Die Rechtschaffenen auf der Pilgerfahrt: Entdeckung der tieferen Bedeutung
Zu diesem Thema möchte ich die treffenden Worte des Schaichs Abdurrahmân As-Sa‘dî zitieren: „Die Muslime sind sich einig, dass der Qurân und die Sunna die Pflicht zur Pilgerfahrt klarlegen. Sie ist eine der fünf Säulen des Islâm. Ohne sie ist der Islâm nicht vollständig. Ihr Wert, ihre Bedeutung und der damit verbundene Lohn bei Allâh sind unbestritten. Dieses Wissen ist für jeden Muslim grundlegend.
Der Allwissende, Allweise und Lobenswerte hat den Haddsch – wie alles, was Er festgelegt und hinterlassen hat – mit Weisheit vorgeschrieben. Er hat dieses unverletzliche Haus (Ka’ba) auserwählt und es Sich Selbst zugeschrieben. In der Ka‘ba, ihren Höfen und den umliegenden heiligen Stätten hat Er unzählige tiefgründige Geheimnisse und subtile Wahrheiten verborgen, die das menschliche Wissen bei weitem übersteigen. Es genügt zu wissen, dass Er es für die Menschen zu einem Ort der Erhebung gemacht hat, durch den ihre Angelegenheiten, ihre Religion und ihr weltliches Leben sich verbessern werden. Wenn es Sein Haus auf der Erde nicht gäbe und es nicht durch den Haddsch, die Umra und die verschiedenen Arten der Anbetung belebt würde, so würde diese Welt dem Untergang geweiht sein. Die Zerstörung der Ka‘ba nach ihrer Erbauung und ihre Verlassenheit sind daher Zeichen für das nahende Ende der Welt. Denn der Haddsch gründet auf der Liebe zu Allâh und der reinen Gottesverehrung, die das Fundament allen Glaubens ist. Sobald der Gläubige den Ihrâm vollzieht, beginnt er die Talbiya zu rufen: ‚Labbaik Allâhumma labbaik, labbaika lâ Scharîka laka labbaik, inna-l-Hamda wa-n-Ni‘mata laka wa-l-Mulk, lâ Scharîka laka – Hier bin ich, o Allâh, hier bin ich. Hier bin ich, Du hast keinen Partner, hier bin ich. Wahrlich, Dir gebührt aller Lobpreis, alle Gnade und alle Herrschaft. Du hast keinen Partner.‘ Er wiederholt diesen Dhikr und alle anderen Worte, bis er fertig ist. Deshalb sagte Dschâbir (möge Allâh mit ihm zufrieden sein): ‚Der Gesandte Allâhs (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) begann die Pilgerfahrt mit der Bekundung zum Einssein Allâhs.‘ Denn die Worte der Talbiya ‚Hier bin ich, o Allâh, hier bin ich‘ sind ein Ausdruck der Dienerschaft gegenüber dem Herrn und deren wiederholtes Aufsagen dient dazu, innere Ruhe und Freude zu finden. Danach bekräftigt er, dass alles Lob, aller Preis und alle Herrschaft allein Allâh dem Erhabenen zustehen. Er weist jeden Partner in Seiner Göttlichkeit, Seiner Herrschaft und in dem Ihm gebührenden Lobpreis zurück. Dies ist die Essenz des Tauhîd und der Ausdruck tiefster Liebe. Der Gläubige ist eingeladen, zu Allâh zu kommen, um Sein Haus zu besuchen und in der Vielfalt der Anbetung zu versinken. In Demut und Unterwerfung bittet er Ihn an diesen heiligen Stätten um alles, was er benötigt, sowohl im Diesseits als auch im Jenseits. Allâh, in Seiner Gnade und Barmherzigkeit, schenkt Seinen Dienern, was kein Auge je gesehen, kein Ohr je gehört und keinem Herzen je in den Sinn gekommen ist.
Damit vergibt Er ihre Sünden und reinigt sie wie am Tag ihrer Geburt. Das Paradies ist der Lohn für eine angenommene Pilgerfahrt. Durch die Pilgerfahrt bekräftigen sie ihre Liebe zu ihrem Herrn, indem sie ihr kostbares Vermögen einsetzen und Strapazen auf sich nehmen, um ein fernes Ziel anzusteuern. Es gibt keinen besseren Einsatz für sein eigenes Vermögen als die Reise zum Geliebten und die Erfüllung dessen, woran Er Seinen Wohlgefallen hat. Dennoch hat Allâh ihnen versprochen, ihren Verlust zu ersetzen und sie mit Seinem Segen zu überschütten. Allâh sagt: „Und was immer ihr auch ausgebt, so wird Er es euch ersetzen“ (Koran 34:39). Wer also sein Vermögen auf diesem Weg ausgibt, der wird von diesem Versprechen des Edlen und Wahrhaftigen gedeckt. Die beste Verwendung seiner gesamten Energie ist der Dienst an seinem Herrn. Das wahre Leben besteht in der Zeit, die er im Gehorsam gegenüber seinem Herrn verbringt. Jede Tat, jede Mühe und jede Anstrengung, die nicht diesem Zweck dient, schadet dem Diener mehr, als sie ihm nützt.
Dann ist da noch die Erinnerung an den Zustand der Anbetenden und Seiner Auserwählten unter den Propheten und Gesandten. Allâh sagt: „Nehmt Ibrâhîms Standort als Gebetsplatz“ (Koran 2:125). Mit ‚Standort‘ sind hier alle Orte gemeint, an denen Ibrâhîm während der Pilgerfahrt gebetet hat: beim Tawâf, beim Say, beim Verweilen in Arafa und Muzdalifa, beim Opfer und bei anderen rituellen Handlungen. Der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte an jedem Ort und an jeder heiligen Stätte des Haddsch: ‚Nehmt eure Riten von mir.‘ Dies ist eine Erinnerung an den Zustand des Freundes Allâhs Ibrâhîm
und seiner Familie und eine Erinnerung an den Zustand des Anführers der Gesandten und ihres Imâms. Dies ist die beste und vollkommenste Art der Erinnerung an die Großen, eine Erinnerung an ihre erhabenen Zustände und ihre schönen Taten. Wer sich daran erinnert, gedenkt Allâhs, wie der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: ‚Der Tawâf um das Haus, der Say zwischen Safâ und Marwa und das Werfen an den Steinsäulen dienen dazu, Allâh zu gedenken.‘ Dies beinhaltet den Glauben an Allâh und Seine edlen Gesandten, die Erinnerung an ihre Verdienste und Tugenden, wodurch der Glaube des Gläubigen gestärkt und die Gewissheit des Wissenden vertieft wird. Es ermutigt ihn, ihrem vorbildlichen Lebensweg und ihren vollkommenen Eigenschaften nachzueifern.
Hinzu kommt die Versammlung der Gläubigen an den heiligen Stätten, ihre gemeinsame Anbetung und ihr gemeinsames Ziel. Die Pilgerfahrt vereint Menschen aus allen Himmelsrichtungen zu einer einzigen Anbetung und verkörpert so die Einheit der Muslime und ihre brüderliche Verbundenheit im Glauben. Sie zeigt, dass die Religion alle Menschen umfasst, unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem Aufenthaltsort. Die Pilgerfahrt verbindet die Entferntesten mit den Nächsten und macht deutlich, dass ihre Interessen gemeinsame Interessen sind, auch wenn sie in verschiedenen Ländern und weit voneinander entfernt leben.
Dies sind nur einige wenige der tiefen Wahrheiten und Geheimnisse, die mit dieser großen religiösen Handlung verbunden sind. Gepriesen sei Allâh, der uns diese Anbetungshandlung ermöglicht, unsere Religion vervollkommnet, Seine Gnade an uns vollendet und uns den Islâm zum Glauben erwählt hat. Diese Weisheiten sind ein deutlicher Beweis für Allâhs unendliche Barmherzigkeit, umfassende Güte und dafür, dass der Islâm die einzig wahre Religion ist. Allâh weiß es am besten.“


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