Warum wurde der Qurân nicht zu Lebzeiten des Propheten niedergeschrieben?

Warum wurde der Qurân nicht zu Lebzeiten des Propheten niedergeschrieben?
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Ist es wahr, dass die Niederschrift des Qurân erst nach dem Tode des Propheten  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken erfolgte? Waren sich die Prophetengefährten  möge Allah mit ihnen zufrieden sein über seine Niederschrift und die Reihenfolge seiner Verse nicht einig?

 
Es gibt keinen Zweifel, dass der Qurân zu Lebzeiten des Propheten  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken nicht der Reihenfolge nach in einem Band niedergeschrieben wurde. Er war aber in den Herzen der Prophetengefährten  möge Allah mit ihnen zufrieden sein  aufbewahrt: Sie kannten den Qurân auswendig. Niedergeschrieben war er auf nicht der Reihenfolge nach sortierten Unterlagen wie Leder, Palmwedelstümpfen, Steinen und ähnlichen Materialien, die dafür geeignet waren.
 
Nun sei die Frage erlaubt: Warum wurde der Qurân nicht zu Lebzeiten des Propheten  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken der Reihenfolge nach niedergeschrieben?
 
Der Qurân wurde stückweise herabgesandt. Zudem kam es zu Lebzeiten des Propheten  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken vor, dass manche Verse auf göttliche Anweisung abrogiert wurden. Was wäre zu machen gewesen, wenn nach der sortierten Niederschrift ein Vers offenbart oder abrogiert worden wäre?!
 
Die Aufgabe einer neuen Niederschrift wäre einerseits sehr schwer zu erfüllen, zumal die Schreibmaterialien damals selten zu finden waren. Davon ausgegangen begnügte man sich damals mit der Aufbewahrung des Qurân in den Herzen der Prophetengefährten  möge Allah mit ihnen zufrieden sein und vor allem im Herzen des Propheten  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken , dem Allâh versicherte, dass Er die Aufgabe der Bewahrung des Qurân auf Sich nahm, indem Er ihm sagte: ,,Gewiss, Wir sind es, die Wir die Ermahnung offenbart haben, und Wir werden wahrlich ihr Hüter sein“ (Sûre 14:9) Allâh versicherte vielmehr, dass der Prophet  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken nichts vom Qurân vergisst: ,,Wir werden dich lesen lassen, und dann wirst du nichts vergessen“ (Sûre 87:6) Darüberhinaus begnügte man sich mit der damaligen Form der Niederschrift, also der Niederschrift direkt nach der Offenbarung.
 
Zusammengefasst: Zu Lebzeiten des Propheten  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken bestand einerseits kein Anlass zur genauen Sortierung der Qurân-Sûren: Die letzte Instanz der Muslime (der Prophet) war noch am Leben. Andererseits war eine endgültige Sortierung unmöglich, da weder die Offenbarung des Qurân, noch die Abrogationsperiode beendet war.
 
Kaum starb der Prophet  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken , bestand der Anlass zu einer Sammlung und Sortierung des Qurân, besonders nachdem viele, die den Qurân auswendig kannten, in den Kriegen ums Leben gekommen waren: die Prophetengefährten  möge Allah mit ihnen zufrieden sein beeilten sich nun, den Qurân in einem Buch niederzuschreiben.
 
In diesem Zusammenhang überliefert Al-Buchârî einen Hadîth von Zaid Ibn Thâbit  möge Allah mit ihm zufrieden sein: ,,Nach der Schlacht von Al-Yamâma ließ mich Abû Bakr  möge Allah mit ihm zufrieden sein rufen. Ich ging zu ihm und fand 'Umar  möge Allah mit ihm zufrieden sein bei ihm vor. Abû Bakr  möge Allah mit ihm zufrieden sein sagte: ,,'Umar  möge Allah mit ihm zufrieden sein teilte mir mit, dass in der Schlacht von Al-Yamâma eine sehr große Zahl von Leuten, die den Qurân auswendig konnten, ums Leben kam, (...)“
 
Dieser Hadîth weist eindeutig darauf hin, dass sich Abû Bakr  möge Allah mit ihm zufrieden sein sowie alle Prophetengefährten  möge Allah mit ihnen zufrieden sein beeilten, den Qurân niederzuschreiben, sobald dies notwendig wurde. Dazu bedienten sie sich dem, was sie auswendig kannten, sowie dem, was sie niedergeschrieben hatten. Es ist erwiesen, dass viele Gefährten zu Lebzeiten des Propheten  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken den ganzen Qurân auswendig konnten, und zwar genau in derselben Reihenfolge, die man heute kennt.
 
Zaid  möge Allah mit ihm zufrieden sein sagt weiter: ,,Ich machte mich daran, den Qurân zu sammeln, der auf Palmwedeln und Steinplatten geschrieben war und den die Menschen im Gedächtnis bewahrten. Die letzten Verse der neunten Sûra: ,,Zu euch ist nunmehr ein Gesandter aus euren eigenen Reihen gekommen. Bedrückend ist es für ihn, wenn ihr in Bedrängnis seid, (er ist) eifrig um euch bestrebt, zu den Gläubigen gnadenvoll und barmherzig. Wenn sie sich aber abkehren, dann sag: Meine Genüge ist Allâh. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Auf Ihn verlasse ich mich, und Er ist der Herr des gewaltigen Thrones.“ (Sûra 9:128-129) fand ich nur bei einem einzigen Mann niedergeschrieben, nämlich Abû Chuzaima.“
 
Dass Zaid  möge Allah mit ihm zufrieden sein diese zwei Verse nur bei einem einzigen Mann niedergeschrieben fand, ist ein Hinweis darauf, dass alle übrigen Verse nicht nur im Gedächtnis bewahrt waren, sondern auch bei mehreren Prophetengefährten  möge Allah mit ihnen zufrieden sein niedergeschrieben waren: Zu Lebzeiten des Propheten  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken war der ganze Qurân sowohl im Gedächtnis der Gefährten, als auch auf Leder und Palmwedeln aufbewahrt. Dass dieser Vers nur von einer Person niedergeschrieben wurde, heißt nicht, dass er unbekannt war, sondern dass er allen bekannt war, aber ihn nur eine Person niederschrieb, weil dieser Vers relativ spät offenbart wurde.
 
Mit diesem Artikel beabsichtigen wir nicht, den historischen Zusammenhang der Niederschrift des Qurân zu erörtern. Wir möchten nur erklären, wie entscheidend für die islâmische Religion der Entschluss Abû Bakrs  möge Allah mit ihm zufrieden sein war, den Qurân zu niederzuschreiben: Er bewahrte die primäre Quelle der islâmischen Gesetzgebung.
 
Wir möchten nochmals betonen, dass die große Leistung Abû Bakrs  möge Allah mit ihm zufrieden sein darin bestand, dass er die schon zu Lebzeiten des Propheten  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken im Gedächtnis bewahrten sowie auf Leder und Palmwedeln aufgeschriebenen Sûren und Verse in einem Buch sammelte, weil er befürchtete, dass sie mit der Zeit verloren gehen könnten.
 
Was die Frage betrifft, ob die Prophetengefährten  möge Allah mit ihnen zufrieden sein über die Niederschrift des Qurân sowie über die Reihenfolge seiner Verse uneinig waren, so vertreten wir die Ansicht, dass alle Prophetengefährten  möge Allah mit ihnen zufrieden sein die Notwendigkeit einer Niederschrift des Qurân sahen, auch wenn vor der Einigung Diskussionen stattfanden. Am Anfang lehnten manche eine Niederschrift nur deswegen ab, weil sie davon ausgingen, dass es sich dabei um etwas handelte, was der Prophet  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken zu Lebzeiten nicht getan hatte. Somit ist die vorerst ablehnende Haltung mancher Prophetengefährten  möge Allah mit ihnen zufrieden sein nachvollziehbar, wobei sie nach der ausführlichen Darlegung der Gründe alle zustimmten.
 
Die Reihenfolge der Qurân-Verse ist unbestritten auf prophetische Anweisung zurückzuführen, die wiederum auf Anweisung Gabriels erfolgte. Über die Reihenfolge der Qurân-Verse waren sich die Prophetengefährten  möge Allah mit ihnen zufrieden sein also nicht uneins.
 
Die Reihenfolge der Qurân-Sûren erfolgte nach Übereinstimmung der Prophetengefährten  möge Allah mit ihnen zufrieden sein, die ja Augenzeugen der Herabsendung des Qurân und somit auch die besten Kenner der Offenbarungsgeschichte waren. Man sagt auch, dass die Reihenfolge der qurânischen Verse ebenfalls auf prophetische Anweisungen erfolgte.

Kurz und bündig: Zu Lebzeiten des Propheten  möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken wurde der Qurân aus triftigen Gründen nicht sortiert in einem Buch niedergeschrieben. Er war aber nicht nur auf Leder, Palmwedeln und flachen Steinen niedergeschrieben, sondern wurde auch im Gedächtnis der Prophetengefährten bewahrt.

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