Wer den anderen zuerst begrüßt, ist besser

Wer den anderen zuerst begrüßt, ist besser
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Es gibt kein einziges Mittel, um das brüderliche Miteinander und die Einheit der Muslime zu fördern, außer dass der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) dies gepredigt und dazu angespornt hat.

Deshalb gebot er Freundlichkeit, die Pflege der verwandtschaftlichen Beziehungen, das Verbreiten von Friedensgrüßen, die Darbringung von Speisen, das Lieben anderer um Allâhs willen, den Besuch anderer um Allâhs willen, die Annahme von Einladungen, das Sagen von „Yarhamukallâh“ (möge Allâh sich deiner erbarmen) zu einem Nieser, den Krankenbesuch und die Teilnahme am Trauerzug (zu den Friedhöfen). Er vermittelte den Muslimen auch wichtige Moralvorstellungen und Umgangsformen, die die Zusammengehörigkeit unter den Menschen stärken, die Freundlichkeit wahren und die gegenseitige Wertschätzung fördern.

Doch gleichzeitig gibt es kein einziges Mittel, das zu Uneinigkeit, Streit, Groll und Hass führt, außer dass der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) es verbot und davor warnte.

Aus diesem Grund verbot er Verleumdungen, üble Nachrede, Beleidigungen, falsche Anschuldigungen, Unterstellungen, Neid und Beschimpfungen sowie alle anderen Worte oder Taten, die zu Groll und Streitigkeiten unter den Mitgliedern der Gemeinschaft führen könnten.

Manchmal kann ein Mensch von Wut oder Achtlosigkeit überwältigt werden und seinen Bruder mit einem Wort oder einer Handlung beleidigen, was zu Zwietracht und zum Abbruch der Beziehungen zwischen ihnen führt. Der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) warnte streng davor und sagte: „Die Krankheit der Völker vor euch schleicht sich auf euch zu: Neid und Hass; der Hass ist die Hâliqa (die Rasierende). Ich spreche nicht davon, was die Haare schneidet, sondern was die Religion rasiert. Bei dem, in dessen Hand meine Seele ist, ihr werdet das Paradies erst betreten, wenn ihr glaubt. Und ihr werdet erst glauben, wenn ihr euch gegenseitig liebt. Wollt ihr wissen, was euch gegenseitig lieben lässt? Verbreitet den Friedensgruß untereinander!“ (At-Tirmidhî).

Abu Huraira (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) überlieferte, dass Allâhs Gesandter (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Die Tore des Paradieses werden am Montag und am Donnerstag geöffnet, da wird jedem anbetend Dienenden, der Allâh nichts beigesellt, vergeben, außer einem, der Groll gegen seinen Bruder (im Islâm) hegt. Es wird gerufen: ‚Gewährt diesen beiden Aufschub, bis sie sich versöhnen! Gewährt diesen beiden Aufschub, bis sie sich versöhnen! Gewährt diesen beiden Aufschub, bis sie sich versöhnen!‘“ (Muslim).

Al-Bâdschi (Allâh erbarme sich seiner) sagte: „Es bedeutet – und Allâh weiß es am besten –, dass ihre Vergebung aufgeschoben wird, bis sie sich versöhnt haben.“

In Anlehnung an Abû Ayyûb Al-Ansârî (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) wird überliefert, dass der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Es ist einem Muslim nicht erlaubt, seinen Bruder mehr als drei Tage zu meiden. Wenn sie sich treffen, wendet sich jeder von dem anderen ab. Der bessere der beiden ist derjenige, der den anderen zuerst begrüßt“ (Al-Buchârî).

Der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) machte klar, dass die Versöhnung zwischen streitenden Menschen einer der besten Formen der Almosenspende ist. Sie ist sogar besser als freiwillige gottesdienstliche Handlungen, denn die Versöhnung zwischen Menschen bringt Vorteile, die sich auch auf andere erstrecken und dazu führen, dass verwandtschaftliche Bindungen, die getrennt wurden, gepflegt und verlassene Muslime wieder besucht werden. Dies führt zur Einheit und zum Wohlergehen der muslimischen Gesellschaft und fördert ihre Stabilität, indem es die Harmonie, die Liebe und den Zusammenhalt zwischen ihren Mitgliedern stärkt.

In Anlehnung an Abû Ad-Dardâ (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) wird berichtet, dass Allâhs Gesandter (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Soll ich euch verraten, was im Rang besser ist als Gebet, Fasten und Almosen?“ Die Prophetengefährten sagten: „Ja!“ Er sagte: „Die Versöhnung zwischen den Menschen, denn der Groll unter den Menschen ist die Hâliqa (Rasierende).“ Eine andere Überlieferung besagt: „Ich spreche nicht davon, was die Haare schneidet, sondern was die Religion rasiert“ (At-Tirmidhî).

At-Tîbî (Allâh erbarme sich seiner) sagte: „Der Hadîth drängt darauf, die Menschen zu versöhnen und die Beziehungen zwischen ihnen nicht zu zerstören, denn Versöhnung ist ein Grund, am Seil Allâhs festzuhalten und Uneinigkeit unter den Muslimen zu vermeiden, während Streitigkeiten einen Bruch in der Religiosität der Menschen verursachen. Wer versucht, die Beziehungen zwischen den Menschen zu verbessern und Streitigkeiten zu beseitigen, erreicht einen Rang, der größer ist als der Rang desjenigen, der fastet, nächtliche Gebete verrichtet und nur auf sein eigenes Wohl bedacht ist“ (Aun Al-Ma’bûd).

Al-Auzâî (Allâh erbarme sich seiner) sagte: „Es gibt keinen Schritt, der Allâh dem Allmächtigen lieber ist als ein Schritt zur Versöhnung zwischen den Menschen. Wer zwei Menschen miteinander versöhnt, dem gewährt Allâh der Allmächtige Sicherheit vor dem Höllenfeuer.“

Obwohl der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) von allen Menschen der am meisten beschäftigte war und die größte Verantwortung trug, hielt ihn das nicht davon ab, sich zu beeilen, die Streitigkeiten unter den Mitgliedern seiner Gemeinschaft zu schlichten. Die Versöhnung zwischen den Menschen bringt die Herzen zusammen, stärkt die Bande der Brüderlichkeit, beseitigt den Groll und setzt damit der Uneinigkeit ein Ende.

In Anlehnung an Sahl ibn Sa‘d (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) wurde überliefert, dass die Menschen in Qubâ einst untereinander so sehr stritten, dass sie sich gegenseitig mit Steinen bewarfen. Als der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) darüber informiert wurde, sagte er: „Lasst uns hingehen, um zwischen ihnen zu schlichten“ (Al-Buchârî).

Ibn Hadschar (Allâh erbarme sich seiner) sagte: „Zu den aus diesem Hadîth abgeleiteten Erkenntnissen gehören: die Vorzüge der Schlichtung von Streitigkeiten, die Vereinigung von Stammesmitgliedern, die Beseitigung dessen, was zum Abbruch von Beziehungen führen kann, und dass der Machthaber aus diesem Grund persönlich zu seinen Gefolgsleuten gehen kann.“

Ibn Battâl (Allâh erbarme sich seiner) sagte: „Zu den Lehren, die sich aus diesem Hadîth ableiten lassen, gehören: die Demut des Propheten (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) und sein Bestreben, Streitigkeiten zu beenden und die Ursachen für die Uneinigkeit unter seinem Volk zu beseitigen, so wie Allâh der Allmächtige ihn beschrieb.“

Die Versöhnung zwischen den Menschen ist ein edler Charakterzug, den der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) den Muslimen durch seine Worte und Taten auftrug und sie dazu drängte, ihn zu praktizieren, weil dadurch Liebe und Zuneigung unter den Menschen gefördert werden. Im Gegensatz dazu schadet die Zerstörung der Beziehungen zwischen den Menschen der Gesellschaft durch die Zunahme von Streitigkeiten und Konflikten.

Wenn jemand von einem Muslim um Versöhnung gebeten wird, sollte er dies akzeptieren, um dadurch besser abzuschneiden, denn wer den anderen zuerst grüßt, ist besser, so wie uns der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) darüber informierte.
 

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