Szenen und Bilder von der Hidschra

Szenen und Bilder von der Hidschra
  • Veröffentlicht:04.11.2015
  • Kategorie:Höhepunkte
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"Mir wurde euer Auswanderungsort gezeigt, der viele Palmen hat, so war es Madîna." Das war ein Traumgesicht des Propheten  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken und gleichzeitig ein Rettungsboot aus den Peinigungen der Quraisch und deren Unterdrückung. Mit diesem Rettungsboot gelangten die Muslime an einen sicheren Ort und in eine Heimat der Freiheit, die den Muslimen so lange Zeit gefehlt hatte. So bereiteten sich die Muslime auf die Hidschra nach Madîna vor. Auch die zuvor nach Abessinien ausgewanderten Muslime wanderten nun nach Madîna aus.

 
Die Leute der Quraisch ermöglichten es den Muslimen nicht, Makka leicht zu verlassen, sondern misshandelten, unterdrückten und quälten sie mit den schlimmsten Mitteln und bildeten sich ein, sie könnten so die Massenauswanderung der Muslime verhindern. Die Muslime hatten sich allerdings an die Aufopferung gewöhnt und auch daran, alle Verschwörungen mit Geduld und Standhaftigkeit zu ertragen, egal welche Folgen und Ergebnisse sich davon ergeben könnten. Das zeigen viele nennenswerte Beispiele, über die man tief nachdenken soll:
 
Abû Salama  möge Allah mit ihm zufrieden sein wanderte zum Beispiel zusammen mit seiner Frau und seinem Kind auf dem Wege Allâhs aus. Die Familie seiner Frau lehnte es aber ab, sie und sein Kind mitzugeben. Das ärgerte den Stamm von Abû Salama sehr und sie sagten: "Nein, bei Allâh, wir lassen unser Kind nie bei ihr." Beide Seiten stritten sich um das Kind und zogen es hin und her, bis sich die Schulter des Kindes verrenkte. Sodann nahm es die Familie seines Vaters. Abû Salama setzte seinen Weg bis Madîna alleine fort. So nahm er dieses Problem mit Geduld und Standhaftigkeit auf. Seine Frau war sehr bekümmert über den Verlust ihres Mannes und ihres Kindes. Etwa ein Jahr lang ging sie regelmäßig zu der Stelle, an der sie auseinander gerissen wurden und weinte bis zum Abend. Eines Tages sah sie ein Angehöriger ihres Stammes. Er hatte Mitleid mit ihr und bat bei ihrer Familie um die Erlaubnis sie ziehen zu lassen, damit sie auswandern könne. Als die Familie des Mannes dies erfuhr, gaben sie ihr ihr Kind zurück. So wanderte sie alleine mit ihrem Kind aus. Unterwegs sah sie Uthmân ibn Talha  möge Allah mit ihm zufrieden sein, der sie aufsitzen und reiten ließ, während er sie zu Fuß begleitete, bis sie zu den Außenbezirken von Madîna kamen. Da sagte er zu ihr: "Dein Mann befindet sich in diesem Dorf. So gehe - gesegnet von Allâh - zu ihm!" Dann kehrte er nach Makka zurück.
 
Die Auswanderung von Suhaib Ar-Rûmî  möge Allah mit ihm zufrieden sein ist ein anderes Bild der Hidschra. Es ist ein Bild, in dem sich viele Bedeutungen der Opferung mit der Seele und dem Vermögen für die Sache Allâhs zeigen; nachdem er sich vorgenommen hatte auszuwandern, versuchten die Nicht-Muslime von Quraisch, ihn festzunehmen und aufzuhalten. Als er sie sah, spannte er seinen Bogen und drohte ihnen, sie bis zu seinem letzen Bluttropfen zu bekämpfen. Da sagten sie zu ihm: "Du bist zu uns als armer Kerl gekommen. Nachdem du aber nun viel Vermögen bei uns erworben hast, willst du auswandern und dein Vermögen mitnehmen? Bei Allâh, das wird nicht geschehen!" Da entgegnete er ihnen: "Was meint ihr, wenn ich euch mein Vermögen überlasse, lasst ihr mich dann gehen?" Sie erwiderten: "Ja!" Da wies er ihnen den Ort, an dem er sein Vermögen in Makka versteckt hatte und sie erlaubten ihm, nach Madîna auszuwandern, nachdem er nun alles, was er besaß, für seinen Glauben und seine Da'wa geopfert hatte. Als der Prophet  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken dies erfahren hatte, sagte er: "Ein erfolgreiches Geschäft, o Abû Yahyâ!" Dann rezitierte er den Qurân-Vers: "Unter den Menschen gibt es manchen, der sich selbst im Trachten nach Allâhs Zufriedenheit verkauft. Und Allâh ist den Menschen gnädig." (Sûra 2:207) Überliefert von Al-Hâkim.
 
Zu den bekanntesten Szenen der Hidschra gehört, was Umar ibn Al-Chattâb, Iyâsch ibn Abû Rabî'a und Hischâm ibn Al-Âs ibn Wâil As-Sahmî geschah. Alle drei hatten vereinbart, sich heimlich außerhalb von Makka zu treffen und auszuwandern. Zum vereinbarten Termin kamen Umar ibn Al-Chattâb und Iyâsch ibn Abû Rabî'a, doch Hischâm fehlte, denn die Quraisch konnten ihn festnehmen und quälen, bis er aus dem Islâm austrat. Als Umar und Iyâsch in Madîna angekommen waren, wollten die Quraisch eine List anwenden, um Iyâsch zurückzuholen. Die Leute von Quraisch schickten Abû Dschahl und Al-Hârith ibn Hischâm, die seine Verwandten waren, nach Madîna. Als sie Madîna erreicht hatten, suchten sie ihn, bis sie ihn in Qubâ fanden. Da sagten sie zu ihm: "Deine Mutter hat ein Gelübde geleistet, sich nie wieder zu kämmen oder vor der Sonne zu schützen, bis sie dich sieht." Es fiel Iyâsch sehr schwer, ein Grund für die Qualen seiner Mutter zu sein. Umar ibn Al-Chattâb begriff aber sofort, dass es nur eine List war und sagte zu ihm: "Diese Leute wollen dich nur von deinem Glauben abhalten. So sei vorsichtig. Bei Allâh, hätten die Läuse deiner Mutter geschadet, so hätte sie sich gekämmt, und wäre es ihr in Makka zu heiß gewesen, so hätte sie sich in den Schatten gesetzt." Iyâsch meinte aber: "Ich erfülle den Eid meiner Mutter und hole gleichzeitig mein Geld aus Mekka." Da sagte ihm Umar: "Bei Allâh, du weißt, ich bin einer der Wohlhabendsten der Quraisch. So bleibe hier und ich gebe dir die Hälfte meines Geldes!" Er beharrte aber auf der Rückkehr. Da hatte Umar keine andere Möglichkeit, außer ihm sein Kamel zu geben, damit er fliehen könne, wenn es nötig wäre. Bei der Rückkehr bat Abû Dschahl Iyâsch darum, ihn dessen Kamel reiten zu lassen. Als Iyâsch nun aber von seinem Kamel stieg, fesselten ihn die beiden und brachten ihn nach Makka. Sie quälten ihn, bis er von seiner Religion abließ.
 
Als die Muslime dies erfuhren, waren sie traurig und dachten, Allâh werde von diesem Mann und seinesgleichen keine Reue annehmen, da sie das Leugnen des Islâm begannen, nachdem sie Allâh und seinen Gesandten anerkannt und an sie geglaubt hatten. Da sandte Allâh seinetwegen die Verse: "Sprich: O Meine Diener, die ihr gegen euch selbst maßlos gewesen seid, verliert nicht die Hoffnung auf Allâhs Barmherzigkeit! Gewiss, Allâh vergibt die Sünden alle. Er ist ja der Allvergebende, der Allbarmherzige. Und wendet euch eurem Herrn reuig zu und seid Ihm ergeben, bevor die Strafe über euch kommt, worauf euch keine Hilfe zuteil werden wird. Und folgt dem Besten von dem, was zu euch von eurem Herrn herabgesandt worden ist, bevor die Strafe plötzlich über euch kommt, ohne dass ihr es merkt." (Sûre 39/53-55)
 
Da ließ Umar ibn Al-Chattâb  möge Allah mit ihm zufrieden sein Hischâm ibn Al-Âs diese auf einem Lederstück geschriebene frohe Botschaft mit der Annahme seiner Reue bringen. Als Hischâm den Inhalt las, verstand er ihn anfangs nicht, aber er bat Allâh, ihm das Verständnis einzugeben. Da verstand er mit Allâhs Hilfe, dass die Verse ihn und seinesgleichen betreffen, dann kehrte er reuig nach Madîna zurück. Ihm folgte danach Iyâsch, nachdem er später von den Quraisch fliehen konnte.
 
Dies sind rührende Beispiele und harte Prüfungen, die die Muslime erlebten, um ihre religiöse Freiheit zu erlangen und sich aus der Unterdrückung der Quraisch zu befreien. Diese Aufopferungen waren ein erster Schritt zur Gründung des islâmischen Staates und einer sicheren Gesellschaft.
 

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