Argumente zur Vermeidung von Verärgerung und Streitlust

Argumente zur Vermeidung von Verärgerung und Streitlust
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Wie schwer ist es, Geduld zu üben, wenn man provoziert wird? Wie oft haben wir gleichwohl viel zu sensibel reagiert, obwohl wir nicht das eindeutige Ziel jemandes Böswilligkeit waren?

 
Wie viele Herzen wurden bei der Bemühung, Diskussionen zu gewinnen, verloren? Und trotzdem ist es als Mensch natürlich und sogar unser Recht, anderer Meinung zu sein und kritisch zu denken. Eine der schwierigsten Herausforderungen des Charakters ist für Muslime jeglicher Herkunft die Fähigkeit, in Momenten des Ärgers und der Uneinigkeit Besonnenheit zu praktizieren – sprich fähig zu sein, mit einem würdevollen und edelmütigen Geist zu widersprechen und kritisch zu denken, ohne streitlustig, starrsinnig und herablassend zu sein. Weil wir diesem als Gemeinschaft so sehr und auf so vielen Ebenen verfallen, erachtete ich dieses Thema als wichtige Erinnerung für mich und Andere.
 
Der Aktivist streitet über Strategien, der Studierende über islâmische Rechtslehre und andere Wissenszweige, der Gemeindeleiter streitet im Sitzungssaal und der Imâm mit denjenigen, die seinem Stil oder Denkansatz widersprechen. Sei es mit unserer Familie, unseren Freunden, mit Gemeindemitgliedern oder den Islâmophoben – wir finden uns oft in Situationen wieder, in die sich Ärger und Streit einschleichen und die die Laune verderben und den Geist verdrießen können. Im Folgenden findet sich eine Sammlung von Qurân-Versen, prophetischen Überlieferungen und Aussprüchen von rechtschaffenen Menschen. Diese Aussagen erinnern uns daran, es zu vermeiden, dass Ärger und Streit uns übermannen.
 
Möge Allâh uns dazu verhelfen, dass wir uns daran erinnern, dass unsere Handlungen, wenn wir mit Menschen umgehen, in Wirklichkeit mit Ihm und nicht mit Seiner Schöpfung sind! Möge schlichtweg das Bewusstsein Seiner Allgegenwart in misslichen wie auch in behaglichen Zeiten Güte in unseren Worten und Charaktereigenschaften bewirken! Âmin!
 
1.    „..., und wenn die Ignoranten sie ansprechen, sagen sie: »Friede!«." (Sûra 25:63).
 
2.    „...und wenn sie an unbedachter Rede vorbeigehen, würdevoll vorbeigehen." (Sûra 25:72).
 
3.    Und halte ein mittleres Maß bei deinem Gehen! Und dämpfe deine Stimme! Wahrhaftig! Die widerlichste der Stimmen ist gewiss die Stimme der Esel! ... Und unter den Menschen gibt es, wer über Allâh streitet – ohne Wissen und keine Rechtleitung und kein erleuchtendes Offenbarungsbuch." (Sûra 31:19-20).
 
4.    Der Prophet Muhammad möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte: „Für denjenigen, der auf Streit verzichtet, obwohl er im Recht ist, wird ein Palast von hohem Rang im Paradies gebaut. Für denjenigen, der auf Streit verzichtet, obwohl er ihn angezettelt hat, wird ein Palast im Zentrum des Paradieses gebaut." (At-Tirmidhî, der ihn für akzeptabel erklärte.)
 
5.    Es gibt keine Menschen, die irregehen, nachdem sie rechtgeleitet wurden, außer sie geben sich Streitgesprächen hin." (At-Tirmidhî, authentisch).
 
6.    Der Gesandte Allâhs möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken wiederholte dreimal: „Diejenigen, die nachhaltig nach verwirrenden Fragen suchen, sind verendet." (Muslim).
 
7.    Streite nicht mit deinem Bruder, verspotte ihn nicht, versprich ihm auch nichts und brich daraufhin dein Versprechen!" (At-Tirmidhî).
 
8.    Bilâl ibn Sa’d  möge Allah mit ihm zufrieden sein sagte: „Wenn du einen streitenden, überheblichen und engstirnigen Menschen siehst, dann bedenke, dass er vollkommen verloren ist!"
 
9.    Luqmân  Frieden sei auf ihm sagte zu seinem Sohn: „O Sohn! Streite nicht mit den Sachkundigen, damit sie dich nicht verabscheuen!"
 
10.Umar  möge Allah mit ihm zufrieden sein sagte: „Erlerne Wissen nicht für drei Dinge und lasse es nicht für drei Dinge! Erlerne es nicht, um darüber zu diskutieren, um damit anzugeben oder um damit zu prahlen! Höre nicht auf danach zu streben, aus Schüchternheit oder Abneigung heraus oder um anstelle dessen ohne Wissen zu argumentieren!"
 
11.Es wurde berichtet, dass Abû Hanîfa den Dâwûd At-Tâ’i fragte: „Warum bevorzugst du Abgeschiedenheit?" Dâwûd antwortete: „Um gegen mein Ich anzukämpfen, auf Streit zu verzichten." Abû Hanîfa sagte: „Besuche Versammlungen, höre zu, was gesagt wird, und schweige!" Dâwûd entgegnete: „Ich habe dies getan, doch ich habe nichts schwerer empfunden als dies."
 
12.Âischa  möge Allah mit ihr zufrieden sein berichtete, dass der Prophet Muhammad möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte: "Der meist verhasste Mensch bei Allâh ist der streitsüchtigste Mensch." (Al-Buchârî).
 
13.Ibn Qutaiba sagte, dass sein Disputant ihn fragte: „Was ist los mit dir?" Er antwortete ihm: „Ich werde nicht mit dir streiten." Daraufhin sagte der Disputant: „Demnach hast du herausgefunden, dass ich Recht habe." Ibn Qutaiba antwortete: „Nein, aber ich respektiere mich mehr als dies!" Daraufhin zog sich der Disputant zurück und sagte: „Und ich werde nichts beanspruchen, worauf ich kein Anrecht habe."
 
14.Der Gesandte Allâhs möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte: „Derjenige, der eine Beleidigung beginnt, lädt sich die Sünde des Beleidigens auf, solange der Andere es nicht erwidert." (Muslim).
 
15.„Der den Glauben Verinnerlichende flucht nicht." (At-Tirmidhî [akzeptabel]).
 
16.„Der den Glauben Verinnerlichende verleumdet nicht, beleidigt nicht, verachtet nicht und schmäht auch nicht." (At-Tirmidhi [authentisch]).
 
17.„Beschwöre nicht Allâhs Fluch, Seinen Ärger oder das Höllenfeuer!" (At-Tirmidhî [akzeptabel, authentisch]).
 
18.„Menschen, die es gewohnt sind zu fluchen, werden am Tag der Auferstehung keine Fürbittenden oder Zeugen sein." (Muslim).
 
19.Abdullâh ibn Amr  möge Allah mit ihm zufrieden sein berichtete: „Ich fragte den Gesandten Allâhs möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken, was mich vor Allahs Zorn bewahrt, und er sagte: »Erzürne nicht!«" (At-Tabarânî und Ibn Abdulbarr) Ibn Umar, Ibn Mas‘ûd und Abû Dardâ  möge Allah mit ihnen zufrieden sein berichteten über ähnliche Gespräche ihrerseits.

 

20.  Der Gesandte Allâhs möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte: „Derjenige, der seinen Zorn zum Zeitpunkt der Entrüstung besiegt, ist der Stärkste unter euch. Derjenige, der vergibt, obwohl er die Macht hat (seinen Ärger) abzulassen (und sich zu rächen) ist der Geduldigste unter euch." (Al-Baihaqî in Schu’abu Al-Imân).  
 
21.  Abû Huraira  möge Allah mit ihm zufrieden sein! berichtete: „Der Gesandte Allâhs möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte: »Der starke Mensch ist nicht derjenige, der körperliche Stärke hat, sondern der Mensch ist stark, wenn er seinen Ärger beherrschen kann.«" (Al-Buchârî und Muslim).
 
22.  Umar ibn Abdulazîz schrieb einem seiner Statthalter: „Bestrafe nicht zum Zeitpunkt des Zorns! Wenn du auf irgendjemanden wütend bist, dann verwahre ihn in Haft! Wenn dein Zorn beschwichtigt ist, dann bestrafe ihn im Verhältnis zu seinem Verbrechen!"
 
23. Ali ibn Zaid erwähnte „Ein Mann der Quraisch sprach unfreundlich mit dem Kalifen Umar ibn Abdulazîz, der lange Zeit schwieg und dann sagte: „Du wünschst dir, dass der Teufel den Hochmut des Kalifats in mir wachruft und ich dich so grob behandle, dass du dich morgen (im Jenseits) an mir rächen kannst."
 
24. Ibn Abbâs  möge Allah mit ihm zufrieden sein berichtete, dass der Gesandte Allâhs möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte: „Und wenn du wütend wirst, dann schweig!" (Ahmad, Ibn Abû Dunyâ, At-Tabarânî und Al-Baihaqî).
 
25.     „Wenn jemand von euch wütend wird, dann lasst ihn die rituelle Gebetswaschung verrichten, da Zorn dem Feuer entspringt!" (Abû Dâwûd; authentisch).
 
26.    Umar  möge Allah mit ihm zufrieden sein sagte: Derjenige, der Allâh fürchtet, kann seinem Zorn kein Ventil geben (indem er sündigt). Derjenige, der Allah fürchtet, kann nicht tun, was er will."
 
27.    Ein Beduine sagte zum Gesandten Allâhs möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken: „Gib mir einen Rat!" und er möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte: „Wenn ein Mann dich mit etwas diffamiert, was er über dich weiß, dann diffamiere ihn nicht mit dem, was du über ihn weißt! Denn die Sünde ist gegen ihn." Der Beduine sagte: „Ich schmähte danach niemanden mehr."
 
28.    Al-Hasan  möge Allah mit ihm zufrieden sein sagte: Derjenige, der seine Zunge nicht wahrt, hat seine Religion nicht verstanden."
 
Du dachtest, es wäre zu Ende, nicht wahr? Nachstehend ist zusätzlich etwas, um uns zu ermutigen, derartige negative Eigenschaften nicht nur zu vermeiden, sondern auch proaktiv an deren Stelle positiv anzustreben.
 
Zehn Argumente, warum man sich um geistigen Edelmut und Gefälligkeit beim Sprechen bemühen sollte:
 
1.    Der Gesandte Allâhs möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte: „Gefälligkeit beim Sprechen und Speisen [der Hungernden] garantieren dir das Paradies." (At-Tabarânî).
 
2.    „...Und sagt den Menschen Gutes! ..." (Sûra 2:83).
 
3.    „Und wenn euch ein Gruß entboten wird, dann grüßt mit einem schöneren als ihm oder erwidert ihn! …" (Sûra 4:86). Ibn Abbâs erklärte dies mit Folgendem: „Wer dich grüßt, dem erwidere seinen Gruß mit besseren Worten, selbst wenn er ein Feueranbeter wäre!" Er sagte ferner: „Wenn der Pharao liebenswürdig mit mir spräche, täte ich dasselbe mit ihm."
 
4.    Anas  möge Allah mit ihm zufrieden sein berichtete, dass der Gesandte Allâhs möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte: „Wahrhaftig! Es gibt Kammern im Paradies, deren Inneres und Äußeres gesehen werden kann – für denjenigen, der liebenswürdig sprach und [die Hungernden] speiste." (At-Tirmidhî).
 
5.    Er möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte weiterhin: „Ein gutes Wort ist auch eine milde Tat." (Muslim).
 
6.    „Wende das Feuer ab, selbst mit dem Spenden einer halben Dattel! Wenn du dir dies nicht leisten kannst, dann gib ein freundliches Wort von dir!" (Al-Buchârî und Muslim).
 
7.    Umar  möge Allah mit ihm zufrieden sein sagte: „Großzügigkeit ist eine leichte Sache. Sie ist ein lächelndes Gesicht und freundliche Worte."
 
8.    Einige weise Männer sagten: „Sei nicht geizig mit einem Wort, das den Zorn deines Herrn nicht erweckt, jedoch deinem Bruder gefällt! Es kann geschehen, dass Allâh dir die Belohnung derer gibt, die gute Taten verrichten."
 
9.    "Und die unter euch, die großes Vermögen besitzen, sollen nicht schwören ihren Verwandten und den Armen und denen, die auf Allahs Weg ausgewandert sind, nichts mehr zu geben, sondern Nachsicht üben und verzeihen. Wünscht ihr nicht, dass Allâh euch vergibt?..." (Sûra 24:22). Abu Bakr hatte seine finanzielle Unterstützung für seinen Verwandten Mustah unterbrochen, da Mustah sich an der Verleumdung seiner Tochter Âischa  möge Allah mit ihr zufrieden sein) beteiligt hatte. Nachdem dieser Vers geoffenbart worden war, setzte er die Unterstützung fort und erhöhte sogar den Betrag, den er Mustah als finanzielle Hilfe gab.
 
10."Übe Verzeihung und gebiete das legal Schickliche und meide die Ignoranten! ..." (Sûra 7:199).

 

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