Meine Pilgerfahrt nach Makka

  • Veröffentlicht:28.11.2011
  • Kategorie:Erkenntnisse
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Ich bin ein Muslim. Ich verehre den gleichen Gott wie meine christliche Mutter und mein jüdischer Vater. Allâh ist der arabische Name für den Gott Abrahams, Mose und Jesu (Ibrâhîm, Mûsâ und Îsâ). Das Fehlen von Priestern und Rabbis finde ich besonders faszinierend. Islâm ist die Bestätigung des Eins-Seins Gottes und die Hingabe an Ihn. Als Muslim ist mir die Tatsache gewahr, dass Gott mir näher ist als meine Halsschlagader.
 
Jedes Jahr kommen zur Haddsch-Zeit Millionen von Gläubigen nach Makka. Männer tragen den Ihrâm (zwei lange weiße Baumwolltücher) und Frauen einfache Kleider. Diese Form der Bekleidung ist ein Symbol. Der Mensch, der sich diese Kleidung überstreift, erklärt sich damit bereit, weder Tier und Pflanze noch den Weggefährten auf der Pilgerreise zu schaden. Gewalt und Diskussionen sind verboten. Wir willigen ein, den Frieden zu bewahren. Diese besondere Bekleidung sorgt auch dafür, dass sich die Menschen dadurch nicht unterscheiden. Kann uns jemand bei ihrem Anblick sagen, wer von ihnen reich oder arm ist?
 
Millionen von Menschen kommen in Makka an
 
In Makka treffe ich Menschen aus aller Herren Länder. Der einladende Aufruf zur Bestätigung des Eins-Seins Gottes hat sie zusammengebracht. Wir haben den Alltag weit hinter uns gelassen und uns an einem Ort zusammengefunden, der kaum von dieser Welt ist. Um die Heiligkeit zu bewahren und die Pilger zu beschützen, ist das Territorium um Makka herum allen Menschen außer den Muslimen verwehrt. Makka liegt verborgen zwischen den Bergen Saudi Arabiens, mehr als fünfzig Kilometer vom Roten Meer entfernt. Sie ist eine moderne Stadt mit 1,2 Millionen Einwohnern.
 
Ein Spaziergang um den Block herum ist wie eine Reise um die ganze Welt. Ich verlasse das Haus und fünfzehn Meter weiter weg befinde ich mich bereits in Indonesien. Entlang der Straße, nachdem ich einige Geschäfte passiert habe, bin ich bereits in Afrika. Pakistan ist um die Ecke und danach bin ich schon in Bangladesch. Die große Mehrheit der 1,4 Milliarden Muslime – das sind etwa 80 % – lebt außerhalb des Nahen Ostens. Fünf Millionen Muslime leben in den Vereinigten Staaten von Amerika.
 
Muslime erfüllen ihre Pflichten
 
Die Pflichten der Haddsch sind ein Symbol für die Geschichte und Gebote des Islâms. Vor dem Gebet reinigen sich die Muslime. Diese Waschung stellt die rituelle Reinheit dar. Die Umrundung der Ka’ba ist ein Ausdruck unseres Wunsches, Gott in den Mittelpunkt unseres Lebens zu rücken. Die Pilger reisen auch nach Mina und zur Arafât-Ebene, die zwanzig Kilometer von Makka entfernt liegt. Wir schlagen uns zu Fuß durch, tauschen dabei Straßen und Häuser für Zelte und Teppiche ein. Ringsherum eine unfruchtbare Ebene. Wir mittendrin, ohne unseren gewohnten Lebenskomfort, mit einer Rückbesinnung auf das Wesentliche.
 
In der Arafât-Ebene verrichten wir das zentrale Gebot der Pilgerfahrt, indem wir uns hier vom Mittag bis zum Sonnenuntergang aufhalten. Dabei gibt es keinen bestimmten Ritus, der einzuhalten wäre. Wir ziehen umher, beten und meditieren. Der Haddsch geht in unsere Herzen und in unsere Gedanken ein. Er ist eine Art Generalprobe für den Tag des Jüngsten Gerichts. Wie werden wir wohl für unsere Taten Rechenschaft ablegen? Habe ich irgendjemanden verletzt? War ich dankbar für die kleinen Geschenke des Lebens? Dankbar für Wasser, Nahrung, Freunde, Familie und für die Luft, die ich atme?
 
Bevor wir Makka verlassen, besuchen wir die Ka’ba ein letztes Mal. Für die meisten von uns wird dies der letzte Blick auf diese heilige Stätte sein. Es gibt ein altes Sprichwort, das besagt: „Bevor du die Stadt Makka besuchst, winkt sie dir zu. Lässt du sie zurück, ruft sie nach dir auf ewig.“

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