Vorzüglichkeit des Almosens bei der Notlinderung – Teil 1

Vorzüglichkeit des Almosens bei der Notlinderung – Teil 1
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Im Namen Allâhs und möge Allâh das beste aller Geschöpfe, unseren Propheten Muhammad ibn Abdullâh, in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken!

 

In diesen Tagen erleben wir, wie sich Armut und Verteuerung verbreiten und wie viel Mühsal es kostet, den Lebensunterhalt zu verdienen.

 

Unter uns leben Menschen, um die sich niemand kümmert, oder die fast nichts finden, womit sie sich ernähren können. Nur Allâh der Erhabene weiß, wie es ihnen geht! Sie sind unsere Geschwister, und wir sind für sie verantwortlich. Wer sich ein klareres Bild von ihnen machen will, kann bei den Wohltätigkeitsvereinen nachfragen und sehen, was ihre Register enthalten. Unser Zeitalter ist sehr materialistisch, hart, unbarmherzig und voller Versuchungen. Der reiche Nachbar weiß kaum etwas von seinem armen, bedürftigen Nachbarn, sogar von seinem armen Verwandten weiß er kaum etwas, geschweige denn von Personen, die ihm nicht nahe stehen.

 

Lasst uns zusammen uns an die vorzüglichen Vorteile der Linderung der Not der Muslime und an die großartigen Belohnungen des Almosens erinnern! Und dabei möchte ich mit einer Geschichte beginnen, die "Ein Bissen für einen Bissen" heißt.

 

Eine Frau hatte einen Sohn, der schon lange nicht mehr bei ihr war, so dass sie die Hoffnung auf seine Rückkehr aufgegeben hatte. Eines Tages saß sie beim Essen und als sie das Brot brach und einen Bissen in ihren Mund führen wollte, kam ein Bettler an ihre Tür und bat um etwas Essen. Sie legte den Bissen zur Brotscheibe, spendete sie dem Bettler und verbrachte diesen Tag und diese Nacht in Hunger. Wenige Tage später kam ihr Sohn zurück und teilte ihr von ungeheuren Gefahren mit, die er erlebt hatte und erzählte: "Das Schwierigste, was ich je erlebt habe, ereignete sich vor einigen Tagen, als ich auf einer Straße in der Wüste meines Weges zog. Plötzlich kam ein Löwe und griff mich an, als ich auf einem Esel ritt. Der Esel ergriff die Flucht und die Klauen des Löwen gruben sich in mein Schutzhemd, das ich trug, und in die Kleidungsstücke und den Mantel, die ich darunter trug. Deswegen hinterließen seine Klauen keine nennenswerten Spuren auf meinem Körper. Aber mich wunderte es sehr und es ließ mich beinahe verrückt werden, dass der Löwe mich zu einer Höhle trug, und dort stürzte er sich auf mich, um mich zu fressen. Da kam ein riesiger, hellhäutiger Mann, der weiße Kleidung trug, ergriff den Löwen ohne Waffen, hob ihn hoch, ließ ihn auf die Erde fallen und sagte zu ihm: »Geh weg, du Hund! Ein Bissen für einen Bissen.« Der Löwe ergriff die Flucht und als ich wieder zu mir kam, suchte ich nach dem Mann, fand ihn jedoch nicht. Ich blieb einige Stunden an diesem Ort sitzen, bis ich meine Kräfte wieder gesammelt hatte, dann betrachtete ich mich und fand mich in guter Verfassung. Daraufhin machte ich mich auf den Weg, bis ich meine Karawane erreichte. Als sie mich sahen, wunderten sie sich, und ich erzählte ihnen meine Geschichte. Ich verstand aber nicht, was die Worte des Mannes »Ein Bissen für einen Bissen« zu bedeuten hatten." Die Mutter überlegte und bemerkte schließlich, dass es zur gleichen Zeit geschehen war, als sie den Bissen aus ihrem Mund gezogen und gespendet hatte.

 

Das Almosen löscht den Zorn des Herrn, schützt nach Allâhs Erlaubnis vor dem Unheil, wendet Katastrophen ab und segnet das Leben. Mit Allâhs Erlaubnis kann ein Almosen großes Unheil abwenden, daher sollen wir das Almosen nicht verachten, auch wenn es geringfügig ist: "Schützt euch vor dem Höllenfeuer, auch wenn nur durch die Hälfte einer Dattel!" Diese Mutter war so besorgt wegen der langen Reise ihres Sohnes, dass sie nicht mehr auf seine Rückkehr zu hoffen wagte; aber das Almosen, das sie in ihrer Not gab, war der Grund für die Rettung ihres Sohnes vor dem sicheren Tod und der Grund für seine friedliche Rückkehr. Gebt also Almosen, denn das, was bei Allâh ist, ist besser und beständiger!


Für die Almosen gibt es großartige Belohnungen und Vorzüge, von denen ich folgende anführe:

 

Allâh der Erhabene sagt: "Ihr werdet die Güte nicht erreichen, bevor ihr nicht von dem ausgebt, was euch lieb ist. Und was immer ihr ausgebt, so weiß Allâh darüber Bescheid." (Sûra 3:92).

 

- Allâh der Erhabene sagt weiterhin: "Dahinschwinden lassen wird Allâh den Zins und vermehren die Almosen..." (Sûra 2:276).

 

- Allâh der Erhabene sagt ferner: "Nimm von ihrem Besitz ein Almosen, mit dem du sie rein machst und läuterst ..." (Sûra 9:103).

 

- Der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: "Allâh der Hocherhabene sagt: »Gebt her und ihr werdet versorgt!«" (Überliefert von Ahmad, Al-Buchârî und Muslim).

 

- Allâh der Erhabene sagt: "Wenn ihr Almosen offen zeigt, so ist es trefflich. Wenn ihr sie aber verbergt und den Armen gebt, so ist es besser für euch, und Er (Allâh) wird etwas von euren bösen Taten tilgen. Allâh ist dessen, was ihr tut, Kundig." (Sûra 2:271).

 

- Der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: "Gute Taten schützen vor Unheil, das geheime Almosen löscht den Zorn des Herrn und die Pflege der Verwandtschaftsbande verlängert die Lebensdauer." (Überliefert von Al-Mundhirî).

 

- Allâh der Erhabene sagt: "Sag: Gewiss, mein Herr gewährt die Versorgung großzügig, wem von Seinen Dienern Er will, und bemisst auch. Und was immer ihr auch ausgebt, so wird Er es euch ersetzen, und Er ist der Beste der Versorger. " (Sûra 34:39).

 

- Der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: "Jeden von euch wird Allâh direkt ansprechen, ohne Dolmetscher. Er blickt zu seiner Rechten und sieht nichts anderes als das, was er [an Taten] vorausgeschickt hat, er blickt zu seiner Linken und sieht nichts anderes als das, was er vorausgeschickt hat, und er blickt nach vorn und sieht nichts anderes als das Höllenfeuer vor ihm. So soll jeder von euch sich vor dem Höllenfeuer schützen, wenn auch nur durch eine halbe Dattel." (Überliefert von Muslim).

 

- Der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: "Das geheime Almosen löscht den Zorn des segensreichen und erhabenen Herrn." (Überliefert von Al-Mundhirî).

 

- Der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: "Das Almosen löscht die Sünde, ebenso wie das Wasser das Feuer löscht." (Überliefert von At-Tirmidhî).

 

-  Von Uqba ibn Âmir  möge Allah mit ihm zufrieden sein wurde berichtet, dass er den Gesandten Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagen hörte: "Jeder wartet [am Tag der Auferstehung] im Schatten seines Almosens, bis zwischen den Menschen gerichtet wird." (Überliefert von Al-Mundhirî). Yazîd sagte: "Abû Mirthad versäumte keinen Tag, ohne ein Almosen zu geben, und wenn es nur ein Stück Brot oder eine Zwiebel war."

 

- Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) erwähnte, dass zu den sieben Arten der Menschen, die Allâh am Tage (der Auferstehung) beschirmen wird, an dem kein anderer Schatten außer Sein Schatten sein wird, ein Mann gehört, der im Geheimen so spendete, dass seine linke Hand nicht erfuhr, was seine rechte Hand gegeben hatte. (Überliefert von Al-Buchârî).

 

- Der Gesandte Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: "Es beginnt kein Tag, den die Menschen am Morgen empfangen, ohne dass zwei Engel [auf die Erde] herabgesandt werden, und der eine von den beiden sagt: »O Allâh unser Herr, belohne den Freigebigen mit Gutem!« Und der andere sagt: »O Allâh unser Herr, gib dem Geizigen Verderben [in seiner Habe].«" (Überliefert von Al-Buchârî).

 

- Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: "Kein Vermögen wird durch Almosen vermindert." (Überliefert von Muslim).

- Allâh der Erhabene sagt: "... Was immer ihr an Gutem ausgebt, (das) ist für euch selbst..." (Sûra 2:272).

 

- Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) fragte Âischa  möge Allah mit ihr zufrieden sein nach dem, was von einem geschlachteten Schaf übrig geblieben war. Sie antwortete: "Nur seine Schulter ist übrig geblieben." Er sagte: "Alles ist geblieben, außer der Schulter." (Überliefert von At-Tirmidhî). Damit deutete er darauf hin, dass nur das beständig ist, was bei Allâh ist.

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