Beständigkeit

Beständigkeit
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Bedeutung von Beständigkeit

Mit Beständigkeit meinen wir die Kontinuität auf dem Weg der Rechtleitung, das Bekenntnis zu den Verpflichtungen dieses Weges, die Beharrlichkeit im Guten und das ständige Streben nach mehr Gutem. So sehr der Mensch auch nachlässt, gibt es doch ein gewisses Maß, das nicht unterschritten werden darf. Wenn er strauchelt, lässt die reumütige Umkehr nicht lange auf sich warten, ja vielleicht wird er nach der Reue sogar besser, als er vorher war. So ergeht es jenem, der die Tugend der Beständigkeit besitzt.

 

Anfänglicher Eifer

Oft sieht man Jugendliche, die sich nach den Anfängen sehnen, in denen sie sehr dynamisch waren und vor Eifer überquollen. Sie achteten genauestens auf die kleinste Sunna, ganz zu schweigen davon, dass sie um Verbotenes und Zweifelhaftes einen großen Bogen machten. Und dann? Das Fleisch ist schwach und die Motivation lässt nach. Manche Jugendliche fanden sich damit ab, zur Allgemeinheit der Muslime zu gehören. Sie sind aber immer noch besser als diejenigen, die eine Kehrtwende machen und sich nun bemühen, die Da'wa (einladender Aufruf zum Islâm) anzugreifen, sich über die zum Islâm Einladenden lustig machen und vor ihrem Weg warnen. Es ist ein Kampf um die Existenzentscheidung zwischen Abkehr oder Beständigkeit.

 

Beispiele für Beständigkeit

1. Die Beständigkeit gegenüber dem Feind: Die Beständigkeit hat viele Formen, die sich in vielen Lebensbereichen des Muslims widerspiegeln. Dazu gehört die Beständigkeit in der Schlacht, viele Gefährten voriger Propheten harrten beständig aus. Sie sagten: „... »Unser Herr, vergib uns unsere Sünden und die Maßlosigkeit in unserer Angelegenheit, festige unsere Füße und hilf uns gegen das ungläubige Volk!«“ (Sûra 3:147). Über die geduldige Gruppe unter der Führung von Tâlût sagte Allâh: „Und als sie gegen Dschâlût und seine Heerscharen auf dem Plan erschienen, sagten sie: »Unser Herr, überschütte uns mit Standhaftigkeit, festige unsere Füße und verhilf uns zum Sieg über das ungläubige Volk!«“ (Sûra 2:250). Dies zeigt dem Gläubigen, dass er sich an Allâh wenden soll, um Ihn um Beständigkeit zu bitten. Die Angehörigen dieser Gemeinschaft haben von Allâh folgende Anweisung erhalten: „O die ihr glaubt, wenn ihr auf eine Schar trefft, so steht fest …“ (Sûra 8:45). Standhaftigkeit stärkt die Gläubigen und schwächt die Feinde des Islâm. Im Gegensatz dazu verrät die unsichere Haltung den Freund und erfreut den Feind. Der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) betonte dies bei der Grabenschlacht, als er, während er Erde aushob und der Graben bereits bis zu seinem Bauch reichte, sagte: „Ohne Dich wären wir nicht rechtgeleitet worden, würden wir nicht spenden und nicht beten. Sende Ruhe auf uns hinab und festige die Füße, wenn wir auf unseren Feind treffen! Den Unterdrückern, wenn sie Unheil wollten, verweigern wir uns.“ (Überliefert von Al-Buchârî).

 

2. Allâh den Erhabenen um Standhaftigkeit bitten:

Weil die Beständigkeit in der Religion die Gedanken des Muslims beschäftigt, bittet er Allâh besonders häufig darum. Der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte oft: „O Der Du die Herzen wendest, festige mein Herz in Deiner Religion!“ (Überliefert von Ahmad). Der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) befürchtete, sich in seiner Auseinandersetzung mit der vorislâmischen Ideologie einschmeicheln zu lassen oder nachgiebig zu werden. Daher informierte ihn unser Herr der Majestätische über Seine Wohltat ihm gegenüber, indem er Allâh gegenüber in aufrichtiger Treue verweilt: „Wenn Wir dich nicht gefestigt hätten, hättest du wohl beinahe bei ihnen ein wenig Stütze gesucht. Dann hätten Wir dich fürwahr ein Mehrfaches (an Strafe) im Leben und ein Mehrfaches (an Strafe) im Tod kosten lassen ...“ (Sûra 17:74-75).

 

3. Der Schwankende verführt die Menschen:

Hudhaifa ermahnte die Gelehrten, weil sie ein Vorbild sind: „O ihr Leute des Qurân, seid standhaft! Denn wenn ihr hin und her schwankt, werdet ihr weit abirren.“ (Überliefert von Al-Buchârî). Wenn sich das Abirren des Hin-und-Her-Schwankenden nur auf ihn selbst beschränken würde, wäre es ja nicht weiter schlimm. Allerdings verführt er mit seinem Abirren andere. Eine Methode der Leute der Schrift, die Reihen der Muslime zu erschüttern, bestand darin, ihren Eintritt in den Islâm vorzutäuschen, anschließend wandten sie sich wieder vom Islâm ab, damit sich andere mit ihnen abkehren: „Und ein Teil von den Leuten der Schrift sagt: »Glaubt an das, was auf diejenigen, die glauben, (als Offenbarung) herabgesandt worden ist, am Anfang des Tages und verleugnet es (wieder) an seinem Ende, auf dass sie umkehren mögen!«“ (Sûra 3:72).

 

Glücklich ist, wem Allâh der Erhabene die Beständigkeit schenkt, und wem er ein gutes Ende gewährt, indem er vor dem Tod so lange Taten verrichtet, die die Paradiesbewohner tun, bis Allâh ihm Standhaftigkeit gewährt, wenn er im Jenseits befragt wird. Wenn man den Hadîth über das Wasserbecken im Paradies in Sahîh Muslim betrachtet, sieht man, dass es Menschen verwehrt werden wird, worauf der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagt: „O Herr, meine Gefährten!“ worauf jemand sagt: „Du weißt wahrhaftig nicht, wie sie nach dir die Religion verändert haben!“ Daraufhin spricht der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) ein Bittgebet gegen sie: „Weg, weg mit dem, der nach mir verändert hat!“ In einer anderen Überlieferung steht: „Jemand sagt ihm: »Bei Allâh, sie begannen sich abzuwenden.«“ Ibn Abû Mulaika  möge Allah mit ihm zufrieden sein, einer der Überlieferer dieses Hadîthes, sagte: „O Allâh! Wir suchen Zuflucht bei Dir davor, uns abzuwenden oder von unserer Religion weggeführt zu werden.“ Mit dem Ausdruck „sie begannen sich abzuwenden“ im Hadîth ist das allmähliche aber stetige Umkehren gemeint, das in den Abgrund führt.

 

Die Umkehr mag vielleicht nach dem allmählichen Abfall vom Glauben schwer fallen, daher kann sich glücklich schätzen, wer sich zu bändigen weiß, um nicht nach der einmal gewonnenen Stärke wieder zu schwächeln. Wir sehen außerdem, dass die Standhaftigkeit in vielen Bittgebeten eine zentrale Rolle spielt, unter anderem das Bittgebet von Abdullâh ibn Mas'ûd  möge Allah mit ihm zufrieden sein: „O Allâh, ich bitte Dich um Glauben, der nicht schwindet, und um Gnade, die nicht vergeht!“ (Überliefert von Ahmad). Schaddâd ibn Aus sagte: „Der Gesandte Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) lehrte uns Worte, mit denen wir in unserem Gebet bitten: »O Allâh, ich bitte Dich um Beständigkeit in der Religion und ich bitte Dich um Entschlossenheit im Guten!« (Überliefert von Ahmad).

 

4. Standhaftigkeit in Zeiten der Wirren:

Zur Beständigkeit in Zeiten der Wirren gehört die Geduld an den Tagen, die der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) beschrieben hat: „Die Geduld an ihnen ist wie das Halten der Glut.“ (Überliefert von Abû Dâwûd und At-Tirmidhî). Und in einer anderen Überlieferung steht: „Die Menschen werden eine Zeit erleben, in der der Geduldige in seiner Religion wie der nach Glut Greifende ist.“ (Überliefert von At-Tirmidhî). Und wer kann schon ständig Glut halten? Daher hat der Gesandte Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) die frohe Botschaft gebracht, dass der Beständige unter ihnen die Belohnung von fünfzig Prophetengefährten erhält: „Nach euch kommen wahrhaftig Tage der Geduld! Für den, der während dieser Tage so festhält, wie ihr es tut, gibt es die Belohnung von Fünfzig von euch.“ (Überliefert in Silsilat Al-Ahâdîth As-Sahîha). Wenn den Muslimen schlimmste Wirren widerfahren, wenn der Daddschâl (der falsche Messias) kommt und überall auf Erden sein Unheil stiftet, so lautet der grundlegende Rat des Gesandten Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) an seine Gemeinschaft: „O Allâh anbetend Dienende, seid beständig!“ (Überliefert von Ibn Mâdscha).

 

5. Regelmäßige Taten

Zu den wichtigsten Formen der Beständigkeit gehört die ständige Verrichtung guter Taten, von denen manche Ausdauer erfordern. At-Tirmidhî überlieferte: „Wer stets zwölf Rak’as Sunna einhält, dem baut Allâh ein Haus im Paradies.“ (Überliefert in Al-Dschâmi As-Sahîh). In der Überlieferung von Muslim sagten die Überlieferer des Hadîthes Umm Habîba, Amr ibn Aus und An-Nu'mân ibn Thâbit: „Ich habe sie nicht unterlassen, seitdem ich es gehört habe.“ (Überliefert von Muslim). Ebenso ist von Muslim überliefert: „Wenn Âischa eine Handlung vollzog, hielt sie sie ein.“ Als der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) gefragt wurde: „Welche Tat ist Allâh die Liebste?“ Sagte er: „Die Fortwährendste von ihnen, selbst wenn sie gering ist.“ (Überliefert von Muslim). Die Familie von Muhammad (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) verrichtete eine Handlung stets, wenn sie sie einmal vollbrachte. An-Nawawî sagte: „Sie hielten daran fest und taten sie regelmäßig.“

 

Beständigkeit ist ein Zeichen der Religiosität

Beständigkeit ist ein deutliches Zeichen der Religiosität. Denn der Wankelmütige kann nicht beständig sein und ist nicht in der Lage, aufrichtig zu sein. Ein Prophetengefährte sagte einmal: „O Gesandter Allahs, nenne mir eine Tat, in der ich aufrichtig bin und die ich verrichte!“ Er antwortete ihm mit der verbindlichsten Pflicht zu jener Zeit: „Halte dich an die Auswanderung, denn es gibt nichts Vergleichbares!“ (Überliefert von An-Nasâ'î in As-Sunan Al-Kubrâ, At-Tabarânî u.a.).

 

Ein Beispiel dafür, was für einen geschulten Blick die Prophetengefährten für die Standhaftigkeit im Glauben jedes Einzelnen hatten, ist die Geschichte von Buraida ibn As-Suhaib, als er Salama ibn Al-Akwa traf, der aus der Wüste kam. Er dachte, dieser hätte seine Auswanderung nach Madîna abgebrochen und würde sich außerhalb von Madîna aufhalten. Er fragte ihn: „Hast du dich von deiner Auswanderung abgewandt, o Salama?“ Salama entgegnete ihm: „Allâh bewahre! Ich habe die Erlaubnis des Gesandten Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken).“ (Überliefert von Ahmad).

 

Zu den mit der Zunge des Gesandten Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) Verfluchten gehört derjenige, der sich dem Beduinenleben zuwendet, nachdem er für Allâh nach Madîna ausgewandert ist. (Siehe Sahîh Al-Dschâmi, Hadîth 5).

 

Dies ist das Bild dieser einzigartigen Generation, das zeigt, wie sie auf die Beständigkeit achtete, dazu ermahnte und sich vor dem Rückfall in den Unglauben fürchtete. Im Jahr des Abschieds-Haddsch bat der Gesandte (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) für seine Gefährten um Standhaftigkeit in ihrer Auswanderung nach Madîna, damit der gegründete Staat mit ihnen erstarke: „O Allâh, lasse meine Gefährten ihre Auswanderung fortsetzen und sie nicht rückfällig werden lassen!“ (Überliefert von Al-Buchârî).

 

Der Islâm ist Glaube und Beständigkeit

Die prägnante Formulierung des Gesandten Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken), was der Islâm wirklich ist, nämlich Glaube und Beständigkeit, wählte er wie folgt auf diese Frage: „Nenne mir im Islâm eine Sache, nach der ich nach dir niemanden mehr frage!“ Er sagte: „Sag »Ich glaube an Allâh« und sei dann beständig!

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