Zaid Al-Chair – Teil 1

Zaid Al-Chair – Teil 1
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Die Menschen bestehen aus grundlegenden Eigenschaften. Die Besten in der Dschâhiliyya [vorislâmische Zeit der Ignoranz] sind die Besten im Islâm- gemäß eines Hadîthes des Propheten. In diesem Artikel zeigen wir zwei Bilder eines edlen Prophetengefährten; eines aus dessen Leben in der Dschâhiliyya und das andere, nachdem er Muslim geworden war. In der Dschâhiliyya war dieser Gefährte als Zaid Al-Chail bekannt. Als er Muslim geworden war, nannte ihn der Prophet Zaid Al-Chair.

 
Der Stamm der Âmir wurde ein Jahr lang von starker Trockenheit befallen, die Feldfrüchte und Vegetation zerstörte und verursachte, dass das Vieh starb. Es war so schlimm, dass ein Mann mit seiner Familie den Stamm verließ und nach Hîra zog. Dort verließ er seine Familie mit den Worten: „Wartet hier auf mich, bis ich zu euch zurückkehre!“ Er schwor, nicht zu ihnen zurückzukehren, bis er ein bisschen Geld für sie verdient hätte oder dabei gestorben wäre. Der Mann nahm ein wenig Versorgung mit und lief den ganzen Tag auf der Suche nach etwas für seine Familie. Als es dämmerte, befand er sich vor einem Zelt. In der Nähe war ein Pferd angebunden und er dachte sich: „Dies ist die erste Beute.“ Er ging zu dem Pferd, band es los und war im Begriff aufzusteigen, als eine Stimme zu ihm rief: „Lass es und nimm dein Leben als Beute.“ Er verließ das Pferd hastig. Er lief sieben Tage lang, bis er einen Ort erreichte, an dem es eine Weide für Kamele gab. In der Nähe war ein großes Zelt mit einer Lederkuppel, ein Zeichen großen Reichtums und Besitzes. Der Mann dachte sich: „Zweifellos hat diese Weide Kamele und zweifellos hat dieses Zelt Bewohner.“
 
Es war kurz vor Sonnenuntergang. Der Mann schaute in das Zelt und sah einen alten Mann in der Mitte. Er setzte sich hinter den alten Mann, ohne dass dieser seine Anwesenheit bemerkt hätte. Kurz danach ging die Sonne unter. Ein beeindruckender und gut gebauter Reiter näherte sich. Er ritt sein Reittier aufrecht und großgewachsen. Zwei Bedienstete begleiteten ihn. Einer zu seiner Rechten und der andere zu seiner Linken. Er hatte fast hundert Kamelstuten bei sich und vor ihnen befand sich ein großer Kamelhengst. Es war deutlich, dass er ein wohlhabender Mann war. Zu einem der Bediensteten sagte er, während er auf ein dickes Kamel zeigte: „Melke dieses und gib dem alten Mann zu trinken!“ Der Scheich trank ein oder zwei Mundvoll aus dem vollen Gefäß, das ihm gebracht worden war, und ließ es dann stehen. Der Wanderer ging heimlich hin und trank all die verbliebene Milch. Der Bedienstete kam zurück, nahm das Gefäß und sagte: „Herr, er hat es ausgetrunken!“ Der Reiter war glücklich und befahl, dass ein anderes Kamel gemelkt werden sollte. Der alte Mann trank nur einen Mundvoll und der Wanderer trank alles, was übrig geblieben war, um nicht den Verdacht des Reiters zu erwecken. Der Reiter befahl dann seinem zweiten Bediensteten, ein Schaf zu schlachten. Ein Teil davon wurde gegrillt und der Reiter gab dem Scheich zu essen, bis er gesättigt war. Dann aßen er und die zwei Bediensteten. Danach schliefen sie alle tief. Ihr Schnarchen erfüllte das Zelt.
 
Der Wanderer ging dann zum Kamelhengst, band ihn los und bestieg ihn. Er ritt los und die Kamelstuten folgten. Er ritt die ganze Nacht. Bei Tagesanbruch schaute er sich in alle Richtungen um, sah jedoch niemanden, der ihn verfolgte. Er ritt weiter, bis die Sonne hoch am Himmel stand. Er blickte um sich und sah plötzlich einen großen Vogel aus der Ferne auf ihn zukommen. Es holte ihn schnell ein und schon bald sah er, dass es der Reiter auf seinem Pferd war. Der Wanderer stieg ab und band den Kamelhengst fest. Er nahm einen Pfeil heraus und legte ihn an seinen Bogen und stand vor den anderen Kamelen. Der Reiter hielt in gewissem Abstand und rief: „Binde das Kamel los!“ Der Mann weigerte sich und erzählte, wie er eine hungrige Familie in Hîra zurückgelassen und geschworen habe nicht zurückzukehren, außer mit Geld oder dabei zu sterben. „Du bist tot, wenn du das Kamel nicht losbindest!“, sagte der Reiter. Der Wanderer weigerte sich nochmals. Der Reiter bedrohte ihn erneut und sagte: „Streck die Zügel des Kamels aus! Sie haben drei Knoten. Sag mir, in welchen ich meinen Pfeil schießen soll!“ Der Mann zeigte auf den mittleren Knoten und der Reiter schoss einen Pfeil genau in die Mitte, als hätte er ihn mit seiner Hand hineingesteckt. Er tat das gleiche mit dem zweiten und dem dritten Knoten. Daraufhin steckte der Mann niedergeschlagen seinen Pfeil zurück in seinen Köcher und gab auf. Der Reiter nahm ihm sein Schwert und seinen Bogen ab und sagte zu ihm: „Reite hinter mir!“ Der Mann erwartete, dass ihn jetzt das schlimmste Schicksal treffe.
 
Er befand sich in vollständiger Gewalt des Reiters, der sagte: „Denkst du, ich werde dir Schaden zufügen, wo du doch letzte Nacht mit Muhalhil [sein Vater, der alte Mann] dessen Trinken und Essen geteilt hast?“ Als er den Name Muhalhil hörte, wunderte er sich und fragte: „Bist du Zaid Al-Chail?“ „Ja!“, sagte der Reiter. „Sei der beste Geiselnehmer!“, bat der Mann. „Mach dir keine Sorgen!“, antwortete Zaid Al-Chail ruhig. „Wenn diese Kamele mir gehörten, würde ich sie dir geben. Doch sie gehören einer meiner Schwestern. Bleib jedoch ein paar Tage bei mir! Ich werde bald einen Raubzug unternehmen.“ Drei Tage später kämpfte er gegen Banû Numair und erbeutete ungefähr einhundert Kamele. Er gab sie alle dem Mann und schickte ein paar Männer mit ihm als Beschützer, bis er seine Familie in Hîra erreichte. Der vorstehende Text ist eine Geschichte von Zaid Al-Chail, wie dieser in der Dschâhiliyya war, erzählt vom Historiker As-Schaibânî. Die Biografien vermitteln ein weiteres Bild von Zaid Al-Chail, wie er im Islâm war.
 

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