Idealer Partner

Idealer Partner
  • Veröffentlicht:08.09.2021
  • Kategorie:Eheleben
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Einst begegnete ich einer Frau, die nie geheiratet hat. Sie sei auf der Suche nach einem perfekten Partner, gab sie gewöhnlich als Grund an.

„Vielleicht hast du aber in all den Jahren jemanden gefunden, der deinem Ideal nahekommt“, warf jemand ein. „Das stimmt“, antwortete sie. „Leider war er ebenfalls auf der Suche nach seiner Traumfrau. Ich entsprach nicht seinen Vorstellungen.“

Bedeutet dies nun, dass nur derjenige, der selbst vollkommen ist, nach einem perfekten Partner Ausschau halten sollte? Geht es um die eigene Person, meinen wir stets, vollkommen zu sein, doch bei anderen sind wir geübt darin, Mängel zu finden. Dies bringt uns zur eigentlichen Ursache für Leid, unerfüllte Erwartungen und Trennungen: Wir sind uns unserer eigenen Unzulänglichkeiten nicht bewusst und finden stattdessen Fehler bei unseren Partnern. Vom Einfluss der Medien bis hin zu endlosen Vergleichen mit anderen entwickeln wir unsere eigenen Unsicherheiten und bilden dann übertriebene Vorstellungen davon, wie unsere Partner uns lieben sollten, um unsere Zweifel zu besänftigen. Bei all diesen Bemühungen übersehen wir völlig, was sie alles aus Liebe für uns tun.

Ich ärgere mich beispielsweise darüber, dass mein Mann mir seit langem keine Blumen gebracht hat. Außerdem kommt er abends immer spät von der Arbeit nach Hause und begibt sich zuerst zum Islâmkurs in die Moschee. Mir und meinen Kindern bleibt nur noch wenig Zeit übrig. Klingt nach einem ziemlich hartherzigen Ehemann, nicht wahr?

Betrachte ich das aber aus einem positiven Blickwinkel, so gibt es einiges über sein gutes Verhalten zu erzählen, wie er sich um all meine Bedürfnisse kümmert, noch bevor ich sie zum Ausdruck bringe. Erst gestern bat er mich, ins Bett zu gehen und mich auszuruhen, während er selbst unsere Kleine zu Bett brachte. Ach ja, er nahm es mir auch nicht übel, dass ich letzten Monat seinen Pass verloren hatte. Als ich seinen Pass schließlich fand, belohnte er mich stattdessen mit einem goldenen Armband. Das klingt nun nach einem gutherzigen Ehemann. Was seine späte Heimkehr von der Arbeit betrifft, so erhalte ich eine große Belohnung für meine Geduld, während sich mein Mann auf Allâhs Weg bemüht, um sich Wissen anzueignen.

Der Blick des Betrachters

Es kommt also darauf an, wie wir die Dinge wahrnehmen. Ich habe ihn zunächst aufgrund meiner hohen, unerfüllten Erwartungen als hartherzigen Ehemann beschrieben. Aber in Wahrheit erweist er sich stets als gutherziger Ehemann. Entweder gestalten wir unser Leben gemäß den Enttäuschungen oder schätzen, was wir haben.

Wir bringen uns gegenseitig ohne Anlass zum Lächeln und Schmunzeln und machen uns füreinander schick. Unsere Blicke trennen sich nicht. Sind wir getrennt, sehnen sich unsere Herzen füreinander. Verbringen wir Zeit miteinander, so machen wir das Beste daraus. Der letzte Bissen gehört stets dem anderen. Es ist ein Leichtes, den Partner zum Schmelzen zu bringen. Aber genug der Schmeichelei.

Die eigentliche Aufgabe besteht nach wie vor darin, nicht die Fehler unserer Partner zu suchen und sie für das zu schätzen, was sie sind. Es ist nicht möglich, keine Dornen zu mögen, aber gleichzeitig die Blumen des Glücks haben zu wollen.

Abdullâh (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) überlieferte, dass der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Ein Gläubiger verletzt nicht die Ehre anderer, verflucht nicht, noch ist er vulgär oder obszön“ (At-Tirmidhî). Ibn Abbâs (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) sagte: „Wenn du die Fehler deines Gefährten erwähnen willst, denke zuerst an deine eigenen Fehler“ (Al-Adab Al-Mufrad; da’îf nach Al-Albânî). Ein Dichter sagte: „Wenn du die Fehler anderer verbirgst, sei wie die Nacht.“

Schönheit in unserem Benehmen

All diese Überlieferungen handeln von gutem Verhalten gegenüber all unseren Mitmenschen, ob sie uns nahestehen oder nicht. Gute Umgangsformen haben im Islâm einen hohen Stellenwert, denn mangelt es an gutem Benehmen, zieht es den Menschen zu allem Bösen hin. Die Fülle von Verleumdungen, Beleidigungen, Habgier und Egoismus, die wir in unseren Gesellschaften erleben, zeigt uns deutlich die tragischen Folgen des Mangels an guten Umgangsformen in der Welt.

Auch wir sollten uns im Klaren sein, wie wichtig gutes Benehmen gegenüber jemandem ist, der uns so nahe ist wie unsere Kleidung, denn im Qurân heißt es: „Sie sind euch ein Kleid, und ihr seid ihnen ein Kleid“ (Sûra 2:187).

Den eigentlichen Wert des Glücklichseins mit unseren Ehepartnern erkennen wir daran, ob sich alle anderen Lebensaspekte um unsere Ehe drehen. Wenn du beispielsweise mit deinem Ehepartner in einen Streit gerätst, so würde dies deinen Schlaf rauben und dich den ganzen Tag nachdenklich stimmen – Allâh bewahre! Fühlst du dich hingegen wohl in deiner Ehe, kannst du dich auf die angenehmen Dinge des Lebens konzentrieren, wie Arbeit, Hobbys, Familie und Religion. Ein gesundes Eheleben hat auch einen deutlichen Einfluss auf unsere körperliche Gesundheit, denn dann fühlen wir uns besser, sehen besser aus und können das Leben mehr genießen.

Anstatt also immer das Beste aus unserem Partner herausholen zu wollen, sollten wir um Allâhs willen geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Warum schätzen wir unseren Ehepartner nicht dafür, wie er ist, anstatt ständig zu versuchen, ihn zu ändern? Mit solch einer positiven Einstellung gäbe es reichlich Frieden in der Ehe und beide Partner würden schließlich erkennen, wie Allâh sie auf wundersame Weise zusammengeführt hat.
 

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