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Die Geschichte meines Haddsch - Teil 2

Die Geschichte meines Haddsch - Teil 2

Der arme Muhammad sah erschöpft aus. „Schatz, warum gehst du nicht einfach schlafen? Du siehst wirklich müde aus,“ sagte ich. Ich glaube nicht, dass ich ihm das sagen musste, aber nachdem er all unsere Steinchen in unsere kleinen Stoffbeutel gesteckt hatte, schob er seinen Rucksack unter seinen Kopf und legte sich hin. Natürlich erwartete ich nicht, dass es regnen würde, geschweige denn, dass es windig sein würde an diesem Abend, weil keine andere Nacht so war. Aber es war etwas Besonderes, dass es am Arafat regnen würde. Es war einfach Teil unseres Schicksals, und ein großer Test für mich. Ich hatte kein Kissen, aber ich hatte einen Teppich, der zum Beten benutzt wurde. Von all den Tagen und Nächten des Haddsch, dem Steine-Werfen, Tawâf etc. waren diese vier Stunden in Muzdalifa wahrscheinlich die längsten für mich. Ich legte mich hin und legte meinen Kopf auf meinen Arm. Ich bin wirklich unvorbereitet gekommen – ich wusste einfach nicht, was ich zu erwarten hatte.

Zufrieden mit dem Gedanken die nächsten vier Stunden zu schlafen, platzierte ich meinen Gebetsteppich über den unteren Teil meines Körpers und versuchte zu schlafen. Ich setzte mich auf. „So geht es nicht,“ sagte ich mir. Der obere Teil meines Körpers war dem Wind ausgesetzt. Indem ich mich wieder hinlegte, versuchte ich den Teppich ganz sanft (als würde er dadurch länger werden) über den oberen Teil meines Körpers zu ziehen. Nach ungefähr 30 Sekunden waren meine Füße und Beine kalt. Ich richtete mich schnell auf, schaute um mich herum und bemerkte, dass alle anderen gemütlich zu schlafen schienen oder leise redeten oder sich nur Erinnerungen hingaben und Allâhs gedachten.
Meine Umra und mein Haddsch waren bis zu diesem Punkt sehr bequem gewesen – außer diese vier Stunden draußen in der Kälte. Als ich mir bewusst wurde, wie lächerlich ich mich anstellte, erinnerte ich mich an die Geschichte des Gefährten des Propheten  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken , der bis zu seinem Tod so arm war, dass er mit einem Stück Stoff bedeckt werden musste, dass nicht groß genug war um seinen ganzen Körper zu bedecken.
Ich dachte bei mir selbst: „Denke daran, du solltest zu denen schauen, die weniger haben als du, damit du dankbar sein kannst!“ Als ich Muslimin geworden war, war dies am Anfang schwierig für mich, aber als ich immer mehr ein Verständnis für das islâmische Konzept des Schicksal (das heißt der Vorherbestimmung Allâhs) entwickelte, lernte ich dankbar zu sein, und die Prüfungen so zu nehmen wie sie kamen. Natürlich passierte dies nicht über Nacht, aber über den Zeitraum von 13 Jahren lernte ich alles in einer Perspektive zu lassen und fühlte ein überwältigendes Gefühl des Friedens mit meinem Schöpfer.
Die Annehmlichkeiten des Heims schienen so weit entfernt, aber nachdem ich mich beruhigt und Allâhs Hilfe erbeten hatte, legte ich mich wieder hin. Während ich dem Schlaf verfiel, passierte etwas Erstaunliches um mich herum. Es schien, als hätten wir unsere Haddschi-Matten auf die „Hauptladung“ der Steine gelegt. Die Leute umkreisten unsere Matte aus allen Richtungen in der Suche nach ihren Steinchen. Sie waren nicht unhöflich; sie sammelten einfach ihre Steinchen, wo sie zu sein schienen – unter Muhammad und mir. Aber der interessanteste Teil war, dass so viele Sprachen unsere Matten umkreisten. Von Indonesisch, Türkisch, Persisch, Arabisch, Urdu und vielen anderen Sprachen, die ich nicht identifizieren konnte. Nichtsdestoweniger schienen sie alle zufrieden und glücklich zu sein.
Als ich langsam begann einzuschlafen, begannen die Stimmen sich zu vermischen. Und mit dem Komfort dieser Mischung schlief ich - gut, zumindest bis der Wind meine Gebetsmatte wegblies. Egal wie sehr ich versuchte sie an ihrem Platz zu lassen, flog sie einfach weg. Dann erinnerte ich mich, dass es im Rucksack, den Muhammad benutzte, ein weißes Laken gab. Zitternd vor Kälte, starrte ich mit hungrigen Augen auf den Rucksack. Als ich näher zu Muhammad rückte, konnte ich ihn tief atmen hören. Es war so ein friedvoller Schlaf, und ich war erstaunt, dass er tatsächlich inmitten all dieser Geräusche schlafen konnte. Ich wollte ihn aufwecken, aber ich dachte an den Hadith „Der Allbarmherzige zeigt Barmherzigkeit denen, die Anderen Barmherzigkeit zeigen.“ (Abû Dâwûd, At-Tirmidhî, von Al-Albânî als authentisch eingestuft)
Ich starrte für eine Weile Muhammad an - in der Tat für ungefähr zehn Minuten, aber es schien wie Stunden. Ich rückte etwas näher und seine Augen öffneten sich plötzlich: „Was - was!“ Ich sprang zurück, wegen der plötzlichen Bewegung, und dann richteten sich meine Augen auf den königsblauen Rucksack, auf dem er ruhte. „Ach - nun, eigentlich bräuchte ich das weiße Laken im Rucksack.“ Er hob seinen Kopf, damit ich es herausholen konnte. Ich nahm schnell das Laken heraus und bot ihm den entleerten Rucksack als Zeichen meiner Würdigung an. Er schaute darauf, zuckte mit den Achseln und schob ihn wieder unter seinen Kopf.
Ich nahm das Laken, das Ecken mit Gummibändern hatte, und wickelte es um den unstabilen Gebetsteppich, um ihn zu befestigen. Wegen des Gummibandes reichte es gut über meine Füße und Schultern. Ich stieß einen Hauch der Erleichterung aus und dankte Allâh für alle Seine Segnungen für mich. Ich fühlte, wie der Wind blies, aber erstaunlicherweise schaffte das kleine Laken es, und ich konnte in einen tiefen Schlaf fallen.
Das Nächste, was ich wusste, war, dass Muhammad mir leicht auf die Schulter klopfte: „Du schnarchst.“ Ich öffnete meine Augen weit genug, um seine Anwesenheit wahrzunehmen, drehte mich um und begann einzuschlafen. Dann bemerkte ich ein warmes Gefühl auf meinem Arm. Ich versuchte es leichtfertig abzutun, aber als der Wind blies, sandte dies ein Kältegefühl durch meinen Arm. Weil ich es nicht ignorieren konnte, setzte ich mich auf, nur um eine halbausgetrunkene Packung Milch unter mir zu finden. Während ich mich drehte, drückte ich den Rest der weißen Flüssigkeit über meine rechte Seite und auch auf meine Haddsch Matte. Was soll man machen? Ich nahm mein weißes Laken und begann mich selbst und die Matte zu trocknen, aber es schien nicht wirklich etwas aufzusaugen. Ich dachte darüber nach, wie Menschen wirklich krank werden, wenn ihnen kalt ist und sie nass sind, aber zu dem Zeitpunkt wollte ich einfach nur schlafen.
Als ich umherblickte, sah ich, dass die meisten Pilger gut schliefen. Ich wusste, ich hatte nur ein paar Alternativen: Bleib sitzen und erlaube dem Wind über den Großteil deines Körpers zu blasen oder leg dich auf die Milch und drehe den nassen Teil des Lakens näher zu deinen Füßen! Ich dachte mir, dass die zweite Wahl die logischere war. Denn den Rest des Abends zu schlafen schien die beste Wahl. Es war kalt, aber mit einigen kurzen Bittgebeten fand ich mich wieder im Schlaf, bis zum nächsten Zug - dem Bewerfen der Steinsäulen.
Die Bilder von Hunderten von Tausenden von Menschen, die sich um eine Säule sammelten, Steinchen warfen, hören nie auf mich zu verblüffen. Selbst auf Fotos kann man die Energie der Menschen fühlen. Ich weiß, dass wir (Frauen und Älteren) im letzten Teil der Nacht losziehen könnten, was in der Tat ungefähr vier Uhr war, aber die meisten Menschen brachen um Mitternacht auf. Muhammad weckte mich auf und sagte mir, dass es Zeit war in den Bus einzusteigen (für die Frauen und Kinder.) Ein Ruck ging durch meinen Körper, das ist es, wir werden tatsächlich bei den Steinsäulen Steinchen werfen. Es war eine unserer Pflichten des Haddsch, eine Art der Anbetungshandlungen. Und bei jedem Steinchen, das wir werfen, sagen wir „Allâhu Akbar“. Ich wusste, dass dieser Tag ein aufregender werden würde.

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