Unselbstständigkeit bei Kindern - ein ernst zu nehmendes Problem - Teil 1

Unselbstständigkeit bei Kindern - ein ernst zu nehmendes Problem - Teil 1
  • Veröffentlicht:14.05.2014
  • Kategorie:Kinder
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Die Beschwerde eines fehlerhaft Erziehenden

 
Möglicherweise beschweren sich Eltern, dass ihr Kind in allen Dingen vollkommen unselbstständig ist. Dies reicht vom Essen und Trinken über Bekleiden bis hin zum Lernen in der Schule und der Verrichtung seiner Hausaufgaben.
 
Lieber Erziehender! Dass sich die Kinder in dieser Form auf andere stützen, kann man wirklich nur als Unselbstständigkeit bezeichnen. Wenn sich das Kind von klein auf in all seinen Angelegenheiten auf seine Eltern verlässt, gewöhnt es sich daran und wird davon geprägt. Es wird für die später erwachsene Person selbstverständlich, selbst in hohem Alter. Daraus folgt, dass sie den Erwartungen ihrer Eltern zuwiderläuft, weil ihr Erwachsenwerden sie nicht von ihrer Unselbstständigkeit befreit.
 
Da wir uns auf dein Kind und diese Generation im Allgemeinen konzentrieren und unsere Hoffnung darin liegt, dass sie dieser Gemeinschaft einen erneuten Aufschwung bringt, sagen wir dir die Wahrheit, dass dein Kind an dieser Unselbstständigkeit keine Schuld trifft; schuld daran ist vielmehr unsere eigene Verhaltensweise gegenüber den Kindern.
 
Ja, lieber Erziehender, die Liebe und die übertriebene Angst der Eltern ihren Kinder gegenüber lässt sie alle kleinen und großen Angelegenheiten ihrer Kinder erledigen. Dies treibt die Kinder natürlich dazu an, sich von klein auf in jeder Hinsicht auf ihre Eltern zu verlassen. Sie werden größer und gewöhnen sich daran, sich auf andere zu stützen und zu verlassen.
 
Wie viele Mütter gibt es, die ihre Kinder aus Angst trotz deren fortgeschrittenen Alters nicht allein zu Hause lassen oder sie nicht alleine zum Sportverein oder zu den Verwandten gehen lassen. Insbesondere in der Prüfungszeit sieht man sie, wie sie ihr Kind jede Kleinigkeit lehrt und fast schon dessen Hausaufgaben macht, als ob sie selbst noch eine Schülerin sei.
 
Gib dem Kind die Angel, nicht den Fisch!
 
Denke nicht, lieber Erziehender, dass wir von dir fordern, dein Kind zu vernachlässigen. Keineswegs! Allâh hat für jede Sache ein Maß festgesetzt. Genau wie das Kind die Zuneigung und Aufmerksamkeit seiner Eltern in dieser Situation braucht, bedarf es auch des Gefühls der Eigenständigkeit und des Verantwortungsbewusstseins, damit es sich richtig entwickelt.
 
Aber liegt die Unterstützung, die wir unseren Kindern gewähren müssen, darin, ihnen alles zu geben, was sie benötigen? Oder liegt die wahre Unterstützung darin, dass wir die Entwicklung ihres Verantwortungsbewusstseins und die Entwicklung ihrer Persönlichkeit fördern und ihr Vertrauen entwickeln und sie dazu ermutigen, in ihren persönlichen und mit ihrem Leben verbundenen Angelegenheiten die richtigen Entscheidungen zu treffen? Wir brauchen nicht den Fisch für unsere Kinder zu fangen, wir müssen vielmehr unsere Kinder lehren, wie sie die Angel benutzen, damit sie auch ohne uns fischen können.
 
Vorsicht Falle!
 
Es ist eine Falle, in die viele Eltern tappen. Sie führt dazu, dass sich die Kinder sehr auf die Eltern stützen. Die Eltern wollen ihren Kindern nichts Schlechtes, möglicherweise liegt der Grund dafür sogar in etwas offensichtlich Gutem, was die Eltern dazu veranlasst, ihrem Kind alles zu geben, was die Unselbstständigkeit des Kindes bewirkt.
Dazu gehören:
 
1. Der Wunsch der Eltern, ihren Kindern die Liebe und Zuneigung zu schenken, die sie in ihrer eigenen Kindheit vermisst haben. Daher verwöhnen und lieben sie ihre Kinder unbewusst in einer übertriebenen Weise, weil sie selbst vielleicht einen Elternteil verloren haben oder von einem oder beiden Elternteilen schlecht behandelt wurden.
 
2. Der Wunsch der Eltern, ihren Eltern in der Erziehung nachzueifern. Sie übernehmen beim Erziehen der neuen Generation deren Weg mit allem Positiven und Negativen, ohne es zu überprüfen oder zu korrigieren.
 
3. Dies geschieht möglicherweise aus Angst um das Kind, vor allem wenn es das erste oder das einzige Kind ist oder ein Junge zwischen Mädchen respektive ein Mädchen zwischen Jungen.
 
Wenn der Erziehende in diese gefährliche Falle gerät, die Falle der Liebe und übertriebenen Angst, kann mit den Kindern unter anderem folgendes geschehen:
 
a. Das Kind entwickelt kein Selbstvertrauen und wird ohne fremde Hilfe nichts zustande bringen.
 
b. Das Kind fordert ständig Schutz und Hilfe und kann sich so nicht einfach von den Fesseln der Abhängigkeit von seinen Eltern lösen.
 
c. Das Kind entwickelt kein Verantwortungsbewusstsein und lernt dies auch nicht zu schätzen. Es kann die Abweisung seiner Wünsche nicht ertragen und ist somit einem seelischen Durcheinander ausgesetzt, falls es auf einem Weg Hindernissen begegnet oder frustrierende Situationen erlebt.
 
Diese übermäßige Fürsorge hat uns zweifellos Menschen mit einem hervorragenden Charakter hervorgebracht. Allerdings fehlt ihnen die nötige Kompetenz und Erfahrung und gute Organisation um ihre Arbeit zum Erfolg zu führen.
 
Nimm dir folgende Aussage zu Herzen, lieber Erziehender: Halte dein Kind nicht davon ab, Erfahrungen zu sammeln, auch wenn es dadurch Schmerzen erleidet! Es muss das Leben spüren, damit es von ihm lernen kann. (Der Mann unter den Kindern erlernt Verantwortung.)

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