Der Gläubige soll nicht vom selben Loch zweimal gestochen werden!

Der Gläubige soll nicht vom selben Loch zweimal gestochen werden!
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Es ist eine prophetische Weisung, vorsichtig zu sein und Maßnahmen zum Schutz zu treffen, insbesondere wenn es um diejenigen geht, die sich als unehrlich erwiesen haben. Es ist für einen Muslim unwürdig, leichtgläubig zu sein und sich zweimal durch denselben Trick täuschen zu lassen. Jemand mag vielleicht nicht die wahre Natur der Dinge sehen und sich daher von ihnen täuschen lassen. Das kann passieren. Aber nicht vorsichtig zu sein und sich in einer Angelegenheit zweimal täuschen zu lassen, ist eine nicht hinnehmbare Naivität, die für einen Gläubigen ungebührlich ist. Diese Vorschrift ist ein universeller Grundsatz und ein äußerst nützlicher Ratschlag, der in einer prägnanten Aussage des großen Meisters der Redekunst, des Propheten Muhammad (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) formuliert wurde.
Abû Huraira (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) überlieferte, dass der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Der Gläubige soll nicht vom selben Loch zweimal gestochen werden!“ (Al-Buchârî und Muslim).
Der Hadîth verwendet das arabische Verb „Yuldagh“, worunter man versteht, dass man von einem giftigen Lebewesen wie Skorpionen und Schlangen gebissen oder verletzt wird. Der Begriff „Dschuhr“ (Loch) bezeichnet die von Ungeziefer und wilden Tieren ausgehobene Höhle.
In Anbetracht des reichen und tiefen Inhalts dieser prägnanten prophetischen Weisung haben die Hadîth-Kommentatoren zahlreiche Auslegungen geliefert, die trotz der Kürze dieser Überlieferung allesamt möglich sind.
Al-Hâfith Ibn Hadschar (Allâh erbarme sich seiner) führte einige dieser möglichen Erklärungen an. Er zitierte Al-Chattâbi (Allâh erbarme sich seiner) und sagte: „Der Wortlaut dieses Hadîth hat die Bedeutung eines Gebots, als ob er sagen würde: Der Gläubige soll entschlossen und vorsichtig sein, damit er nicht zweimal aufgrund von Nachlässigkeit getäuscht wird. Dies gilt für die eigenen religiösen Angelegenheiten ebenso wie für die weltlichen. Tatsächlich verdienen die religiösen Angelegenheiten eine größere Vorsicht und Behutsamkeit. Es wurde auch gesagt, der Ausspruch: ‚Der Gläubige soll nicht vom selben Loch zweimal gestochen werden!‘ bedeutet, dass ein Mensch, der eine Sünde begeht und im weltlichen Leben die ihm gebührende Strafe erhält, im Jenseits nicht noch einmal dafür bestraft wird. Ich denke, wenn gemeint ist, dass die allgemeine Darstellung gemäß Wortlaut des Hadîth diese Bedeutung beinhaltet, so ist dies möglich, andernfalls unterstützt der Kontext des Hadîth diese spezifische Bedeutung nicht. Dies wird auch durch die Auffassung unterstützt, dass der Hadîth sowohl eine Warnung enthält, sich nicht reinlegen zu lassen, als auch einen Hinweis darauf, dass man scharfsinnig sein muss.“
Der Hadîth ermahnt einen Muslim zur Vorsicht vor möglichen Schäden in seinen weltlichen oder jenseitigen Angelegenheiten. Er wird aufgefordert, in allen seinen Angelegenheiten wachsam und umsichtig zu sein. Die Tatsache, dass der Wortlaut des Hadîth auf die weltlichen Angelegenheiten ausdrücklich hinweist, hindert ihn nicht daran, die Worte so auszulegen, dass sie sowohl für die weltlichen als auch für die religiösen Angelegenheiten gelten. Was zählt, ist die allgemeine Aussage, nicht der spezifische Kontext, in dem sie gemacht wurde.
In seiner Erklärung zum Hadîth sagte Ibn Al-Humâm (Allâh erbarme sich seiner): „Der Hadîth ‚Der Gläubige soll nicht vom selben Loch zweimal gestochen werden!‘ kann als Verbot gelesen werden: Der Gläubige möge aufmerksam und umsichtig sein, damit er nicht zweimal auf die gleiche Weise zu Schaden kommt. Dies ist ein Beispiel für die prägnante Aussage des Propheten (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken), die noch niemand vor ihm formuliert hatte. Die Absicht war, den Gläubigen davor zu warnen, sich demselben Schaden zweimal auszusetzen, wobei dies von ihm sowohl für die Angelegenheiten des Jenseits als auch für seine weltlichen Angelegenheiten verlangt wird. Wenn ein Gläubiger eine Sünde begeht, sollte sein Herz genauso wehtun wie sein Körper, der gestochen wird. Auf diese Weise vermeidet er es, die Sünde erneut zu begehen. Als der Prophet Yûsuf (Josef –  Frieden sei auf ihm ) nach dem Zwischenfall beinahe auf die Verführung Zulaichâs einging, sprach er nicht mehr mit einer Frau, außer er bedeckte sein Gesicht.“
Es liegt auf der Hand, dass ein Muslim diese prophetische Weisung in all seinen Angelegenheiten beachten muss, insbesondere bei Menschen, die grundsätzlich hinterhältig und unehrlich sind und für ihre bösen Absichten gegenüber Muslimen bekannt sind. Ein Gläubiger sollte sich vor den Machenschaften Satans und feindlich gesinnten Menschen in Acht nehmen. Es ist ungebührlich für einen Muslim, sich von ihren Ränken und Betrügereien verwundbar zu machen. Das Grundprinzip im Umgang der Muslime mit ihnen sollte äußerste Vorsicht, Aufmerksamkeit und Umsicht sein. Andernfalls würde er immer wieder von ihnen Schaden erleiden und ernsthaften Gefahren ausgesetzt sein.

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