Eltern, wacht auf! Teil 2

Eltern, wacht auf! Teil 2
  • Veröffentlicht:03.06.2018
  • Kategorie:Eltern
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Ich bin einfach nur frustriert. Ich bin frustriert, weil es viele, viele junge Brüder und Schwestern gibt, die ich innig liebe und die sich, seitdem sie auf die High School gehen, drastisch verändert haben. Und wenn ich die Eltern dieser Kinder betrachte, dann weiß ich wirklich nicht, was man anderes hätte erwarten sollen. Die Eltern beten nicht. Wie können sie dies dann von ihren Kindern erwarten? Allâh der Allmächtige und Majestätische fordert uns auf: „…und verrichte das Gebet. Gewiss, das Gebet hält davon ab, das Schändliche und das Verwerfliche (zu tun)…“ (Sûra 29:45). Allâh ist weise. Er legt das Gebet für uns zu unserem eigenen Vorteil fest. Das Gebet ist die eine Sache, an der wir festhalten müssen – in einer Gesellschaft, die eindeutig zu Nacktheit und verbotenen sexuellen Beziehungen ermutigt.

 

Bin ich streng gegenüber den Eltern? Zweifellos! Aber ich versuche auch nicht die Anstrengungen jener Eltern zu untergraben, die hart arbeiten, um rechtschaffene Kinder in diesem Land aufzuziehen, oder selbst derjenigen, die es nicht so intensiv versuchen, sich jedoch aufrichtig wünschen, dass ihre Kinder gute Muslime werden.

 

Es geht mir lediglich darum, eine reale Gegebenheit zu erwähnen, deren Erwähnung ich selten gehört habe: Unmengen von Jugendlichen kümmern sich nicht ernstlich um ihre Beziehung zu Allâh dem Allerhöchsten. Sie verrichten nicht das rituelle Pflichtgebet. Sie machen sich nichts daraus, nicht zu beten. Und Eltern: Ihr müsst euch ernsthaft fragen: Als sie ins Pubertätsalter kamen und damit begannen, rebellisch zu agieren und sich auf für harâm erklärte Dinge zu stürzen (wovon ihr möglicherweise Kenntnis habt oder nicht), geschah dies wirklich, weil wir in Amerika sind und nicht „in der Heimat“, oder geschah es euretwegen?

 

Und nur nebenbei bemerkt: Ich will meine Eltern von dem Frust, über den ich schreibe, ausschließen. Aller Lobpreis gebührt Allâh! Allâh hat mich wirklich mit ihnen gesegnet – dieser Frust rührt nicht von meinen Erfahrungen mit ihrer Erziehung her. Er rührt von dieser tiefen Trauer her, die ich verspüre, wenn ich sehe, wie Menschen, um die ich mich sehr, sehr sorge, zu achtlosen Menschen werden, denen alles einfach völlig egal ist, nachdem ihnen Rechtleitung gewährt wurde (möge Allâh uns beschützen!). Und wenn ich versuche zu verstehen, warum dies geschah, erkenne ich, dass alles damit begann, dass die Mutter meiner Freundin ihr verbot den Hidschâb zu tragen (Habt ihr das gelesen? Möge Allâh ihr vergeben!). Oder die Eltern einer anderen Freundin von mir kauften ihr 2 Staffeln der Serie „Friends“. Was muss denn bloß im Herzen eines Menschen vor sich gehen, nachdem er über 24 Stunden lang „Friends“ gesehen hat?

 

Allâh ist Derjenige, Den wir um Hilfe bitten.

 

Ich meine, seht euch den Zustand unserer Umma an! Muslime werden geschlachtet! Und wir machen die amerikanische Außenpolitik dafür verantwortlich? Steht auf und betet das freiwillige zusätzliche Nachtgebet! Stellt euch vor, dass eine Milliarde Muslime das freiwillige zusätzliche Nachtgebet verrichten! Oder zumindest ihr Pflichtgebet. Denkt ihr, es wäre möglich, dass wir in derselben Lage sind, in der wir uns befinden? Niemals! Wenn eine Milliarde Muslime fünf Mal am Tag ihre Verbindung zu Allâh pflegen würde, dann würde auf jeder Landkarte – so Allâh will – „Palästina“ stehen, ohne dass es in der Mitte durchgestrichen ist. 

 

Umma! Wir können es – so Allâh will – schaffen! Eltern: Macht euch keine Sorgen! Wir alle machen Fehler, doch so Allâh will, können wir aus ihnen lernen. Lasst uns einfach reumütig zu Allâh zurückkehren, mit Aufrichtigkeit den „Sayyid Al-Istighfâr“ sagen, die ernsthafte Absicht fassen, uns um Veränderung zu bemühen, und dann einfach daran arbeiten, uns zu ändern! Wir gehen einen Schritt auf Allâh den Allmächtigen und Majestätischen zu, und Er wird uns entgegeneilen. Und wer könnte uns besser dazu verhelfen, erfolgreich zu sein, als der Herr der Himmel und der Erde?

 

Zudem einige Tipps für Eltern (ich werde euch nicht scharf kritisieren und dann hängen lassen), um euch zu helfen, eine enge Beziehung zu euren Jugendlichen aufzubauen – so Allâh der Erhabene will:

 

1. Wenn ihr Eltern von Kleinkindern seid (Grundschule und jünger): Verbringt sehr viel Zeit mit ihnen!

 

a) Seid für sie da! Etabliert das Gebet in ihren Herzen! Lest ihnen Qurân-Geschichten vor! (Es gibt eine Bücherreihe, die „Qurân-Geschichten für kleine Herzen“ heißt und online zu finden ist). Ein großer Fehler, den Eltern begehen, besteht darin, dass sie abwarten, bis ihr Kind 17 Jahre alt ist, und dann sagen: „Mein lieber Mann, ich denke, mein Kind ist wirklich auf dem falschen Weg!“ Und dann nehmen sie das Kind und suchen einen Imâm auf, in der Hoffnung, dass alles wieder bereinigt wird. Dies hätte zehn Jahre vorher getan werden sollen!

 

b) An der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen kann man erkennen, dass die ersten fünf Jahre im Leben eines Kindes die größte Wirkung auf sie haben. In diesen Jahren wachsen ihre Gehirne und werden geformt. Hilf also dabei, diese Gehirne im Einklang mit der Zufriedenheit Allâhs zu formen! Und wir hoffen, dass sie sich in dieser Weise mit Allâhs Erlaubnis weiterformen. 

 

2. Ermutigt zu offener Kommunikation!

 

a) Als ich in der Mittel- und Oberstufe war, sagten meine Eltern immerzu, dass sie für mich da seien, dass sie das, was ich durchmache, auch durchgemacht haben, dass sie Erfahrung haben, die meine Freunde nicht haben, dass sie mir helfen könnten und bereit dazu seien zuzuhören. Und wenn ich zu ihnen kam, kamen sie ihrem Angebot tatsächlich nach. Wenn ich etwas falsch machte (was heute immer noch oft passiert), kritisierten sie mich nicht scharf und brachten mich nicht dazu, mich dafür schuldig zu fühlen, dass ich zu ihnen kam. Sie erleichterten eine offene Beziehung und waren wie mein Rückgrat, als ich den Gruppenzwang in der Mittel- und Oberstufe durchlebte. 

 

b) Und wenn ihr zu einer offenen Kommunikation ermutigt, dann stellt sicher, dass ihr da seid, um sie behutsam durch die Schwierigkeiten der Jugend zu führen! In der High School gab es einen Bruder, den Allâh wirklich mit Schönheit gesegnet hat! Die nicht-muslimischen Mädchen schmissen sich buchstäblich an ihn heran. Ich erinnere mich daran, dass ich einmal an ihm vorbeilief und sah, wie dieses Mädchen weniger als einen Fuß entfernt von ihm stand und versuchte ihm nahezukommen. Und ich erinnere mich an sein Bemühen, die Verlockung, ihr nahezukommen, zu bekämpfen. Wenn euer Kind zu euch kommt, sei es Tochter oder Sohn, und euch erzählt, dass es etwas falsch gemacht hat, dann kritisiert es nicht scharf! Es ist schwierig, mit den Hormonschwankungen umzugehen, die sie in einer Kultur durchleben, die sie dazu ermuntert, ihre Begierden umgehend zu befriedigen. Sagt ihnen, wie stolz ihr auf sie wegen ihrer Bemühungen seid! Lest ihnen den Qurân-Vers vor, in dem Allâh uns sagt: „Und diejenigen, die, wenn sie eine Abscheulichkeit begangen oder sich selbst Unrecht zugefügt haben, Allâhs gedenken und dann für ihre Sünden um Vergebung bitten - und wer sollte die Sünden vergeben außer Allâh? - und (die) nicht auf dem beharren, was sie getan haben, wo sie doch wissen.“ (Sûra 3:135).

 

c) Wahrlich, Allâh ist der Allvergebende, und Er ist der Rechtleitende. Helft ihnen, zu verstehen, dass sie sich immer wieder an Ihn wenden können, zu jeder Zeit, und dass ihr für sie da seid, um sie bei der Anstrengung zu unterstützen, zu Ihm zurückzukehren, indem sie ihre Begierden bekämpfen! 

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