Islâmische Oasen gegen Alltagsstress - Teil 2

Islâmische Oasen gegen Alltagsstress - Teil 2
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2. Oase der Meditation und Entspannung: Bei der Meditation verbindet man sich unter Ausschluss aller anderen Vorstellungen oder Ziele mit einer beliebigen Idee oder einem beliebigen Ziel. Meditation ist realiter eine natürliche Eigenschaft des Gehirns. Durch Meditation wird das Gehirn trainiert, aufmerksam zu sein und Anweisungen zu befolgen. Auf diese Weise lernt man, den Gedankenverkehr im Gehirn zu beruhigen und dadurch mentale und körperliche Energie freizusetzen. Die Grundlage der Meditation besteht darin, eine Haltung von Körper und Geist anzunehmen, die es einem ermöglicht, sich für lange Zeit wohl zu fühlen, ohne große Energiemengen aufzuwenden.

Dr. Herbert Benson, Arzt an der Harvard-Universität, untersuchte in den frühen 70er-Jahren die physiologischen Auswirkungen von Meditation. Er prägte den Begriff „Entspannungsreaktion“, um auf die stressmindernden Folgen der Meditation zu verweisen, von denen wir heute wissen, dass sie durch eine Reihe von Entspannungsübungen, einschließlich Meditation, ausgelöst werden können.

Mitte der 80er-Jahre verband Dr. Dean Ornish, Professor der klinischen Medizin an der Universität Kalifornien, ein umfangreiches Meditationsprogramm mit einem allumfassenden Lebensstilprogramm für Patienten mit Herzproblemen. Veröffentlichte Ergebnisse aus seiner fünfjährigen Untersuchung wiesen eine allgemeine Senkung von Low-density lipoprotein (LDL)-Cholesterin, verminderte Angina-Symptome und einen Rückgang der koronaren Arterienkrankheit auf.

Das Meditieren löst die Entspannungsreaktion aus. Die Entspannungsreaktion ist geprägt von einer niedrigen Herz- und Atemfrequenz, einem niedrigen Sauerstoffverbrauch und einer niedrigen Muskelspannung. Das Meditieren scheint diese Änderungen in einem größeren Ausmaß und wirkungsvoller als Schlaf hervorzurufen. Berichte von Dr. Benson zeigen beispielsweise, dass der Sauerstoffverbrauch bei erholsamem Schlaf im Lauf von vier oder fünf Stunden um acht Prozent sinkt, wohingegen die Entspannungsreaktion zu einer 10- bis 17-prozentigen Reduktion des Sauerstoffverbrauchs innerhalb von wenigen Minuten führt.

Andere Studien weisen bei regelmäßig Meditierenden eine bedeutende Senkung des gesamten peripheren Widerstands (TPR) und des systolischen Blutdrucks auf. TPR ist die hochgradigste Widerstandskraft gegen Blutfluss, der durch die Verengung aller Blutgefäße des Körpers ausgelöst wird. Eine Senkung des TPR senkt im Großen und Ganzen den Blutdruck. Untersuchungen wiesen außerdem einen verminderten Lipidperoxid-Spiegel, der zu reduziertem oxydativem Schaden führt, auf. Das Meditieren wurde zudem intensiv und wirkungsvoll bei der Kontrolle in Fällen chronischer Schmerzen und Beklemmungsunruhen verwandt. Das Meditieren, bei dem man sich auf die Geschöpfe Allahs (Pflanzen, Tiere, Raum, menschlicher Körper usw.) konzentriert, wird als eine der wirkungsvollsten und stärksten Formen islamischer ritueller Handlungen betrachtet.

Bei dieser Meditationsform konzentriert man sich auf einen Gegenstand oder eine Gruppe von Gegenständen derselben Kategorie (kategorisierte Meditation).

„Die Allâhs stehend, sitzend und auf der Seite (liegend) gedenken und über die Schöpfung der Himmel und der Erde nachdenken: »Unser Herr, Du hast (all) dies nicht umsonst erschaffen. Preis sei Dir! Bewahre uns vor der Strafe des (Höllen)feuers.«“ (Sûra 3:191).

3. Oase des Gedenkens Allâhs: Wie im vorstehenden Abschnitt erwähnt, kann man meditieren, indem man sich gedanklich auf einen Gegenstand oder eine Gruppe von Gegenständen der gleichen Kategorie konzentriert. Man kann auch meditieren, indem man sich auf ein Wort oder einige Worte konzentriert, die dem Menschen ein Gefühl des inneren Friedens und der inneren Ruhe verleihen; beispielsweise indem man die Worte „Subhâna-llâh (Gepriesen sei Allâh)“ oder „Al-Hamdu li-llâh (Aller Lobpreis gebührt Allah)!“ wiederholt. Tiefes und stilles Wiederholen derartiger Worte ruft dieselben physiologischen Folgen wie das Meditieren hervor. Außerdem enthält es einen zusätzlichen Faktor, der bei der Stressbewältigung hilft und dem Menschen das Gefühl verleiht, in großer Nähe Allahs des Steuerers der ganzen Welt zu sein.

„(Es sind) diejenigen, die glauben und deren Herzen im Gedenken Allâhs Ruhe finden. Sicherlich, im Gedenken Allâhs finden die Herzen Ruhe!“ (Sûra 13:28).

4. Oase der Fantasie: Sie wird als eine der wirksamsten Methoden der Stresssenkung betrachtet. Bei dieser Praktik stellt sich der Mensch vor, sich an einem Ort zu befinden, der ihm Seelenfrieden, Ruhe und Erholung verleiht. Muslime finden ihren sicheren Ort, indem sie sich vorstellen, was im Paradies vorhanden sein wird.

Abû Huraira  möge Allah mit ihm zufrieden sein berichtete: Allâhs Gesandter (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Allâh der Erhabene und Glorreiche sagte: Ich habe für Meine tugendhaften anbetend Dienenden Gnadenerweise vorbereitet, die kein Auge jemals gesehen hat, kein Ohr jemals gehört und kein menschliches Herz jemals empfunden hat.“  

5. Die Oase des Gebets: Sie umfasst alle vorher erwähnten Oasen, einschließlich Meditation, Gedenken und Fantasie. Während wir beten, empfinden wir alle, dass wir in starker Verbindung mit der kontrollierenden Macht dieser Welt (Allâh) sind und dass wir von Ihm maximale Unterstützung erhalten.

„O die ihr glaubt, sucht Hilfe in der Standhaftigkeit und im Gebet! Allâh ist mit den Standhaften.“ (Sûra 2:153).

Dschâbir  möge Allah mit ihm zufrieden sein berichtete, dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Eure Gebete sind wie ein fließender Fluss vor eurer Haustür, in dem ihr euch fünfmal täglich wascht.“

Jüngste wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Beten postoperative Komplikationen reduziert, die auf Operationen am offenen Herzen folgen. Beten reduziert außerdem die Anzahl depressionsgefährdeter Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt.

Heute weisen Ärzte darauf hin, dass das Beten als Alternativtherapie verwandt werden kann, die genauso erfolgreich ist wie Meditation, Bewegung oder eine Kräutertherapie. Laut König von der Duke-Universität „hemmt das Gebet, wenn es Auftrieb gibt oder beruhigt, den Ausfluss von Kortisol, Adrenalin- und Noradrenalin-Hormonen aus den Nebennieren als Reaktion auf Stress. Diese Kampf- oder Flucht-Chemikalien, die im Laufe der Zeit freigesetzt werden, können das Immunsystem beeinträchtigen und die Chancen auf das Entstehen zahlreicher Krankheiten wie etwa Herzkrankheit, Schlaganfall, Magengeschwür und mit Entzündung verbundener Darmstörung (IBS) erhöhen.“

Viele Experten glauben, dass das Immunsystem durch ein Gefühl des Friedens, das beim Beten aufkommt, gestärkt und genährt wird. Viele Ärzte glauben, dass das gemeinsame Beten mit ihren Patienten vor und nach der Operation oder vor der Verabreichung einer Reihe von Medikamenten tatsächlich bei der Genesung des Patienten helfen kann.

Fünf tägliche Gebete sind uns vorgeschrieben. Dies stellt eine gute Gelegenheit dar, diese Zeit nicht nur für spirituelle Weiterentwicklung, sondern auch für körperliche und psychische Heilung zu nutzen. Obwohl der Ramadân vorüber ist, sollte sein Geist in unseren Herzen und Seelen noch frisch sein. Diesen Geist in unsere täglichen Gebete und Meditationen einzuschließen könnte sehr wohl der Weg zu einer stärkeren und erholsameren mentalen Gesundheit sein.

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