Wer den Hadsch vorbereitet, denkt zuerst an den Reisepass, die Impfungen und die Koffer. Doch die eigentliche Vorbereitung beginnt nicht am Flughafen, sondern im Herzen. Der Hadsch ist keine Urlaubsreise – es ist das größte Vorhaben eines gläubigen Muslims. Und wie bei jeder ernsten Angelegenheit gilt: Du darfst keine Anbetungshandlung verrichten, ohne zu wissen, wie es richtig geht. Allah sagt im Qur’an: „Vollzieht die Pilgerfahrt und die Besuchsfahrt für Allah“ (Sure 2:196). Aber was bedeutet „vollziehen“, wenn du die Riten nicht kennst?
Die Pflicht, die Riten zu lernen – Wissen vor dem Handeln
Der erste und wichtigste Schritt der Vorbereitung ist das Lernen. Viele Pilger stürzen sich in die Pilgerfahrt, ohne die Unterschiede zwischen den drei Arten des Hadsch (Ifrâd, Qirân, Tamattu´) zu kennen. Sie verwechseln Pflichten mit Säulen und wissen nicht, wann ein Opfertier fällig wird. Das ist gefährlich – denn wer einen der wesentlichen Riten aus Unwissenheit auslässt, riskiert die Gültigkeit seines gesamten Hadsch.
Es heißt im Qurân: „[…] Und versorgt euch mit Reisevorrat, doch der beste Vorrat ist die Allahsfurcht […].“ (Sure 2:197). Der „Vorrat“ ist nicht nur das Essen im Koffer – es ist das Wissen über die Riten. Setze dich vor der Abreise hin und lerne. Lese einen verständlichen Leitfaden, frage einen Gelehrten, schaue zuverlässige Videos zum Hadsch an. Lerne die Talbiyya auswendig, verstehe, was im Ihrâm erlaubt ist und was nicht, und kenne die genauen Zeiten für Arafat und das rituelle Bewerfen der Steinsäulen. Das ist keine „Option“ – es ist Pflicht.
Die innere Vorbereitung – Die Reise ins eigene Herz
Der äußere Hadsch beginnt in Mekka. Der innere Hadsch beginnt lange vorher, in deinem Wohnzimmer, in deinen Gedanken, in deinen Gewohnheiten. Der gläubige Diener beginnt seine Vorbereitungen mit der Läuterung der Seele, damit er mit reinem Herzen, reiner Seele und reinem Wesen die höchste Stufe der Reinheit erklimmt. Dazu gehören drei Dinge:
1. Stärke die Allahsfurcht (Taqwâ): Der Zweck des Hadsch ist es, die Furcht vor Allah zu verinnerlichen und den Tauhîd, die alleinige Verehrung Allahs, zu festigen. Die Talbiyya, die du unzählige Male sprechen wirst, lautet: „Hier bin ich, o Allah, hier bin ich. Du hast keinen Teilhaber.“ Wenn du das aus vollem Herzen sagst, dann muss sich das in deinem Leben zeigen: Du tust nichts, was Ihm missfällt.
2. Übe dich in Geduld (Sabr): Der Hadsch ist eine Geduldsprüfung. Hitze, Durst, Gedränge, Schlafmangel – all das wird kommen. Im Qurân heißt es über den Hadsch: „[…] und nicht Streit führen während der Pilgerfahrt“ (Sure 2:197). Das bedeutet: Nicht streiten, nicht fluchen, nicht schimpfen. Schon ein Wort des Zorns kann deine Belohnung schmälern. Übe also vor der Abreise: Wenn dir der Nachbar auf die Füße tritt, atme tief durch. Wenn der Kollege dich provoziert, schweige. Denn wenn du das zu Hause nicht schaffst, wirst du es in der Menschenmenge von Minâ erst recht nicht schaffen.
3. Vermeide Sünden und bereinige alte Schuld: Ein entscheidender Punkt, den viele übersehen: Bevor du nach Mekka aufbrichst, solltest du dich mit deinen Mitmenschen versöhnen. Es heißt zwar: „[…] Er vergibt, was unterhalb diesem (dem Götzendienst) ist, wem Er will […]“ (Sure 4:48), aber es gibt eine Kategorie von Sünden, die Allah nicht einfach so vergibt: die Ungerechtigkeit gegenüber anderen Menschen. Hast du jemanden bestohlen, verleumdet, sein Herz gebrochen? Dann reicht ein Gebet nicht aus. Du musst zu der Person gehen, dich entschuldigen, sie um Verzeihung bitten oder ihr Recht zurückgeben. Sonst bleibst du innerlich belastet – und diese Last nimmst du mit nach Mekka.
Der Prophet sagte: „Wer für Allah die Pilgerfahrt unternimmt und während dieser keinen Geschlechtsverkehr und keine Missetat begeht, der kehrt von der Pilgerfahrt [sündenfrei] zurück wie am Tag, an dem seine Mutter ihn zur Welt brachte“ (Al-Buchârî, Muslim). Aber dieses Versprechen gilt nur unter einer Bedingung: dass du deine Schuld gegenüber Allah und den Menschen bereinigt hast. Eine befleckte Seele kann durch den Hadsch gereinigt werden – aber du musst den ersten Schritt selbst tun.
Die körperliche Vorbereitung – Nicht zu unterschätzen
Neben der Seele braucht auch dein Körper Vorbereitung. Mekka liegt in einer bergigen Wüstenregion. Du wirst viele Kilometer zu Fuß zurücklegen – zwischen Safâ und Marwa, nach Minâ, nach Arafat. Wer untrainiert anreist, wird vor Erschöpfung zusammenbrechen und die spirituellen Höhepunkte verpassen. Beginne also Monate vorher mit regelmäßigen Spaziergängen und leichten körperlichen Übungen. Und konsultiere deinen Arzt, um sicherzustellen, dass du körperlich belastbar bist.
Fazit
Der Hadsch ist keine Last-Minute-Reise. Er ist die Krone deines Glaubens – und eine Krone setzt man nicht einfach auf, ohne vorher den Kopf darauf vorzubereiten. Lerne die Riten, reinige dein Herz, stärke deine Geduld. Denn wenn du dann vor der Kaaba stehst und deine Talbiyya sprichst, sollst du nicht denken: „Habe ich alles richtig gemacht?“ Du sollst denken: „Hier bin ich, mein Herr, mit reinem Herzen.“ Besser kann man sich nicht vorbereiten.