H. F. Fellows (England)

H. F. Fellows (England)
1613 1596

Die meiste Zeit meines Lebens verbrachte ich in der Royal Navy. Dies schließt auch den Kriegsdienst in den beiden Kriegen von 1914 und 1939 ein.

 
Auf See kann man den gewaltigen Kräften der Natur nicht entrinnen, auch nicht mit den starken und wirkungsvollen Maschinen und Apparaten des zwanzigsten Jahrhunderts. Einfache Beispiele dafür sind Nebel und Stürme. In Kriegszeiten bestehen noch zusätzliche Gefahren.
 
Es gibt ein oft benutztes Buch, das heißt: „Königliche Vorschriften und Instruktionen der Admiralität.“ Dieses Buch definiert die Pflichten eines jeden Offiziers und gewöhnlichen Mannes. Es spezifiziert die Belohnung in Form von Beförderungen, Auszeichnungen für gute Führung, regelt die Bezahlung und das Pensionswesen. Detailliert werden die Strafen für die Übertretung der Seedisziplin beschrieben. Es regelt auch alle anderen Lebensbereiche während des Dienstes. Durch das Beachten der in diesem Buch enthaltenen Regeln ist es möglich, dass eine große Zahl der Männer einen glücklichen, effektiven und disziplinierten Dienst verbringen kann.
 
Ohne in irgendeiner Art und Weise respektlos sein zu wollen, möchte ich sagen, dass der Edle Qur‘an ein ähnliches Buch ist, allerdings auf einer unermesslich höheren Ebene. Es sind die Anweisungen des Allmächtigen Gottes für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind auf dieser Erde.
 
In den vergangenen elf Jahren war ich Blumenzüchter. Dies ist eine andere Beschäftigung, welche die direkte Abhängigkeit des Menschen von Gott zeigt. Wenn ich in Übereinstimmung mit Gottes befehlen arbeite, hilft Er mir, und meine Pflanzen gedeihen. Wenn ich seine Gesetze missachte, ist die Belohnung ein Misserfolg bei den Pflanzen. Fachleute erstellen Wetterprognosen, doch nicht selten zeigt es sich, dass diese falsch sind.
 
Ich bin überzeugt, dass der Edle Qurân das Wort Gottes ist, und dass Er den Propheten Muhammad  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken auserwählte, damit er Sein Wort in der Welt verbreite.
 
Der Islâm harmonisiert mit dem Leben in dieser Welt. Er ist einfach und ehrlich, frei von Ausdeutungen, welche nicht geglaubt werden können. Seine Formen des Gebets widerspiegeln wahre Aufrichtigkeit.
 
Gerade weil, wenn man als Christ in einem christlichen Land geboren und aufgezogen wurde, die christliche Tradition einen so fest umschließt, ist eine äußerst starke Überzeugung nötig, um aufzugeben. In diesem Zusammenhang muss ich jedoch klar darauf hinweisen, dass meine Überzeugung aus meinem Innern kam. Obwohl meine Fragen beantwortet wurden, wollte mich nie jemand dazu überreden, Muslim zu werden.
 
Die fundamentalen Glaubensbekenntnisse, sowohl des Islâms als auch des Christentums, sind dieselben. Darum ist eine eingehende Untersuchung nötig.
 
Weil er glaubte, dass in der christlichen Kirche viele heidnischen Riten und Gedanken beibehalten wurden, begann Martin Luther eine Revolte, die zur Reformation führte. Dies wiederum bedeutete die Gründung der protestantischen Kirche.
 
Als England durch das katholische Spanien bedroht wurde und gleichzeitig Zentraleuropa unter der Bedrohung des ottomanischen Reiches stand, setzte Königen Elisabeth I. die Sache des Islâms und des Protestantismus aufgrund ihrer gemeinsamen Ablehnung des Götzendienstes gleich.
 
Martin Luther jedoch scheint folgende Tatsache übersehen oder ignoriert zu haben: Neun Jahrhunderte früher reformierte, reinigte und vervollkommnte der Prophet Muhammad  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken unter göttlicher Führung nicht nur die christliche Religion, sondern auch sämtliche anderen Offenbarungsreligionen.
 
Doch die Reformation entfernte nicht alles heidnische Gedankengut und alle heidnischen Zeremonien aus dem Christentum. Was sie demgegenüber einleitete, war eine Periode der Grausamkeit und Intoleranz, welche zum Teil heute noch andauert.
 
Es ist erwähnenswert, dass zur Zeit, als die spanische Inquisition am teuflischsten war, der Islâm seine Toleranz demonstrierte. Die Türken gaben verfolgten spanischen Juden Asyl.
 
Jesus sagte, dass wir die zehn Gebote, welche Moses auf dem Berg Sinai gegeben wurden, befolgen müssen. Das erste Gebot „Ich bin der Herr dein Gott, und du sollst keine andern Götter neben mir haben“ wird jedoch durch das Dogma der Sühne kompromittiert. Treue zu Jesus Christus wird mehr gepriesen als die Loyalität gegenüber Gott, weil Jesus Christus am Tage der Auferstehung für uns Fürbitte einlegen kann. Die Christen glauben, dass Jesus Christus die Inkarnation Gottes ist. Meine Vorstellung von Gott war jedoch immer die, dass Er selbst vergibt, gnädig und gerecht. Darum kann der Mensch ganz sicher sein, dass er gerecht beurteilt werden wird und dass alle mildernden Umstände berücksichtigt werden.
 
In diesem Leben nimmt man hin, dass man für das eigene Verhalten verantwortlich gemacht wird. Wenn man als Buchhalter die Buchhaltung seines Arbeitgebers fälscht, wird man ins Gefängnis gesteckt. Wenn man mit dem Auto auf einer kurvenreichen und glitschigen Straße zu schnell fährt, wird man einen Unfall mit all seinen Konsequenzen erleiden. Jemand anderen für seine eigenen Fehler zu behaften, gilt als feige. Ich glaube nicht, dass wir als elende Sünder geboren worden sind. Das rührselige Verhalten gegenüber unschuldigen Kindern widerspricht dem. Nach meiner Erfahrung ist es so, das  normale Leute den andern gegenüber anständig sein wollen, außer es handle sich bei den andern um unangenehme Personen. Die Kinder achten die Meinung ihrer Eltern und Lehrer. Erwachsene achten die über ihnen stehende Behörde. Sie wollen ihren Nachbarn helfen. Es gebt jedoch Zeiten, in welchen wir durch meuterische Impulse gefangen werden und einer Person oder einer Sache Schaden zufügen. Die Häufigkeit und der Grad dieser Ausbrüche sind verschieden. Wenn wir dies tun, sündigen wir. Ein anderes Beispiel sind organisierte Spiele. Wenn ein Spieler die Regeln verletzt, wird er vom Schiedsrichter bestraft.
 
Wenn man alle diese Erwägungen berücksichtigt, wird das Dogma der Sühne verwirrend und unbegreiflich.
 
Das zweite Gebot heißt: „Du sollst dir kein Gottesbild machen, keinerlei Abbild, du sollst sie nicht anbeten und ihnen nicht dienen.“ Es gibt jedoch Kirchen und Kathedralen, die mit Bildern übersät sind, vor welchen sich die Leute tatsächlich verbeugen.
 
Ich wunderte mich schon oft, warum das Leben, der Tod und die Auferstehung Jesu Christi zu seiner Zeit keinen unmittelbaren Eindruck auf die Bewohner Palästinas machten, sowohl auf Juden, Römer als auch auf andere. Was die weltliche Geschichte betrifft, scheint das Leben Jesu Christi unbemerkt geblieben zu sein. In der Schule wurde lediglich die Version der Bibel gelehrt. Auch dauerte es mehrere Jahrhunderte, bis sich das Christentum, gegen starken Widerstand, ausbreiten und festigen konnte.
 
Die Geschichte des Propheten Muhammad  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken , der Triumph und die erstaunliche Geschwindigkeit, mit der sich der Islâm ausbreitete, wurde in der Schule gelehrt. Es wurden jedoch keine Hinweise auf die geistige Seite des Islams gegeben.
 
Zwischen 1919 und 1923 diente ich auf Schiffen, welche in türkischen Gewässern kreuzten. Dies regte mein Interesse am Islâm an. Die fundamentale Aussage „Es gibt keinen Gott außer Allâh und Muhammad ist sein Prophet“ erzwingt Beachtung. Ich kaufte Bücher über den Islâm. Die meisten davon waren dem Islâm gegenüber voreingenommen. Das Verhalten der Kalifen während der vergangenen drei Jahrhunderte und die Korruptheit der türkischen Politiker und Beamter warfen ein ungünstiges Licht auf den Islâm. Allmählich ließ ich die Sache wieder fallen. Ich behielt einen tiefen Glauben an Gott, verhielt mich jedoch völlig passiv.
 
Etwa vor einem Jahr begann ich dieser Angelegenheit wieder nachzugehen. Ich schrieb dem muslimischen Hilfsdienst und erhielt Bücher von muslimischen Autoren. Diese Bücher zeigten die westlichen Missverständnisse, Verdrehungen und Lügen über den Islâm auf und erklärten, wie und warum sie entstanden. Sie zeigten, dass der Islâm am Wiedererwachen ist und dass aufbauende Kräfte am Werk sind, um den Islam in seiner ursprünglichen Reinheit wiederherzustellen im Lichte des heutigen Fortschritts und des Standes der Wissenschaft, mit deren Ergebnissen sich der Islâm in vollkommener Harmonie befindet.
 
Kürzlich waren in den Zeitungen Berichte von Philosophen und anderen Autoren zu lesen, welche besagten, dass die gegenwärtigen Religionen altmodisch seien. Dies widerspiegelt die Skepsis der westlichen Massen gegenüber der Kompliziertheit und Doppeldeutigkeit des christlichen Glaubens. Diese „Möchtegern-Reformatoren“ machen wieder die gleichen Fehler, welche schon Martin Luther machte. Der Islâm jedoch, die vollständige Antwort, besteht immer.
 
Es ist paradox, dass sich niemand darum kümmert, wenn ein Christ sich nie in der Nähe einer Kirche blicken lässt. Wenn aber jemand Muslim wird, wird er, milde ausgedrückt, als exzentrisch bezeichnet.
 

Zusammenfassend ist zu sagen: Ich wurde Muslim, weil der Islâm die einzige wahre Religion ist, in der Theorie, in der Praxis und in allen anderen Beziehungen. Zweifel und Befürchtungen wurden weggewischt durch das Gefühl in mir, dass der Islâm zweifellos der richtige Weg sei, Gott zu bitten, uns zu führen. Er wird für ewig der richtige Weg bleiben.

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