Iss, trink und sei ein Muslim! Teil 1

Iss, trink und sei ein Muslim! Teil 1
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In dem wunderbaren Animationsfilm „Ab durch die Hecke“ spricht der Waschbär Richie eine tiefgründige Wahrheit aus: „Für Menschen dreht sich alles ums Essen!“

Essen scheint uns wohl genauso zu verzehren, wie wir es tun – sowohl in Zeiten der Not als auch in Zeiten des Segens. Wir wachen auf und denken an Essen: „Ich werde dieses und jenes essen, aber was, wenn es keines mehr gibt?“

Wir treiben Sport, um Platz für mehr Essen zu schaffen; nehmen Pillen, falls wir uns durch zu viel Essen schlecht fühlen, und feiern mit Essen, nachdem wir eine ganze Diätwoche hinter uns haben. Wir haben üppige und aufwendige Mahlzeiten, aber essen auf die Schnelle, nur um uns zwischen diesen umfangreichen Mahlzeiten auf den Beinen zu halten. Es gibt Lebensmittel, die wir zu uns nehmen, um 1) unsere Haut besser aussehen zu lassen, 2) unser Herz gesünder zu halten, 3) uns mit schneller Energie zu versorgen, 4) uns beim Aufwachen zu helfen und 5) um uns zum Einschlafen zu bringen. Wir essen sogar Lebensmittel, die dafür sorgen, mit dem Essen aufzuhören oder das zu „verbrennen“, was wir gerade gegessen haben. Unser kleiner Waschbär scheint also gar nicht so weit daneben zu liegen.

Einst, in einem fernen Land namens Paradies, bestand die Scharîa für die gesamte Menschheit aus einem einzigen Gesetz: „Aber naht euch nicht diesem Baum, sonst gehört ihr zu den Ungerechten!“ (Sûra 2:35). Es ist sehr aufschlussreich, dass sich das erste göttliche Gebot an den Menschen auf das Essen bezog! Inmitten all der Herrlichkeit des Himmels, all der vollkommenen Kost innerhalb seiner Tore, mit grenzenlosem Zugang zu allem Essbaren, gab es eine verbotene Speise – und wir konnten nicht widerstehen. Ich spreche bewusst von uns, weil dies zweifellos eine typisch menschliche Handlung war. Keiner von uns hätte anders reagiert. Das Verlangen nach Nahrung schließt die Tür zur sinnlichen Natur des Menschen auf und öffnet sie sogar weit, um unsere weiteren Begierden des Konsums zuzulassen. Daher sollte Ernährung gut verstanden und reguliert werden.

Fakten über Nahrung im Qurân

Es macht Sinn, dass Ernährung im Qurân und in der Sunna so häufig und aus so vielen verschiedenen Blickwinkeln angesprochen und von den besten muslimischen Gelehrten jeder Generation so akribisch dargelegt wird. Das Verlangen zu essen geht weit über die Notwendigkeit zu überleben hinaus. Es charakterisiert die erdprägte Natur unserer Schöpfung und ihr ständiges Streben nach Genuss und Vergnügen. In all seinen wundersamen Formen wird das Essen im Qurân von Allâh dem Versorger als eine der absolut maßgeblichen Freuden des Paradiesgartens beschrieben. Denke darüber nach.

Für den Hörer des Qurân gibt es eine köstliche Belohnung mit überzeugenden Beschreibungen der beispiellosen Wonne des Essens in unverfälschter Schönheit, die lebendig zum Buche Allâhs einlädt. Das angewandte islâmische Recht (Fiqh), definiert umfangreich, was wir essen dürfen. Was die Sunna unseres geliebten Propheten (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) angeht, so hat uns dieser genau aufgezeigt, wie wir uns zu ernähren haben. Seine Sunna ist ein lebendiges Beispiel für die Einhaltung der besten und wünschenswertesten Umgangsformen beim Essen und erzieht uns mit einer hehren Grundhaltung der äußersten Enthaltsamkeit, gepaart mit absoluter Großzügigkeit, die den gesamten Umgang des Propheten mit Lebensmitteln prägte.

I. Den Versorger loben

Das Wunder und die göttliche Gnade der Nahrung in der Schöpfung ist eine Lehre an sich. Und in Wahrheit kann niemand den Anspruch erheben, alle Segnungen der Nahrung erklären zu können. Hierüber können ganze Bände geschrieben werden. Meine Schwiegermutter – und ja, sie liebt mich, ob ich mich nun genau zur Essenszeit in Ägypten blicken lasse oder nicht – hat eine Gewohnheit, die uns alle gleichzeitig zum Lachen bringt und einen Schauer der Demut hervorruft. Sie besteht bei jeder Mahlzeit darauf, die verschiedenen Arten von Essen auf dem Tisch zu zählen. „Schaut, hier gibt es drei verschiedene Lebensmittel: Salata, Rûz und Kûsâ.“ Sie listet das Salz auf dem Salat auf, das Öl, in dem die Zwiebeln gebraten wurden, und die Tomatensoße, in der unsere aufgeschnittenen Zucchinis nun saftig schwimmen. Nach einem langen Aufzählen von diversen Details in, auf und um unser Essen, die einen Chemiker neidisch machen würden, sagt sie immer wieder, dass sie uns die Erlaubnis gibt, davon zu kosten: „O Allâh, verewige den Segen und bewahre diesen vor dem Versiegen.“

Es ist unmöglich, dem Einen, der unendlich viel gibt und versorgt, ausreichend zu danken – besonders in diesen Zeiten und vor allem in dieser Gesellschaft, in der Nahrung fast so leicht zu bekommen ist wie Wasser. Dennoch gebührt alles Lob Allâh, auch wenn unser Lobpreis unzureichend ist.
 

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