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Es bedarf einer Religion – Teil 4

Es bedarf einer Religion – Teil 4

Verstand gegen Mutter

Bei Shakespeare und vermutlich auch in anderen Werken der Literatur jener Zeit umschrieb das Wort „mind“ das, was wir heute als Herz definieren. Erst in jüngster Zeit ist der Begriff „mind“ zu dem geworden, was wir heute unter Gehirn (Verstand) verstehen. In Anbetracht der alten Definition schlage ich vor, dass „mind“ ziemlich genau den Ursprung der unerschütterlichen Natur der Liebe einer Mutter beschreibt. Unsere weiblichen Herzen sind durch die Barmherzigkeit Allâhs auf eine Art und Weise programmiert worden, die einzigartig für uns ist, um zu lieben, wie es kein Mann verstehen kann.

Im Buch „Sexuality and Gender“ (Beiträge von den renommierten christlichen Theologen Elizabeth Stuart und Adrian Thatcher) beschäftigt sich eine Mutter mit den Eigenschaften der in Müttern wirkenden Liebe, die sie von allen anderen Formen der Liebe unterscheidet: „Erstens ist die Mutterliebe umfassend, abhängig von der Mutter-Kind-Beziehung, aber unabhängig von den spezifischen Eigenschaften des Kindes. Es gibt eine angeborene Veranlagung der Mutter, sich dem Wohl des Kindes von der Geburt an und für sein ganzes Leben zu widmen, ohne die besonderen Talente oder zukünftigen Leistungen dieses kleinen Menschen zu kennen. Die Mutter ist bereit, das Kind zu lieben, wer auch immer es sein mag. Ihre Wertschätzung für das Kind beruht sowohl auf der Einzigartigkeit des Kindes als auch auf den spezifischen Eigenschaften des Kindes.“

Gepriesen sei derjenige, der in Müttern eine solch unerklärliche Art von Gefühlen gegenüber ihrem Kind geschaffen hat. Während Wissenschaftler versuchen, sich in die Biologie und Psychologie des Ganzen hineinzuarbeiten, sollten wir es als das akzeptieren, was es ist: Ein gottgegebenes Wunder – und eines, das unsere rechtschaffenen Vorfahren äußerst segensreich nutzten. Im Vergleich dazu scheint dieser Urinstinkt in uns aber abgestumpft zu sein.

Bedeutende Mütter der Vergangenheit

Wie wir feststellen ist Mutterliebe angeboren. Aber außergewöhnliche Mutterschaft ist etwas ganz anderes. Zu all den Eigenschaften, die eine Mutter von Natur aus mitbringt, muss sie noch eine weitere hinzufügen, um als wirklich außergewöhnlich zu gelten: Die Erkenntnis, dass ihre Kinder, egal wer sie sind, zukünftige Vertreter des Islâms sind und den Auftrag haben, das Wort Gottes zu übermitteln.

Wenn man in der Geschichte nach Hinweisen sucht, in der Herkunft und den Familienumständen vieler großer Männer, warum sie erfolgreiche Menschen waren, sticht ein Aspekt deutlich hervor: Die bedeutende Rolle der Mutter in der Erziehung solcher berühmten Persönlichkeiten.

Qurân, prophetische Überlieferungen und Geschichte liefern unzählige Beispiele zur Bestätigung dieser Ansicht. Lasst uns einige davon näher betrachten.

1. Mütter im Qurân

Der Qurân gibt zahlreiche Beispiele von Frauen, wobei diese im Allgemeinen nach zwei unterschiedlichen Kriterien eingeteilt werden: Frauen, die ins Paradies aufgenommen werden und deren Beispiel die Gläubigen nacheifern sollen, und Frauen, die in die Hölle kommen und die den Ungläubigen als Warnung vor der Pein dienen. Innerhalb dieser Kategorien verkörpern verschiedene Frauen im Qurân bestimmte Tugenden und Übel: Reinheit und Schamlosigkeit, Bescheidenheit und Arroganz, Gehorsam und schamlose Auflehnung. Im Qurân werden Mutterschaft und Mutterliebe zwar oft angesprochen, aber mit Ausnahme von Eva und Sara werden nur vier archetypische Mütter direkt in einer Weise erwähnt, die für ihre Rolle als gläubige Mütter bedeutsam ist: Ismâ’îls Mutter Hadschar (Hagar), die Mutter von Musa (Moses), die Mutter von Maryam (Maria) und Maryam selbst. Der gemeinsame Nenner in jeder dieser Geschichten ist der unerschütterliche Glaube der Mutter, dass ihr Kind – so wertvoll es für ihr eigenes Herz auch sein mag – nicht ihr, sondern Allâh und Seiner göttlichen Botschaft gehört.

Ismâ’îl und seine Mutter

Die Geschichte von der Auswanderung Hadschars in das Land des ersten Hauses der Anbetung unterstützt, anders als die der Bibel, keine Theorie der Antipathie zwischen rivalisierenden Frauen. Vielmehr wird Ibrâhîm (Abraham) dazu aufgefordert, den Eingottglauben auf der Erde durch seinen eigenen Nachwuchs wiederherzustellen – nicht nur durch seinen ältesten Sohn Ismâ’îl, mit dem er das erste Haus Gottes (die Ka‘ba) wiederaufgebaut hat, sondern maßgeblich auch durch Ismâ’îls Mutter Hadschar. Als „Mutter der Araber“, wie es in einer dem Propheten zugeschriebenen Überlieferung heißt, ist sie viel eher die Matriarchin der letzten und strahlenden Wiedergeburt des Monotheismus im Islâm durch ihren direkten Nachfahren, dem Propheten Muhammad (möge Allâh ihn in Ehren halten und Wohlergehen schenken). Als Abraham dem Gebot seines Herrn folgte und seine Familie in das karge Tal von Bakka (Mekka) in die Nähe des Heiligen Hauses brachte, hatte er deutlich gemacht, dass seine Familie ein unerlässliches Mittel für seine lebenslange Aufgabe ist: Das Gebet für Gott auf eine würdige Weise verrichten, um in diesem zentralen Ort der Menschheit die Saat des Monotheismus für die Zukunft der ganzen Welt zu säen.
 

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