II. Andere Menschen verpflegen
Der Qurân ist voll von Hinweisen auf das Wunder und die Pracht all dessen, was er für uns erlaubt und bekömmlich gemacht hat. Allâh gewährt uns Einblicke in die Verse des Qurân, um zu schauen, zu verstehen und zu erkennen: „So schaue der Mensch doch auf seine Nahrung“ (Sûra 80:24), das eigentliche Wunder der Entstehung, von der ersten Spaltung als Samen und dem Gezappel in der Erde, bis zur Blüte – frei und erhaben ist Allâh von allen Makeln! – Früchte in Büscheln, in Sprossen und wie Edelsteine in der Sonne, bis zur Verdauung in unseren eigenen Bäuchen und den Mägen der Tiere, die wir essen. So schau genau hin und nimm die überwältigende Weite der Formen und Gestalten der Rohkost in dich auf: die Farben, die Geschmäcker, die Aromen. Wir können nicht einmal ansatzweise das Wunder der Nahrung in seiner Gesamtheit betrachten; eine Nahrung, die auf Befehl Allâhs wächst, damit wir leben können: „Und Wir lassen dann auf ihr Korn wachsen und Rebstöcke und Grünzeug und Ölbäume und Palmen und Gärten mit dicken Bäumen und Früchte und Futter, als Nießbrauch für euch und für euer Vieh“ (Sûra 80:27-32)
Wir sind angehalten, für den Segen zu danken, welchen Allâh in ausreichender Menge und in genau der richtigen Balance der Nährstoffe über die ganze Erde verteilt hat, der aber von den Menschen ungleichmäßig verteilt wird. Daher besteht eine Art der Dankbarkeit gegenüber Allâh – selbst wenn wir niemals ausreichend danken können – darin, von dem, was uns reichlich zur Verfügung steht, an denjenigen zu geben, welcher weniger wohlhabend ist. Wir werden von Allâh aufgefordert, auf unsere Segnungen zu blicken: „Damit sie (allerlei) Nutzen für sich erfahren und den Namen Allâhs an wohlbekannten Tagen über dem aussprechen, womit Er sie an den Vierfüßlern unter dem Vieh versorgt hat. - Esst (selbst) davon und gebt dem Elenden, dem Armen zu essen“ (Sûra 22:28).
Essen bringt darüber hinaus Vergebung. Die Speisung von Bedürftigen und Bedrängten beschränkt sich nicht auf wohltätige Handlungen, sondern ist im Qurân oft eine Form der Sühne: „Allâh wird euch nicht für etwas Unbedachtes in euren Eiden belangen. Jedoch wird Er euch für das belangen, was ihr mit euren Eiden fest abmacht (und dieses dann nicht einhaltet). Die Sühne dafür besteht in der Speisung von zehn Armen in dem Maß, wie ihr eure Angehörigen im Durchschnitt speist“ (Sûra 5:89).
III. Verbotene Früchte
Der Qurân legt die Grenzen des Essens für Muslime fest und teilt mit, was verboten ist. Selbst eine flüchtige Lektüre des Qurân macht deutlich, dass Allâh den Muslimen große Freiräume in ihrer Ernährung gewährt hat. Möge Allâh unsere rechtschaffenen Vorfahren für ihre Bemühungen segnen, denn es sind jene, denen wir einiges von der göttlichen Milde zu verdanken haben, wie das Essen von den Speisen der Leute der Schrift. Wie bei Adam und Eva im Paradiesgarten steht es uns also frei, mit einigen wenigen Ausnahmen von den gesunden Nahrungsmitteln zu essen, die Allâh uns zur Verfügung gestellt hat (s. Sûra 2:172): „Verboten ist euch (der Genuss von) Verendetem, Blut, Schweinefleisch und dem, worüber ein anderer (Name) als Allâh(s) angerufen worden ist, und (der Genuss von) Ersticktem, Erschlagenem, zu Tode Gestürztem oder Gestoßenem, und was von einem wilden Tier gerissen worden ist – außer dem, was ihr schlachtet – und (verboten ist euch,) was auf einem Opferstein geschlachtet worden ist“ (Sûra 5:3).
Verboten ist uns auch Berauschendes, ein Gräuel vom Werk des Satans, beladen mit Schlechtem, um zwischen uns Feindschaft und bitteren Hass einzuflößen und uns vom Gedenken Allâhs und vom Gebet abzuhalten.
Essen und Trinken von dem, was nach dem Qurân als halâl und tayyib (gut und rein) bezeichnet wird, ist ein wesentliches Merkmal eines Gläubigen und der Gesandten Allâhs: „O ihr Gesandten, esst von den guten Dingen und handelt rechtschaffen; gewiss, Ich weiß über das, was ihr tut, Bescheid“ (Sûra 23:51). Die Vernichtung von Nahrung und von dem zu essen, was verdorben ist, ist hingegen eine Beschreibung des schlimmsten Ungläubigen, der auf Erden Unheil stiftet und Ackerbau und Viehbestand zerstört. Sein arroganter Stolz treibt ihn immer weiter in die Sünde (s. Sûra 2:204-206). Diese unterschiedlichen Verhaltensweisen in Bezug auf das Essen sind im Qurân eng mit dem Glauben verbunden. Essen und Glaube sind in der Tat untrennbar miteinander verbunden.
In der gleichen Reihe an Versen erlaubt uns Allâh alle guten Dinge (Tayyibât) und die Nahrung derer, denen die Schrift gegeben wurde (s. Sûra 5:4-5). Die „guten Dinge“ sind von entscheidender Bedeutung und ein Kriterium, das von den Gesandten gewissenhaft hochgehalten wurde und von uns heute völlig ignoriert wird, auch von unseren eigenen sogenannten Halal-Lebensmittellieferanten und -Gremien.
Wir wollen „die guten Dinge“ definieren. Dabei handelt es sich um Nahrungsmittel, die in allen anstehenden Phasen bis zur endgültigen essbaren Form mit dem Qurân und der Sunna des Propheten übereinstimmen: Von (a) der Saatgutaufbereitung und der Tierzucht, über (b) den Anbau von Feldfrüchten und die Tierhaltung bis hin (c) zur Ernte und dem Schlachten und (d) dem Vertrieb und Verkauf. Alle diese Bereiche haben qurânische Standards, die erfüllt werden müssen, um von den Tayyibât zu sein. Es gibt mittlerweile ernste Einschränkungen für Muslime, eigentlich für alle Menschen, weil das Lebensmittelsystem weltweit sehr korrupt geworden ist. Doch zumindest müssen wir uns der vielen Verfehlungen bewusst sein und unser Bestes tun, um die deutlichen Forderungen der Scharîa zu beachten, damit die Verstöße nicht noch größer werden.
Man kann sich hinter zwei Tatsachen nicht verstecken: (1) Agrarfabriken erzeugen heute den größten Teil unserer Nahrung und tun dies auf eine gottlose Weise: Sie füttern und züchten Tiere auf eine Art und Weise, die ihrer wahren Natur zuwiderläuft, machen sie krank, schlachten sie oft brutal und füttern sie innerhalb der menschlichen Nahrungsversorgung bis zum Tod, der durch massive Misshandlung und Ansteckungen hervorgerufen wird. (2) Die meisten muslimischen Gelehrten, welche auf theoretischer Ebene die Grenzen des Essens im Qurân und der Sunna verstehen, wissen nicht genug über die praktischen Aspekte der aufkeimenden Ernährungsprobleme unserer heutigen Welt, um qualifizierte Empfehlungen und Urteile über das Essen für Muslime abzugeben. Dies betrifft sowohl die Produktion als auch den Konsum. Das ist ein großes Problem, denn wir sind vor Allâh für das von uns Konsumierte verantwortlich, ebenso für die Anbaupraktiken und die Tierhaltung, die wir unbeabsichtigt, ja sogar unwissentlich, unterstützen.


Artikel

