Iss, trink und sei ein Muslim! Teil 3

Iss, trink und sei ein Muslim! Teil 3
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IV. Speise im Paradies und in der Hölle

Ernährung im Qurân in Bezug auf vorausgegangene Gemeinschaften und gegenwärtige Muslime handelt nicht nur vom Gebieten und Verbieten. Ein großer Teil der Erwähnung von Speisen im Qurân hat zum Ziel, den Menschen das Leben im Paradies durch wunderschöne Beschreibungen schmackhaft zu machen und sie zu motivieren. Das Essen gehört zu den primären Genüssen des Jenseits. Formen und Bezeichnungen mögen an Speisen erinnern, die man früher auf Erden kannte. Doch alle diesseitigen Erfahrungen mit dem Essen sind nur ein schwacher Abglanz der köstlichen Küche des Himmels, wo alles vollkommen und jedes Gericht einfach köstlich ist: „Und verkünde denen, die glauben und rechtschaffene Werke tun, (die frohe Botschaft,) dass ihnen Gärten zuteilwerden, durcheilt von Bächen. Jedes Mal, wenn sie mit einer Frucht daraus versorgt werden, sagen sie: ‚Das ist ja das, womit wir zuvor versorgt wurden‘; doch es ist ihnen eine ihr ähnliche gegeben worden“ (Sûra 2:25).

Aber so wie die Nahrung des Himmels unbeschreiblich köstlich ist, so beschreibt der Qurân die Nahrung der Hölle als unerträgliches, magenverderbendes Essen, an dem man erstickt (Sûra 73:13). Darin ist heißes Wasser und stinkender Eiter als Getränk (Sûra 38:57) und trockene Dornen, die weder sättigen, noch gegen Hunger helfen (Sûra 88:6-7).

„Ist dies als gastliche Aufnahme besser oder der Zaqqûm-Baum? Den haben Wir zu einer Versuchung für die Ungerechten gemacht. Er ist ein Baum, der im Grund des Höllenbrandes hervorkommt, dessen Fruchtscheide so ist, als wären es Köpfe von Satanen. Sie werden wahrlich davon essen und werden (sich) so davon die Bäuche füllen. Hierauf erhalten sie fürwahr eine Mischung von heißem Wasser“ (Sûra 37:62-67).

Unser Hauptanliegen in diesem Artikel ist unsere Verantwortung gegenüber der Nahrung, mit der Allâh uns in diesem Leben gesegnet hat. Möge Allâh uns mit der Nahrung des Paradieses segnen und uns vor den Speisen der Hölle schützen.

Nahrung im Leben und in den Lehren des Propheten Muhammad

Die Sunna des Propheten (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) verdeutlicht und erläutert die Qurânverse über das Essen – das Erlaubte und das Verbotene. Wir machen uns viele Gedanken und führen viele Diskussionen über das Essen, wenn es um Halâl und Harâm geht. Allerdings sprechen wir in unseren ganzen Gesprächen wenig über die Schatztruhe, welche uns der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) im Umgang mit dem Essen hinterlassen hat. Die Umgangsformen des Propheten gehen viel tiefer als die Oberflächlichkeiten des „Gut-aussehens-beim-Essen“, die dem gegenwärtigen anerzogenen Essverhalten zugrunde liegen. Vielmehr kannst du sicher sein, dass du hinter jeder prophetischen Vorschrift und jeder Ernährungsempfehlung eine spirituelle Dimension findest, welche darauf abzielt, deine menschliche Seite zu verbessern, deine Gesellschaft mit Menschen zu beleben und deinen Glauben zu stärken.

Ich habe 15 Gewohnheiten ausgewählt, die eine Ernährung gemäß der Sunna des Propheten charakterisieren. Zweifellos gibt es noch andere. Dennoch kann das Essverhalten des Propheten in Übereinstimmung mit dem Hinweis von Imâm Abû Hâmid Al-Ghazâlî leicht in drei umfassende Kategorien unterteilt werden: Handlungen, die dem Essen vorausgehen, Gepflogenheiten während des Essens und Anstandsregeln nach dem Essen. Diese werden im Folgenden kurz vorgestellt. Eigne dir diese Verhaltensweisen im Umgang mit Nahrung und Essen an. Lerne über dieses Thema im Laufe der Zeit so viel wie möglich von der authentischen Sunna und setze das Gelernte um.

Dem Essen vorausgehende Verhaltensweisen

1. Wisse, was du isst

Hierbei handelt es sich um eine grundlegende Handlung: Sei dir bewusst, was du einnimmst. Viele von uns lernen dies aus einem Gefühl der Selbsterhaltung heraus zu praktizieren. Allgemein gesagt wollen die Menschen in der Regel wissen, was sie in ihren Körper aufnehmen. Aus islâmischer Sicht ist es beim Umgang mit Lebensmitteln, die wir nicht kennen, inmitten eines Volkes, das nicht die gleichen Vorschriften für bestimmte Lebensmittel einhält, immer wichtig zu fragen, was genau ein fremdes Lebensmittel enthält.

2. Sei freundlich im Umgang mit deinen Gästen

Es ist nicht von der Sunna, alleine zu speisen. Iss mit anderen und sei freundlich zu deinen Gästen. Hierbei handelt es sich um eine wichtige islâmische Umgangsform, die hervorgehoben werden sollte. Der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Wer an Allâh und an den Jüngsten Tag glaubt, soll seinen Gast ehren“ (Al-Buchârî).

Um dem Willkommensgruß Ausdruck zu verleihen, besteht für den Gastgeber die Möglichkeit, seinen Gästen Essen anzubieten. Dies geschieht, um den Gästen zu zeigen, wie angenehm und erwünscht ihre Anwesenheit im Haus ist, und hilft dabei, Sorgen der Gäste zu zerstreuen, die vielleicht das Gefühl entwickeln, unerwünscht oder lästig zu sein. Denn Gäste sind üblicherweise gehemmt und emotional verletzlich. Es ist auch wichtig, dass der Gast die herzliche Einladung des Gastgebers würdigt, indem er das Essen und Trinken ohne Verstellung dankbar annimmt, um den Gastgeber nicht in Unbehagen zu versetzen oder unbewusst Unzufriedenheit zu signalisieren.

3. Wasch dir die Hände vor dem Essen

Hierbei handelt es sich um ein Standardvorgehen. Alle Mütter sind mit diesem besonderen Gebot sehr vertraut. Reinheit ist die Hälfte des Glaubens, und das Händewaschen vor und nach dem Essen ist wahrscheinlich die Hälfte der Sauberkeit.

Es sollte hier beachtet werden, dass alle Überlieferungen, die darauf hinweisen, Händewaschen und rituelle Gebetswaschung (Wudû) vor dem Essen würden Armut verhindern, schwache Überlieferungen sind. Hiervon ausgenommene Überlieferungen gibt es jedoch auch: Eine rituelle Gebetswaschung vor dem Essen ist dann empfohlen, wenn man sich im Zustand der rituellen Unreinheit (Dschanâba) befindet, wie von Ahmad und At-Tirmidhî überliefert.

4. Beginne mit dem Namen Allâhs

Âischa (möge Allâh mit ihr zufrieden sein) überlieferte, dass der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Wenn jemand von euch etwas isst, dann soll er Bismi-llâh sagen, und wenn er es vergisst, dann soll er sagen: ‚Mit dem Namen Allâhs, zu Beginn und am Ende (meiner Mahlzeit, AdÜ)“ (At-Tirmidhî).

Âischa berichtete auch, dass der Prophet (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) einst das Essen mit sechs seiner Gefährten teilte. Ein Wüstenaraber gesellte sich zu ihnen und verschlang das Essen in zwei Bissen. Der Prophet sagte: „Hätte er den Namen Allâhs vor dem Essen erwähnt, wäre das Essen für euch alle ausreichend gewesen“ (Abû Dâwûd und At-Tirmidhî).

Umar ibn Abû Salama (möge Allâh mit ihm zufrieden sein) berichtet: „Ich war noch ein Junge unter der Obhut des Gesandten Allâhs (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) und meine Hand ging beim Essen um den Teller herum. Der Gesandte Allâhs (möge Allâh ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sprach zu mir: ‚Mein Junge, erwähne den Namen Allâhs, iss mit der rechten Hand und iss von dem, was dir am nächsten ist.‘ Seitdem wende ich diese Anweisungen beim Essen an“ (Al-Buchârî).

Die richtige Ansicht hierzu ist: Es ist Pflicht, den Namen Allâhs zu erwähnen, wenn man isst. Die Überlieferungen sind authentisch und eindeutig, ohne jegliche Widersprüche.
 

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