Das rituelle Gebet - Teil 6

Das rituelle Gebet - Teil 6
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Die Bedeutung der Îd- (Fest-)Gebete


Îd bedeutet wiederkehrende Freude oder Festlichkeit. Das Îd-Gebet ist für alle Muslime sehr wichtig. Es umfasst die bereits erläuterten Vorzüge der täglichen Gebete, die Wirkung der wöchentlichen Versammlungen (Dschumu'a), und die Eigenschaften der jährlichen Treffen der Muslime. Es gibt zwei Îds. Das erste heißt Îd Al-Fitr (Fest des Fastenbrechens). Es fällt auf den ersten Tag des Monats Schawwâl, des zehnten Monats im muslimischen Kalender, im Anschluss an den Monat Ramadan, in dem der Qurân offenbart wurde und in dem das Pflichtfasten durchgeführt wird. Das zweite heißt Îd Al-Adhâ (Opferfest). Es fällt auf den zehnten Tag des Monats Dhû Al-Hiddscha, des letzen Monats im muslimischen Kalender, im Anschluss an die Beendigung des Haddsch (Pilgerfahrt nach Makka), einer äußerst hingebungsvollen Anbetungshandlung.

 

Die islâmischen Îds sind in jeder Hinsicht einzigartig. In keiner anderen Religion und in keinem anderen soziopolitischen System gibt es etwas Vergleichbares. Neben ihren höchst spirituellen und moralischen Eigenschaften verfügen sie über einzigartige Besonderheiten:


1. Jedes Îd ist eine sinnvolle Feier anlässlich bemerkenswerter Leistungen des einzelnen Muslims im Dienste Gotts. Das erste Îd folgt auf einen kompletten Monat des „absoluten“ Fastens tagsüber. Das zweite Îd kennzeichnet den Abschluss der Haddsch-Reise nach Makka, einem Ritus, bei dem der Muslim auf anmutige Weise seine Abkehr von weltlichen Anliegen demonstriert und einzig der ewigen Stimme Gotts lauscht.


2. Jedes Îd ist ein Tag der Danksagung, an dem die Muslime sich in einer brüderlichen und freudigen Atmosphäre versammeln, um Gott ihre Dankbarkeit dafür zu zeigen, dass Er ihnen zur Erfüllung ihrer religiösen Pflichten vor dem Îd verhalf. Diese Art Danksagung ist nicht auf spirituelle Hingebung und verbale Bekundungen beschränkt. Sie geht weit darüber hinaus und tritt in einer schönen Form des sozialen und humanitären Geistes zutage. Muslime, die den Ramadan vollständig gefastet haben, drücken Gott gegenüber ihren Dank aus, indem sie beim ersten Îd Almosen unter den Armen und Bedürftigen verteilen. Gleichermaßen bringen Muslime, die den Haddsch in Makka vollzogen haben, wie auch diejenigen, die zu Hause sind, ihre Opfergaben dar, indem sie Opfertiere schlachten, die unter den Armen und Bedürftigen verteilt werden. Die Verteilung von Almosen und Opfergaben ist ein wesentlicher Bestandteil der Îd-Höhepunkte. Diese islâmische Art der Danksagung ist eine förderliche Kombination aus spiritueller Hingebung und humanitärer Mildtätigkeit, eine Kombination, die nur im Islam zu finden ist.


3. Jedes Îd ist ein Tag des Gedenkens. Selbst in ihrer freudvollsten Zeit machen die Muslime einen Neuanfang, indem sie einen gemeinschaftlichen Ritus ableisten. Sie beten zu Gott und verherrlichen Seinen Namen, um Seiner Gunsterweise zu gedenken. Einher mit dieser Anbetungshandlung gedenken sie der Verstorbenen, indem sie für deren Seelen beten, der Bedürftigen, indem sie ihnen ihre helfende Hand reichen, der Trauernden, indem sie ihnen ihr Mitgefühl und Beileid bekunden, der Kranken, indem sie ihnen frohstimmende Besuche abstatten und Genesungswünsche aussprechen, der Abwesenden, indem sie ihnen herzliche Grüße und aufrichtige Aufmerksamkeit zukommen lassen usw. Daher überwindet die Bedeutung des Gedenkens an diesem Tag alle Grenzen und erstreckt sich über weitreichende Dimensionen des menschlichen Lebens.


4. Jedes 'Îd ist ein Tag des Sieges. Derjenige, dem es gelingt, seine religiösen Rechte und sein spirituelles Wachstum zu sichern, empfängt das Îd mit einem siegreichen Geist. Derjenige, der die mit dem Îd einhergehenden Pflichten getreu erfüllt, ist erfolgreich. Er beweist, dass er seine Gelüste sehr gut unter Kontrolle halten kann, verübt solide Selbstbeherrschung und genießt den Geschmack des disziplinierten Lebens. Wenn ein Mensch sich diese Eigenschaften aneignet, hat er den größten Erfolg erzielt. Denn ein Mensch, der sich zu beherrschen und seine Begierden zu disziplinieren weiß, ist frei von Versündigung und Unrecht, von Angst und Feigheit, von Laster und Schamlosigkeit, von Eifersucht und Gier, von Demütigung und von allen anderen Gründen für Versklavung. Wenn er daher das Îd empfängt, das die Erlangung dieser Freiheit kennzeichnet, feiert er genau genommen seinen Sieg. Und demnach wird das Îd zu einem Tag des Sieges.


5. Jedes Îd ist ein Tag des Erntens. Alle tüchtigen Arbeiter im Dienste Gotts, alle getreuen Gläubigen ernten an diesem Tag die Früchte ihrer guten Taten, da Gott Seine Gnadenbezeigungen und Wohltaten reichlich gewährt. Zum Anderen sammelt die islâmische Gemeinschaft die fälligen Beiträge für religiöse Brüderlichkeit und soziale Verantwortung, wobei die Beiträge in Form von gegenseitiger Liebe, Mitgefühl und Sorge bezahlt werden. Jedes Mitglied der islâmischen Gemeinschaft erntet einige Früchte oder sammelt etwas Ertrag auf die eine oder andere Art und Weise. Gott gibt grenzenlos, besonders denjenigen, die sich aufrichtig mit dem Allgemeinwohl ihrer Glaubensbrüder befassen. Die Begünstigten, die nichts geben können, erhalten einher mit Gotts enormen Hilfen die Zuwendungen ihrer wohltätigen Mitmenschen. Besitzende und Besitzlose genießen alle Gotts Fürsorge in einer äußerst pluralistischen Art und Weise, und somit ist dieser Tag gewiss ein guter Tag des Erntens. 


6. Jedes Îd ist ein Tag der Vergebung. Wenn die Muslime sich an diesem Tag zur gemeinschaftlichen Anbetungshandlung versammeln, beten sie alle aufrichtig um Vergebung und Glaubensstärke. Gott sichert denjenigen, die sich Ihm aufrichtig annähern, Seine Gnade und Vergebung zu. In dieser reinen Versammlung und höchst spirituellen Zusammenkunft würde sich jeder Muslim sich selbst und Gott gegenüber schämen, jegliche Feindseligkeit oder schlechte Gefühle gegenüber seinen Brüdern zu hegen. Ein wahrer Muslim ist tief beeindruckt von dieser brüderlichen und spirituellen Zusammenkunft und überwindet seine schlechten Gefühle - falls er denn welchen ausgesetzt ist. Folglich findet er sich in Weiterbewegung mit den Anderen und reagiert auf den Geist des Tages, um sein Herz und seine Seele zu läutern. Unter diesen Umständen vergibt er denjenigen, die ihm möglicherweise Unrecht getan haben, da er selbst um Gotts Vergebung bittet und sein Bestes tut, um diese zu erlangen. Der Geist dieser höchst hingebungsvollen Zusammenkunft lehrt ihn, dass ihm vergeben wird, wenn er vergibt. Und wenn er vergibt, dann wird die Tugend der Vergebung von Gott barmherzig angewandt werden und sich weit unter den Muslimen verbreiten. Dies zeichnet den Tag als einen Tag der Vergebung aus.


7. Jedes Îd ist ein Tag des Friedens. Wenn der Muslim durch die Befolgung von Gotts Gesetz und durch Führen eines disziplinierten Lebens in seinem Herzen Frieden herstellt, hat er gewiss ein äußerst sakrosanktes Friedensabkommen mit Gott geschlossen. Sobald ein Mensch mit Gott in Frieden lebt, lebt er in Frieden mit sich selbst und folglich mit dem Rest des Universums. Wenn er das Îd also in der richtigen Weise feiert, dann feiert er genau genommen den Abschluss eines Friedensabkommens zwischen sich und Gott, und dies zeichnet das Îd als einen Tag des Friedens aus.

 

Dies ist die eigentliche Bedeutung des islâmischen Îds: Ein Tag des Friedens und Danks, ein Tag der Vergebung und des moralischen Sieges, ein Tag der guten Ernte und der außergewöhnlichen Errungenschaften sowie ein Tag des festlichen Gedenkens. Das islâmische Îd ist all dies und noch viel mehr, da es ein Tag des Islam, ein Tag Gotts ist.
    


Das rituelle Gebet - Teil 5
Das rituelle Gebet - Teil 7


 

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