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Gedächtnis: Ein göttlicher Segen für die Menschen – Teil 2

Gedächtnis: Ein göttlicher Segen für die Menschen – Teil 2

Taqiyuddîn As-Subkî fragte Al-Hâfidh Dschamâluddîn Al-Mizzî (Allâh erbarme sich ihrer) nach der Anzahl der Hadîthe, die auswendig gelernt sein müssen, um als „Hâfidh“ in Hadîth zu gelten. Dieser antwortete: „Dies wird durch die gängige Praxis (der Gelehrtengemeinschaft) bestimmt.“ Daraufhin sprach As-Subkî: „Jene, welche die gängigen Praktiken (der Gelehrtengemeinschaft) kennen, sind sehr wenige!“ Al-Mizzî: „Nun, die Anzahl der Überlieferer, die er kennt, zusammen mit dem Wissen über ihre Biographien, Zustände und Heimatländer, sollte mehr sein als die der Überlieferer, die er nicht kennt, so dass er als Hâfidh bezeichnet werden kann, und zwar nach dem, was überwiegt.“ As-Subkî: „Das ist sehr selten in unserer Zeit! Bist du schon jemandem begegnet, der diesem Profil entspricht?“ Al-Mizzî: „Ich habe so jemanden bisher nicht gesehen, außer Schaich Scharafuddîn Ad-Dumyâtî.“ Dann fügte er hinzu: „Auch Ibn Daqîq Al-Îd hat in dieser Hinsicht lobenswerte Beiträge geleistet.“ Fathuddîn ibn Sayyid An-Nâs (Allâh erbarme sich seiner) sagte: „In unserer Zeit wird der Titel „Muhaddith“ einem Hadîth-Experten verliehen, der sich mit dem Studium der Hadîth-Wissenschaften auf den Ebenen der Riwâya (Überliefererketten) und Dirâya (ganzheitliche Hadîth-Kritik, Matn eingeschlossen) auseinandersetzt, Kenntnisse über die Überlieferer hat, viele Überlieferer und Überlieferungen, die zu seiner Zeit in Umlauf sind, erlernt und sich auf diesem Gebiet hervortut, bis seine Kompetenz und sein gutes Gedächtnis in der Gelehrtengemeinschaft bekannt werden. Wenn er den Umfang seines Wissens erweitert, um über seine eigenen Hadîth-Lehrer und ihre älteren Lehrer in verschiedenen Tabaqât zu lernen, so dass das, was er über die Ilal der Überlieferer in seiner eigenen Tabaqa weiß, mehr sein sollte als das, was er nicht weiß, würde ihm der Titel „Hâfidh“ verliehen werden. Was das betrifft, worüber von einigen früheren Gelehrten berichtet wird, dass sie jemanden nicht als wahren Gelehrten des Hadîth anerkannten, bis er nicht zwanzigtausend Hadîthe aus dem Gedächtnis geschrieben hat, so entsprach dies der damals üblichen Praxis (der Gelehrtengemeinschaft).“

Al-Hâfidh Abû Âmir Muhammad ibn Sa’dûn (Allâh erbarme sich seiner) war einer der Großen im Bereich des Auswendiglernens von Hadîthen. Ibn Asâkir (Allâh erbarme sich seiner) sagte über ihn: „Unter allen meinen Lehrern hatte er das stärkste Gedächtnis.“ Ibn Asâkir hatte mehr als 1200 Lehrer. Der Rechtsgelehrte Alamuddîn Al-Qamnî (Allâh erbarme sich seiner) war in der Lage, sich an das zu erinnern, was er nur einmal gehört hatte. As-Schâfiî (Allâh erbarme sich seiner) hatte eines der außergewöhnlichsten Gedächtnisse seiner Zeit. Er widmete zwanzig Jahre seines Lebens dem Erlernen der arabischen Literatur und Geschichte und sagte darüber: „Ich habe sie nur gelernt, damit sie mir beim Studium des Fiqh helfen.“ Es wird überliefert, dass er einmal ein Buch von Abû Hanîfa las und am nächsten Tag in der Lage war, das ganze Buch aus dem Gedächtnis zu erzählen.

Ibn Duraid (Allâh erbarme sich seiner), ein arabischer Dichter, der das berühmte Gedicht „Al-Maqsûra“ verfasste, war ein bemerkenswerter Gelehrter der arabischen Sprache. Er hatte auch ein außergewöhnliches Gedächtnis, denn er pflegte ganze arabische Gedichtsammlungen aus dem Gedächtnis zu rezitieren, die ihm nur einmal vorgelesen wurden. Es heißt, Ahmad ibn Hanbal, der Imâm der Hadîth-Gelehrten, hätte eine Million Hadîthe auswendig gelernt. Sa‘îd ibn Dschubair sagte: „Ich las den Qurân in einer Gebetseinheit, die ich in der geschützten Moschee (in Mekka) verrichtete.“ Ismâ’îl ibn Abdulmalik sagte: „Sa‘îd ibn Dschubair pflegte uns im Ramadân im Gebet zu leiten. Er rezitierte in einer Nacht gemäß der Rezitation von Abdullâh ibn Mas‘ûd, in einer anderen Nacht gemäß der Rezitation von Zaid ibn Thâbit, in der dritten Nacht gemäß einer anderen Rezitation, usw.“ Dies ist nicht ungewöhnlich, da Ahmad ibn Hanbal über ihn sagte: „Al-Haddschâdsch tötete Sa‘îd ibn Dschubair zu einer Zeit, als es niemanden auf der Erde gab, der nicht auf sein Wissen angewiesen war.“

Dies war ein Blick auf die Vorzüge der muslimischen Gelehrten beim Auswendiglernen und Überliefern der Hadîthe, trotz der Schwierigkeiten in dieser Disziplin und der Fülle des Wissens über die Überlieferungsketten und Überlieferer. Gäbe es einen Menschen in unserer Zeit, der sich bemühen würde, etwas von dem, was sie auswendig gelernt haben, auswendig zu lernen, würde er stattdessen Chinesisch lernen und es als leichtere Aufgabe empfinden.

Es ist bemerkenswert, dass das Auswendiglernen eine gewöhnliche Fähigkeit war, die von jedem verlangt wurde, der sich in die verschiedenen Bereiche des Wissens wagen wollte. Dies kann man deutlich in den Biographien der Gelehrten der arabischen Literatur und der Wissenssucher sehen. Hätten sich frühere Autoren hauptsächlich auf das in ihren Schriften dokumentierte Wissen verlassen, wäre es keinem von ihnen möglich gewesen, Dutzende von Bänden zu verfassen, die ein heutiger Gelehrter weder reproduzieren noch ausreichend durchforsten kann.

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