zur Barmherzigkeit Allahs, des Mächtigen und Erhabenen. Und vor dem sündhaften Diener haben die Menschen, die Länder, die Bäume und die Tiere ihre Ruhe.“ (Überliefert von al-Buchârî).
Das Fazit zum Vers: Jedes Unheil, das auf Erden geschieht, hat seine Ursache in der Abweichung von Allahs Geboten, der Grund dafür ist die Verehrung anderer neben Allah (Schirk) und der Unglaube (Kufr). Das Unheil ist eine Strafe, die Allah verhängt, damit der Mensch seinen Fehler erkennt, wenn er ohne Rechtleitung von Allah neben Ihm andere Dinge verehrt. Wer das Leiden unserer Welt kennt, der erkennt die Notwendigkeit des Menschen für den Islam – und dass die Verehrung anderer neben Allah und die Sünden manch verheerendes Unheil für die Menschen nach sich ziehen und dass damit die Menschen bestraft werden. Zudem verdient der Mensch durch die Verehrung anderer und die Sünden die Strafe Allahs. Die Verbreitung von Schandtaten und Sünden wirkt sich auf ihre Bewohner aus, indem es ihnen schlechter als zuvor geht. Sie sind dann dazu aufgefordert, das Gute zu gebieten und das Verwerfliche zu verbieten, damit Allah dadurch den Schaden von ihnen abwendet, der sie überkam.