Der Haddsch aus einer emotionalen Sicht - Teil 1

Der Haddsch aus einer emotionalen Sicht - Teil 1
  • Veröffentlicht:21.11.2011
  • Kategorie:Erkenntnisse
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Allâh der Erhabene sagt im ehrwürdigen Qurân: „Und zu nichts habe Ich die Dschinn und die Menschen erschaffen, außer dass sie Mir anbetend dienen.“ (Sûra 51:56). Daraus erkennen wir, dass die Gefühlsbetontheit des anbetenden Dienens Allâh gegenüber in die menschliche Seele auf eine natürliche Weise gelegt wurde. Der Mensch muss Allâh anbetend dienen, nicht nur ob des Beachtens des Tatbestandes, sondern auch, weil seine natürliche Veranlagung von ihm das verlangt, denn das anbetende Dienen Allâh gegenüber gehört zur echten menschlichen Natur. Dies ist der Grund dafür, dass es nichts gibt, das dem Menschen die tatsächliche Ruhe und Stille gewährt, wie es das anbetende Dienen Allâh gegenüber tut. Der Erhabene sagt: „Finden denn nicht im Gedenken Allâhs die Herzen Ruhe?!“ (Sûra 13:28).
 
 
Genauso wie ein Kind auf eine natürliche Weise auf seine Mutter zurückgreift, erfordert die Natur des Menschen, dass er auf seinen Herrn zurückgreift. Ein Mensch kann seine innere Persönlichkeit nicht ändern. Er kann auch nicht den Gedanken Allâhs aus seinem Herzen und seinem Gehirn vertreiben. 


 

Bekenntnis zeitgenössischer Anthropologie:
 
Die zeitgenösssiche Anthropologie stellte diese Tatsache auf eine wissenschaftliche Weise fest. Die Experten der modernen Soziologie untersuchten die menschliche Gesellschaft gründlich. Zu den wichtigsten Fakten, die sich nach dem Untersuchen menschlicher Gesellschaften seit vergangenen Zeiten bis heute zeigen, gehört, dass der Mensch trotz aller Entwicklungen und Änderungen, denen er ausgesetzt war, noch an Allâh glaubt. Denn der Glaube an Allâh und die Religion stellen einen Teil dar, der sich nicht von der menschlichen Naturveranlagung trennt. Nachstehend zitieren wir einen Absatz aus der amerikanischen Enzyklopädie.


 

Forschungen zeitgenössischer Anthropologie:
„Der Mensch glaubte in verschiedenen Stufen an die Religion seit dem Beginn der menschlichen Historie. Er glaubte immer an einen Gott oder an mehrere Götter, um Schutz zu erbitten. Diese Götter waren manchmal aus Holz oder aus Stein hergestellt und hatten manchmal die Form von Tieren, Kriechtieren oder schrecklichen Tieren, die sich um das Saugen des Blutes derjenigen bemühten, denen sie anbetend dienten. Der Mensch diente diesen Göttern anbetend, wie auch immer sie waren. Denn die das anbetende Dienen gegenüber einer übernatürlichen Macht vertretende Religion stellt einen Teil dar, der sich nicht vom Gewebe der menschlichen Natur trennt.“

 
In Wirklichkeit besteht das Fühlen Allâhs in einer natürlichen Weise in der menschlichen Naturveranlagung. Es ist jedoch ein allgemeines Gefühl. Wenn der Mensch zum wahren Gott nicht rechtgeleitet wird, wendet er sich dem anbetenden Dienen gegenüber den Göttern zu, die seine Wahngedanken erzeugen. Die menschliche Naturveranlagung wird eine Stelle für dieses überströmende Gefühl im anbetenden Dienen gegenüber Allâh dem Einen, Der keinen Teilhaber hat, finden, wenn ihr die Rechtleitung zu einer Botschaft eines der Propheten Allâhs erleichtert wird. Wenn sie jedoch die Rechtleitung des Propheten nicht erlangt hat, wird sie unechten Göttern ob des Milderns dieses Gefühls in künstlicher Weise anbetend dienen.

 
Das ursprüngliche Ziel des Menschen ist nichts weiter als ein einziges Ziel, nämlich sein Schöpfer und Herrscher. Dieses ursprüngliche Ziel ist ein tiefgründiger Teil der Naturveranlagung eines Menschen. Wenn ein Mensch auf seine Veranlagung hört, wird er zu Allâh rechtgeleitet werden, indem er Ihn bei den Impulsen seines Herzens fühlen wird. Diese Naturveranlagung stellt nämlich „das Unbewusste“ eines Menschen dar. Und der Gesandte überträgt den Menschen aus diesem Unbewussten auf die Ebene des „Bewussten“.


 

Der Mensch ist indes ein Geschöpf bestimmter Art. Ihm genügt also nicht das übersinnliche Wissen. Vielmehr will er Allâh auch in konkreter Weise entdecken, indem er Allâh konkret kennen lernt. Das Hindernis hier besteht darin, dass der Mensch Allâh in tatsächlicher konkreter Weise vor dem Jenseits nicht kennen lernen kann.

 
Es besteht kein Zweifel daran, dass der Gläubige seinen Herrn im Jenseits sehen wird. Im Qurân steht: „Gesichter sind an jenem Tag strahlend, zu ihrem Herrn blickend.“ (Sûra 75:22-23). In einem Hadîth wurde diese Bedeutung überliefert, wobei dieser Hadîth in ununterbrochener Folge überliefert wurde. In einer Überlieferung bei der Sammlung authentischer Hadîthe von Al-Buchârî heißt es: „Mit Sicherheit werdet ihr euren Herrn deutlich sehen.“ In beiden Sammlungen authentischer Hadîthe von Al-Buchârî und Muslim berichtete Dscharîr: „Der Gesandte Allâhs  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken blickte den Vollmond in der Nacht an und sagte: „Mit Sicherheit werdet ihr euren Herrn so deutlich sehen, wie ihr diesen Mond seht!“

 
Die Riten Allâhs:
Zu den religiösen Fakten gehört, dass der Mensch seinen Herrn im Jenseits tatsächlich sehen wird. Wenn der Mensch aber an das Sehen Allâhs allein im Jenseits glaubt, sehnt er sich danach seinen Herrn zu finden und sich Ihm sogar im Diesseits anzunähern. Und dies ist die menschliche Naturveranlagung. Die Frage lautet hier: Wie kann man diesen menschlichen Wunsch in diesem Diesseits erfüllen?
 
Allâh der Erhabene gibt eine Antwort auf diese Frage in der Sûra „Riten Allâhs“, indem Er sagt: „Wahrhaftig! As-Safâ und Al-Marwa gehören zu den Riten Allâhs. Wer also den Haddsch zum Hause oder die Umra durchführt, so liegt keine Sünde auf ihm, wenn er zwischen beiden den Lauf vollzieht. Und wer freiwillig zusätzlich Gutes tut, so ist Allâh wahrhaftig alldankbar, allwissend.“ (Sûra 2:158). Allâh macht einige Dinge ob deren historischen Wichtigkeit zu einem „Ritus“, also ein Hinweis auf Allâh. Für diese Zeichen schafft Allâh der Erhabene eine bestimmte Atmosphäre, sodass ihr Anblicken als das Anblicken höherer Fakten gilt, die der Mensch nicht in direkter Weise in dieser Welt finden kann. Denn der Mensch kann nicht Allâh in diesem Diesseits finden. Jedoch kann er die Riten Allâhs sehen. Der Mensch kann nicht Allâh in diesem Diesseits finden, sodass er Ihn wahrnimmt oder Seine Nähe fühlt. Er kann indes die Riten Allâhs wahrnehmen. So erlangt er den konkreten Versuch göttlicher Annäherung.


 

Das arabische Wort Scha'îra (Ritus) mit dem Plural Scha'âir (Riten) dient nur als ein Zeichen oder eine Erinnerung. Sie sind also nicht an sich gemeint. Vielmehr erinnern sie uns an die Hauptsache, und zwar auf Grund bestimmter Beziehung. Als Beispiel für diese Riten sind die beiden Hügel von Safâ und Marwa, über die der Qurân sagt: „Wahrhaftig! As-Safâ und Al-Marwa gehören zu den Riten Allâhs ...“ (Sûra 2:158).


 

Bei Safâ und Marwa handelt es sich um zwei Hügel, die in der Nähe der Harâm-Moschee liegen, wobei die Distanz, die beide voneinander trennt, sich auf etwa 450 Meter beläuft. In dieser Gegend gab es weder Bewohner noch Wasser, als Abraham  Frieden sei auf ihm seine Frau Hâdschar und seinen Säugling Ismâ'îl wohnen ließ. Als das bei Hâdschar befindliche Wasser zu Ende gegangen war, lief sie zwischen diesen beiden Hügeln siebenmal, um Wasser zu suchen. Heutzutage laufen die Haddschis siebenmal zwischen diesen beiden Hügeln als Verewigung dieses Sa'î (Lauf zwischen den beiden Hügeln Safâ und Marwa).


 

Allâh der Erhabene liebte dieses Ereignis. So macht Er Safâ und Marwa zu zwei Seiner Riten, das heißt, beide sind zwei tatsächliche Erinnerungen an das anbetende Dienen Allâh gegenüber. Durch das Sehen von Safâ und Marwa erinnern wir uns an eine vollkommene Geschichte, als einer der anbetend Dienenden Allâhs aus seiner reichen Heimat, dem Irak, auswanderte und seine Frau und seinen Sohn in einer unfruchtbaren Gegend wohnen ließ, und zwar im Trachten nach der Zufriedenheit Allâhs. Dabei handelt es sich um ein Beispiel für das vollkommene Verlassen auf Allâh und das Vertrauen zu Ihm.


 

Das Gleiche gilt für die Ka'ba, den Schwarzen Stein und andere Haddsch-Orte. Alle gehören zu den Riten Allâhs und sind Zeichen für das Leben der reinen Anbetung, die der an das Eins-Sein Allâhs glaubende Prophet Abraham  Frieden sei auf ihm erlebte. So erinnern wir uns durch das Sehen dieser Riten an das monotheistische Leben Abrahams. Die Erhabenheit Allâhs und dessen Majestät verkörpern sich für denjenigen, der auf diese Riten blickt. In der Umgebung dieser Riten fühlt der Mensch, als ob er sich in der Umgebung Allâhs befindet.
 
Zu den Auswirkungen des Berührens des Schwarzen Steins gehört die Wachsamkeit geistiger Gefühle in der Seele des Menschen, damit diese erzeugten Gefühle in der Brust innere Ruhe finden und damit der Mensch durch die innere Ruhe dieser Gefühle das Berühren des Schwarzen Steins erlangt.

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