Im Schatten des Throns - Teil 1

Im Schatten des Throns - Teil 1
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Imâm Muslim überlieferte einen furchterregenden Hadîth von Al-Miqdâd ibn Al-Aswad  möge Allah mit ihm zufrieden sein, der sagte, dass er den Propheten Muhammad (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) Folgendes sagen hörte:

 

„Die Sonne wird sich den Geschöpfen am Tag der Auferstehung nähern, bis sie lediglich eine Meile entfernt ist. Die Menschen werden entsprechend dem Stand ihrer Taten schwitzen. Einige werden bis zu ihren Fußknöcheln vom Schweiß bedeckt, einige bis zu ihren Knien, andere bis zu ihren Schultern, einigen wird er bis zur Gurgel reichen.“ Und er (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) zeigte auf seinen Mund.

 

Der Sommer hat uns hier und auf der ganzen Nordhalbkugel erreicht. Für diejenigen, die in den tropischen Regionen leben, ist der Sommer eine sehr schwierige Jahreszeit. 

 

Er ist heiß und feucht. Die Menschen versuchen in den Häusern zu bleiben, da sie wissen, dass das Hinausgehen ihnen wegen der Hitze Kopfschmerzen verursachen wird. Sehr oft versuchen die Menschen, immer wenn sie draußen sind, nach Hause zu eilen, um bequem in ihren Zimmern zu liegen. Wenn möglich ist jedes Zimmer klimatisiert, damit es kühl bleibt.

 

Diese Hitze ist unerträglich, obwohl die durchschnittliche Entfernung zwischen der Sonne und der Erde 149 Millionen Kilometer beträgt!

 

Stelle dir nun den Tag des Gerichts vor, an dem man so lange steht und die Sonne lediglich eine Meile entfernt ist! Es gibt keine Macht und keine Kraft außer durch Allâh! An diesem Letzten Tag gibt es keine Klimaanlage, keinen Ventilator und keine Abkühlung, sondern genau das Gegenteil. Sowohl Al-Buchârî als auch Muslim überlieferten einen Hadîth von Âischa  möge Allah mit ihr zufrieden sein, in dem sie erwähnt, dass der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) Folgendes sagte: „Ihr werdet barfüßig, nackt und unbeschnitten versammelt.“

 

Ich weiß nicht, wie die Menschen sich dabei tatsächlich fühlen, doch mein Herz ist mir jetzt schon in die Hose gerutscht! Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie ich diese Tortur durchstehen soll. Während es entsprechend dem Nennwert unglaublich erscheint, sollten wir uns daran erinnern, dass Allâh sagt, dass der Tag des Letzten Gerichts der definitive Tag ist und zudem der definitiv kommende Tag. Wenn ich über diese Namen nachdenke, dann verstehe ich besser, warum er auch treffenderweise der Tag der Verzweiflung genannt wird.

 

Jedoch besteht unsere Beziehung zu Allâh aus Liebe, Furcht und Hoffnung. Während wir diesen Tag fürchten, hoffen wir auf Allâhs unermessliche Barmherzigkeit und sollen daran glauben, dass Allâh – so Er will – einen Ausweg für uns schaffen wird. Dieser Tag wird auch der Tag der Trennung genannt. Denn die Bösen werden von den Guten getrennt, und die Gläubigen von den Ungläubigen.

 

So Allâh will, gibt es einen Ausweg für die Gläubigen. Und aller Preis gebührt Allâh, dass die Lösung für jedes Problem ebenfalls bei Ihm liegt!

 

Der Prophet Muhammad (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Es gibt sieben, denen wird Allâh schützenden Schatten gewähren am Tag, an dem es keinen schützenden Schatten gibt außer Seinem Schatten...” (Berichtet von Abû Huraira, überliefert von Al-Buchârî und Muslim).

 

Allâh ist größer! Allâh ist wahrhaftig allbarmherzig! Er ist nicht nur barmherzig, weil Er uns den ganzen Tag und die ganze Nacht mit Seiner Barmherzigkeit überschüttet, sondern Er ist auch barmherzig, weil er uns die Wege und Abläufe schafft, durch die wir am Tage des Letzten Gerichts vor Seinem Zorn gerettet werden. Dieser Hadîth geht weiter und erwähnt, wer zu jenen gehören wird, denen schützender Schatten gespendet werden wird:

 

„… 1. Ein gerechter Herrscher, 

2. ein Jugendlicher, der in der Anbetung Allâhs des Erhabenen und Majestätischen aufwächst, 

3. ein Mann, dessen Herz an den Moscheen hängt, 

4. zwei Menschen, die sich einander um Allâhs Wohlgefallen willen lieben, sich deshalb treffen und deshalb auseinandergehen, 

5. ein Mann, den eine Frau von Rang und Schönheit einlädt, woraufhin er sagt: »Ich fürchte wahrhaftig Allâh!«, 

6. ein Mann, der so spendet und es derart verbirgt, dass seine linke Hand nicht weiß, was seine rechte Hand spendet, und 

7. ein Mann, der Allâhs im Stillen gedenkt und aus dessen Augen deshalb Tränen laufen.“

 

1. Ein gerechter Herrscher

 

Das Konzept der Gerechtigkeit ist im Islâm etwas Grundlegendes und etwas, was jeder Muslim – sowohl Herrscher als auch Beherrschter – in allen Angelegenheiten ausnahmslos anwenden muss.

 

Gerechtigkeit bedeutet, jedem das Recht zu geben, das einem zusteht - Muslim oder Nicht-Muslim, Verwandter oder Fremder, Freund oder Feind. Allâh sagt: „…Und der Hass, den ihr gegen (bestimmte) Leute hegt, soll euch ja nicht dazu bringen, dass ihr nicht gerecht handelt. Handelt gerecht! Das kommt der Gottesfurcht näher…“ (Sûra 5:8).

 

Selbst wenn wir dies theoretisch akzeptieren, vergessen wir es leider oft in der Praxis. So sehen wir etwa, dass wir beim Sprechen über unsere Freunde und Verwandte diese übermäßig loben und beim Sprechen über diejenigen, mit denen wir Meinungsverschiedenheiten haben, nichts Gutes an ihnen entdecken können und uns nur auf ihre negativen Seiten konzentrieren. Dies ist weit entfernt von der Gerechtigkeit, die Allâh, wie in folgendem Hadîth erwähnt, reichlich belohnt: „Die gerecht Handelnden werden sich auf Thronen aus Licht zu Allâhs rechter Hand befinden – und beide Hände Allâhs sind rechte Hände.“ (Muslim). Diese verdienstvollen Gläubigen waren gerecht in ihren Anordnungen, mit ihren Familien und bei allen Dingen, für die sie verantwortlich sind. Wenn uns Verantwortung gegenüber einer Gruppe von Menschen gewährt wird, sei es politisch oder anderweitig, und wir gerecht sind, dann können wir darauf hoffen, dass uns der Schatten des Thrones Allâhs gewährt wird.

  

2. Ein Jugendlicher, der in der Anbetung Allâhs aufwächst

 

Ein weiterer interessanter Hadîth des Gesandten Allâhs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) kommt mir hier in den Sinn:

 

„Nutze fünf vor fünf: deine Jugend vor deinem Alter, deine Gesundheit vor deiner Krankheit, deinen Wohlstand vor deiner Armut, deine Freizeit, bevor du beschäftigt bist und dein Leben vor deinem Tod!“(Überliefert von Imâm Ahmad).

 

Ein Scheich sagte in einer Predigt: „Die Jugend ist eine Zeit, in der ein Mensch am tatkräftigsten ist, in der er die Grundlagen für seine Zukunft legt und in der er sein Leben plant. Deshalb sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken), dass man diese Zeit nutzen soll, bevor die Zeit kommt, in der man diesen Enthusiasmus, diesen Eifer oder diese Zukunftsperspektiven nicht mehr hat. Enthusiasmus und Energie, mit denen man gesegnet wurde, werden einem nach dieser Altersstufe nie wieder gegeben werden. Deshalb sagte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken), dass man die Gelegenheit ergreifen und Nutzen daraus ziehen sollte. Ein Mensch soll diese Energie um Allâhs willen nutzen, indem er sich Wissen über Allâh aneignet, erlaubten Lebensunterhalt verdient, und Allâh mit Handlungen anbetet, die er später im Leben möglicherweise nicht mehr verrichten kann!“

 

Zudem ist dieses junge Alter eine Zeit, in der die Gelüste größer sind, und der Tatendrang - sei er gut oder schlecht - stärker ist. Der Verstand ist rebellisch und die Verlockungen des Satans auf einem Höchststand. Derjenige, der seine Schuldigkeit in der eigenen Zurückhaltung tut und Allâh gehorcht, der verdient sicher den Schatten unter dem Thron Allâhs!

 

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