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Ist es möglich, dass ein Prophet von der Offenbarung abgelenkt wird? Teil 1

Ist es möglich, dass ein Prophet von der Offenbarung abgelenkt wird? Teil 1

Jemand schrieb: "Es ist ein gefährliches, alarmierendes Phänomen. Es ist die Möglichkeit, dass die Menschen den Propheten von der Offenbarung abbringen und dass er dem Druck der Götzendiener nachgibt." Er stützt sich dabei auf diese Worte: „Beinahe hätten sie dich fürwahr verführt (und) von dem (abgebracht), was Wir dir (als Offenbarung) eingegeben haben, damit du gegen Uns etwas anderes ersinnst, und dann hätten sie dich wahrlich zum Freund genommen. Wenn Wir dich nicht gefestigt hätten, hättest du wohl beinahe bei ihnen ein wenig Stütze gesucht. Dann hätten Wir dich fürwahr ein Mehrfaches (an Strafe) im Leben und ein Mehrfaches (an Strafe) im Tod kosten lassen, und hierauf würdest du für dich keinen Helfer gegen Uns finden.“ (Sûra 17:73-75).

 

Dann erwähnen sie einige in der Qurân-Exegese angeführte Überlieferungen als Beweis für die Authentizität ihrer Thesen. Was sie damit bezwecken wollen, ist die Korrektheit und Vertrauenswürdigkeit der Offenbarung und des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) anzuzweifeln und zu verdeutlichen, dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) nicht in der Lage war, dem Druck der Quraisch standzuhalten. 

 

Um diese Lügen zu widerlegen, muss man den Vers objektiv betrachten und den Kontext berücksichtigen, damit seine eigentliche Bedeutung klar wird. Anhand dieser Betrachtungen erweist sich die Behauptung jener Verleumder als falsch. Dieser Vers wird nämlich in Zusammenhang mit Erzählungen über die Lage der Glaubensverweigerer im Jenseits erwähnt, wie es heißt: „Und wer in diesem (Leben) blind ist, der wird (auch) im Jenseits blind und noch weiter vom Weg abgeirrt sein.“ (Sûra 17:72). Dieser Vers geht unmittelbar dem Vers voraus, um den es hier geht.

 

Somit ergibt sich ein deutlicher Übergang von der Erwähnung dieser Nicht-Muslime im Jenseits zu einigen ihrer Taten im Diesseits, der Vers ist wohl eine Begründung für ihre Strafe als Vergeltung für ihre Blindheit im Jenseits. 

 

Der über jeden Makel Erhabene erwähnt, dass die Glaubensverweigerer zunächst erfolglos versuchten, den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) von seiner Da'wa (einladendem Aufruf zum Islâm) abzuhalten und ihn durch Quälen seiner Gefährten umzustimmen. Als dies missglückte, versuchten sie es mit Diplomatie. Sie versuchten den Propheten nämlich teilweise von seiner Offenbarung „was Wir dir (als Offenbarung) eingegeben haben“, abzubringen, ohne dass der Vers verdeutlicht, was sie den Propheten zu ändern baten oder was sie hinzufügen wollten „damit du gegen Uns etwas anderes ersinnst“. Der allgemeine Zusammenhang weist lediglich darauf hin, dass sie vom Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) forderten, ein Zugeständnis an ihre falschen Götter zu machen. Sie gingen in ihrer Forderung gar so weit, dass sie verlangten, er solle dieses Zugeständnis als von Allâh dem Erhabenen gegeben darstellen. Die Belohnung dafür sollte sein, dass sie sich mit ihm abfinden, ihm keinen Schaden zufügen und sich mit ihm anfreunden „und dann hätten sie dich wahrlich zum Freund genommen“. Doch Allâh bestärkte den Propheten im Glauben: „wenn Wir dich nicht gefestigt hätten“ und wies ihn auf die Gefahr dieses Weges hin und warnte ihn davor: „Dann hätten Wir dich fürwahr ein Mehrfaches (an Strafe) im Leben und ein Mehrfaches (an Strafe) im Tod kosten lassen, und hierauf würdest du für dich keinen Helfer gegen Uns finden.“ 

 

Dieser Vers ist also eine Erklärung an die islâmische Gemeinschaft, dass Allâh Sein Offenbarungsbuch bewahrt. Allâh weist in diesem Vers darauf hin, dass Er durch Seine Gnade den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) bekräftigt und bewahrt hat. Dieser Vers bietet also keinen Anlass, Zweifel an der Offenbarung oder am Propheten zu schüren. Der Vers sagt deutlich, dass diese Gedanken des Propheten sich nicht in Worte oder gar in die Tat umsetzten, sondern wahrscheinlich nur ein gedanklicher Moment war, den Allâh sofort durch göttlichen Beistand unterband. Somit bekräftigte Allâh nur noch Seinen Schutz gegenüber dem Propheten und Seinem Offenbarungsbuch. Der Vers beschreibt also das Gegenteil von dem, was die Verleumder behaupten.

 

Die Offenbarungsanlässe sind als schwach einzustufen, auch wenn sie von Exegeten erwähnt werden. Denn Exegeten erwähnen sowohl bewiesene als auch unsichere Aussagen. Die Exegeten erwähnen unter anderem als Offenbarungsanlass des Verses eine Überlieferung von Sa'îd, dass der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) den Schwarzen Stein häufig berührte, worauf die Quraisch ihn davon abgehalten habe sollen. Sie sagten angeblich: „Wir lassen ihn den Schwarzen Stein erst berühren, wenn er unsere Götter berührt.“ Der Prophet soll sich gedacht haben: Es schadet mir nicht, wenn ich ihre Götter berühre, nachdem sie mich den Schwarzen Stein haben berühren lassen. Und Allâh weiß, dass ich sie (die falschen Götter) hasse. Daraufhin soll Allâh dies verhindert und den Vers offenbart haben: „Beinahe hätten sie dich fürwahr verfuhrt (und) von dem (abgebracht), was Wir dir (als Offenbarung) eingegeben haben, damit du gegen Uns etwas anderes ersinnst“.

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