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Die Gaben Allâhs – Teil 2

Die Gaben Allâhs – Teil 2

Die Weisheit Allâhs sorgt dafür, dass die Tyrannei erst dann überwältigt und der Sieg nur dann gewährt wird, nachdem man Leid erlitten und die Macht der Falschheit erlebt hat. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Herzen sich selbst zur Rechenschaft ziehen und die Seelen geprüft und erzogen werden. Die Wahrheit wird dadurch von der Falschheit getrennt. Wer hiernach aus dem Leben scheidet, während er den Glauben verweigert, der stirbt bewusst in seinem Unglauben. Genau darum ging es im vorherigen Qurân-Vers: um die Macht Pharaos, das von ihm verbreitete Unheil und wie er die Kinder Israel unterdrückte. Allâh der Erhabene sagt: „Gewiss, Pharao zeigte sich überheblich im Land und machte seine Bewohner zu Lagern, von denen er einen Teil unterdrückte, indem er ihre Söhne abschlachtete und (nur) ihre Frauen am Leben ließ. Gewiss, er gehörte zu den Unheilstiftern“ (Sûra 28:4).

Imâm As-Schafiî (Allâh erbarme sich seiner) wurde gefragt: „Was ist für einen Gläubigen besser: Macht oder Leid?“ Er antwortete: „Keine Macht für ihn, bis er Leid erfährt.“ In diesen Worten ist ein Hinweis darauf, dass Kummer und Leid den Weg zur Machtübernahme ebnen, die Selbstbestimmung einläuten und die Menschen läutern. Schließlich waren es ja die Propheten und rechtschaffene Menschen, die die schlimmsten Prüfungen erleiden mussten.

Imâm An-Nawawî (Allâh erbarme sich seiner) schrieb Folgendes: „Die Gelehrten sagten: ‚Die Weisheit hinter der Tatsache, dass die Propheten – dann die Frömmsten und dann die weniger frommen – von Prüfungen und Nöten heimgesucht wurden, besteht darin, dass sie besonders geduldig waren und aufrichtig nach der Belohnung Allâhs strebten. Diese Menschen wussten sehr wohl, dass Leid in Wirklichkeit eine Gnade Allâhs ist, um für sie das Gute zu vervollkommnen, ihre Belohnung zu vervielfachen und ihre Geduld und Zufriedenheit zum Vorschein kommen zu lassen.‘“

Diese himmlischen Gnadengaben haben Merkmale und Bedingungen, wie Glaube, Geduld, Standhaftigkeit, Anstrengung, Wahrhaftigkeit und rechtschaffenes Handeln, Ehrlichkeit, Abstand von Sünden, Gottesfurcht, Einsatz beim Ruf zu Allâh sowie Gewissheit und positives Denken. All diese Eigenschaften wurden vom Propheten (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) beigebracht. Denn seine Schule lehrt Geduld in Zeiten der Not, Gewissheit in Zeiten der Bedrängnis, Optimismus in schwierigen Situationen und Beharrlichkeit, selbst wenn die Heuchelei dominiert. Allâh der Erhabene sagt: „Doch sie gaben nicht auf ob dessen, was sie auf Allâhs Weg traf, noch wurden sie schwach, noch unterwarfen sie sich. Und Allah liebt die Standhaften“ (Sûra 3:146).

Der Gesandte Allâhs (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) und seine Weggefährten waren schwach und wurden unterdrückt. Daraufhin gewährte Allâh ihnen Seine Gaben und Seine Güte umfasste sie. Der versprochene Sieg trat schließlich ein. Allâh der Allmächtige sagt: „Und gedenkt, als ihr wenige wart und auf der Erde unterdrückt wurdet und fürchtetet, dass euch die Menschen wegschnappen würden! Da hat Er euch Zuflucht gewährt, euch mit Seiner Hilfe gestärkt und euch mit (einigen von) den guten Dingen versorgt, auf dass ihr dankbar sein möget“ (Sûra 8:26).

Viele Menschen wurden unterdrückt, verfolgt und ihre Rechte wurden beschnitten. Doch dann ersetzte Allâh ihre Furcht durch Sicherheit. Er gewährte ihnen Glückseligkeit und befähigte sie, ihre Religion und ihr rechtschaffenes Tun aufrechtzuerhalten, weil sie standhaft waren, an ihren Überzeugungen festhielten und sich weigerten, Abstriche an ihrer Religion zu machen. Allâh der Allmächtige sagt: „Allâh hat denjenigen von euch, die glauben und rechtschaffene Werke tun, versprochen, dass Er sie ganz gewiss als Statthalter auf der Erde einsetzen wird, so wie Er diejenigen, die vor ihnen waren, als Statthalter einsetzte, dass Er für sie ihrer Religion, der Er für sie zugestimmt hat, ganz gewiss eine feste Stellung verleihen wird, und dass Er ihnen nach ihrer Angst (, in der sie gelebt haben,) statt dessen ganz gewiss Sicherheit gewähren wird. Sie dienen Mir und gesellen Mir nichts bei. Wer aber danach ungläubig ist, jene sind die (wahren) Frevler“ (Sûra 24:55).

Unter ihnen befanden sich Gelehrte und rechtschaffene Menschen, die die himmlischen Gnadengaben erhielten. Sie übten sich in Geduld, trachteten nach dem Lohn Allâhs und ertrugen das Leid im Wissen, dass dies der einzige Weg zur Besserung ist, der zwangsläufig beschritten werden muss.

Falls das Leben dich einholt und du auf Widrigkeiten stößt, Leid und Kummer erleben musst, dann denke über diese Zeilen nach, um daraus eine Lehre zu ziehen. Auf diese Weise erlangt dein Herz Gewissheit und positives Denken erfüllt dich. Widme dich dem Guten und lerne aus der Lebensgeschichte des Propheten (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) und von den Geschichten jener, die Leid erfuhren, schließlich erlöst wurden und Wohlbefinden genossen. Allâh der Erhabene sagt: „Und Allâh ist in Seiner Angelegenheit überlegen. Aber die meisten Menschen wissen nicht“ (Sûra 12:21).

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