Symptome für abgestumpfte Herzen – Teil 2

Symptome für abgestumpfte Herzen – Teil 2
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Das Augenlicht: Wie unglücklich sind doch die Hartherzigen, auf deren Herzen sich die Sünden wie Rost abgesetzt haben, deren Augen wegen der Härte und des Unwissens, die sie bedecken, die Beweise der Wahrheit und die Zeichen der Güte nicht mehr erkennen und die Gesandten Allâhs nicht sehen können!


Allâh der Erhabene sagt: „Und Wir führen die Hölle den Ungläubigen an jenem Tag in aller Deutlichkeit vor, (ihnen), deren Augen vor Meiner Mahnung (wie) unter einer Decke lagen und die (auch) nicht hören konnten.“ (Sûra 18:100-101).


Ibn Al-Qayyim sagte: „Dies beinhaltet zweierlei: Erstens, dass ihre Augen gegenüber den Zeichen Allâhs, den Beweisen für Seine Einheit und den Wundern Seiner Macht, die im Qurân enthalten sind, verdeckt sind. Zweitens: Dass ihre Herzen gegenüber dem Verständnis, dem Überdenken des Qurân und der Rechtleitung dadurch verdeckt sind. Diese Decke gilt hauptsächlich dem Herzen und von ihm geht sie auf die Augen über.“ (Aus: Schifâ Al-Alîl, 1/93).

 

Daher haben die Islâmleugner, deren Herzen am härtesten sind, Augen, mit denen sie nichts sehen. Denn sie sind blind gegenüber der Wahrheit, sie können sie nicht sehen. Deswegen beschreibt sie ihr Herr, Der am besten über sie Bescheid weiß, wie folgt: „Selbst wenn Wir ihnen ein Tor vom Himmel öffneten und sie dauernd dadurch hinaufstiegen, würden sie dennoch sagen: »Unsere Blicke sind verwirrt. Nein! Vielmehr sind wir Leute, die einem Zauber verfallen sind.«“ (Sûra 15:14-15).

 

Er verglich ihre defekte Sehkraft mit der Verwirrung und Berauschung durch die Rauschmittel. Ihre Augen wurden also genauso verdeckt wie der Verstand eines Betrunkenen, und so sehen sie nichts. Sieht der Gesundherzige an dem einzigen Zeichen mehrere Zeichen, wird der Hartherzige, der in den Finsternissen der Sünden umherirrt und in den Tiefen seiner schlimmen Taten versunken ist, sehr streng bestraft: „... Auch wenn sie jedes Zeichen sähen, glaubten sie nicht daran...“ (Sûra 6:25). Das gilt für alle gesehenen Zeichen Allâhs in Seinem Universum und alle gelesenen Zeichen in Seinem Offenbarungsbuch. Die Zeichen ziehen vor dem Auge solcher Leute vorbei wie die Sonne und der Mond an einem Blinden.
Wer an einer Augenentzündung leidet, dem wird empfohlen, sich nicht der Sonne auszusetzen. Dabei leidet die Sonne weder an einem Mangel noch an einer Krankheit, sondern der Kranke. Und so wird manchmal dem Kranken der Rat gegeben, kein Parfüm zu riechen, obwohl das Parfüm aromatisch ist und wohl riecht.

Die Zunge: Die Stummheit ist für den Hartherzigen viel besser als seine Worte und das Stottern besser als seine Redegewandtheit. Dazu sagte unser Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken): „Der Mensch spricht ein Wort, das Allâh erzürnt, ohne es zu beachten, und dessentwegen stürzt er ins Höllenfeuer.“ (Überliefert von Al-Buchârî).

 

Zum Beispiel kannst du hören, was Ibn Hâni der Andalusier in seinem Lobgedicht für den Kalifen Al-Mu'izz sagte: Dein Wille und nicht der des Zufalls
Richte also, denn du bist der Einzige, der Bezwinger.

 

Allâh bestrafte ihn nach diesen Worten mit einer so schweren Krankheit, dass er vor Schmerzen schrie und seine Worte bereute. Und so bleibt dem Hartherzigen kein Körperteil gesund, weder seine Hand noch sein Fuß noch sein Verstand noch ein anderer Körperteil. So ergeht es dem Herzen, wenn es erhärtet, verwelkt und die lebensspendende Nass des Glaubens verliert. Denn aus gutem Boden kommt dessen guter Pflanzenwuchs mit Allâhs Erlaubnis hervor, aus dem schlechten Boden jedoch kommt nur Kümmerliches hervor. Da ist alles verdorben. Wird das Verdorbene etwas Gutes hervorbringen? Und kann man aus dem Wort "Irregegangen" etwas anderes ableiten als "irregehen", "er ging in die Irre" und "er geht in die Irre"?

 

Der Hartherzige achtet nicht auf den Sinn, weswegen Allah seine Zunge erschaffen hat; und so kennt er weder Gottesgedenken oder Bittgebete noch Güte oder Aufbau, sondern nur üble und unzüchtige Rede, barsche Worte und Überschreitung, denn die Härte des Herzens führt ausweglos zur Härte der Worte.

 

Ein Beispiel aus dem Fiqh: Um das Bild noch deutlicher zu machen und damit du weißt, was es bedeutet, dass die Sinne beim Hartherzigen nicht mehr funktionieren und du meinen Worten glauben kannst, sieh dir nachstehendes praktische Beispiel im folgenden Hadîth an:

 

Von Safiyya bint Schaiba wurde berichtet, dass Âischa zu ihr sagte, dass der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Keine Ehescheidung und keine Freilassung von Sklaven im Zorn [Arabisch: Ighlâq].“ (Von Al-Albânî als hasan eingestuft).

 

Das arabische Wort Ighlâq bedeutet entweder den heftigen Zorn oder Zwang, denn bei heftigem Zorn könnte der Mensch die Wahrnehmung seiner Umgebung verlieren, und so hört er nicht auf die Stimme des Rechten, überdenkt nicht die Ergebnisse dieser Angelegenheit und verliert den Verstand, der zur richtigen Entscheidung führt, genauso wie der eingesperrte Mensch, der seine Umgebung nicht begreift. Deswegen erklärt der weise Gesetzgeber die Scheidung und die Freilassung von Sklaven in diesem Zustand für ungültig. Ähnlich geht es dem Hartherzigen, der seinem Ungehorsam folgt, bis er ihn um den Verstand bringt.

 

So wie der Mensch in einigen Fällen den Verstand und die Kontrolle über seine Sinne wegen heftigen Zornes verliert, so werden auch seine Sinne in einigen Fällen wegen heftiger Vernachlässigung, starker Härte oder der weiten Entfernung vom Licht der Wahrheit lahmgelegt.

 

O du, der du die Krankheiten vor der Gesundheit und das Trübe vor der Reinheit bevorzugst! Wenn du dich über die Verschwendung der Sonne für eine Stunde ärgerst, wie kannst du dich denn darüber nicht ärgern, dass dein Verstand vierzig Jahre lang von der Sonne der Wahrheit abgeschirmt wurde?

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